Die Evangelische Kirche in Deutschland wählt neuen Vorsitzenden

Nicht nur eine Wahl

Ein Podium vor einem blauen Hintergrund mit der Aufschrift EKD
Bild: dpa/Jens Wolf

Das eigentliche Schwerpunktthema "Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft" rückt damit in den Hintergrund.

Wahl gilt als offen

Die Nachwahl eines 15. Mitglieds in den Rat für das verbleibende Jahr bis zur kompletten Neuwahl scheint dabei eher eine Routineangelegenheit zu sein - der zuständige Ausschuss hat den Berliner Bischof Markus Dröge als einzigen Kandidaten aufgestellt. Demgegenüber gilt die Wahl des neuen Vorsitzenden - bereits des dritten in der 2009 begonnenen Amtszeit des Rates - als offen: EKD-intern spricht man von einer "großen" und einer "kleinen Lösung".

Aus Sicht der meisten Kommentatoren in den Medien spricht alles für die Kür des bayerischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm (54), der als einziges der bisherigen Mitglieder des höchsten EKD-Gremiums eine Perspektive auch über 2015 hinaus bis 2021 böte. Eben deshalb gibt es aber auch zahlreiche Stimmen, die der im kommenden Frühjahr sich neu konstituierenden Synode nicht vorgreifen wollen.

Sie favorisieren den bisherigen stellvertretenden Ratsvorsitzenden und sächsischen Landesbischof Jochen Bohl (64), der 2015 in den Ruhestand tritt. Dieser hat sich bisher zu eventuellen Ambitionen bedeckt gehalten, könnte aber den Heimvorteil nutzen und etwa im Eröffnungsgottesdienst der Synode am Sonntag in der Kreuzkirche noch schwankende Wähler für sich einnehmen.

Die Wahlen stehen allerdings erst am Dienstag an, was noch viel Zeit für Klärungen bietet. Zuvor gibt es den letzten Ratsbericht Schneiders mit der obligatorischen Aussprache, außerdem die Beratungen zum Schwerpunktthema und zum EKD-Haushalt sowie einzelner Kirchengesetze. Auf der Tagesordnung stehen Änderungen zum Arbeitsrecht , die die Mitwirkung der Gewerkschaften sichern sollen.

Die Präses der Synode, Irmgard Schwaetzer, rechnet zudem damit, dass auch das Thema Suizidbeihilfe debattiert wird. Das Kirchenparlament werde sich dabei wohl in die Linie der Synodenbeschlüsse von 1998, 2008 und 2012 stellen, wonach das Leben "eine Gabe ist, über die wir nicht eigenständig verfügen sollen". In extremen Notlagen könne es zu davon abweichenden Entscheidungen kommen. Die Äußerungen Schneiders, dass er gegebenenfalls seine Frau wider die eigene Überzeugung zu einer möglichen Selbsttötung in die Schweiz begleiten würde, hatten innerhalb der evangelischen Kirche zwar Respekt, aber auch Irritationen ausgelöst.

Nebeneinander mehrerer Akteure

Ein zentrales Thema der Synode wird außerdem die Weiterentwicklung des sogenannten Verbindungsmodells sein. Dabei geht es um die Integration der konfessionellen Bünde, der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK), in die EKD.

Der evangelische Landesbischof in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm hält eine Rede, im Hintergrund ein violettes Kreuz.
Bild: © dpa/Andreas Gebert

Der evangelische Landesbischof in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm.

Seit Beginn der laufenden Amtsperiode tagen die beiden konfessionellen Synoden gemeinsam mit der EKD-Synode, genauer gesagt an den beiden oder drei Tagen davor, um Beschlüsse der EKD-Synode vorzubereiten. Dies hat zu Synergieeffekten geführt, zumal gemäß dem Prinzip der Personenidentität jedes Mitglied einer Synode der konfessionellen Bünde auch der EKD-Synode ist. Immer wieder wird die Frage aufgeworfen, ob das Nebeneinander dieser konfessionellen Bünde innerhalb der EKD noch sinnvoll ist.

Marx, Glück und Koch als Gäste

Das Thema Ökumene ist auf der Tagesordnung nicht speziell vorgesehen, allerdings wird es in Dresden einen besonderen ökumenischen Akzent geben. Nicht nur der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, wird zu seinem traditionellen Grußwort erwartet, sondern auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Ortsbischof Heiner Koch spricht zuvor bei der Generalsynode der VELKD.

Von Norbert Zonker (KNA)

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