Jetzt diskutieren die Laien
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Europaabgeordneter Peter Liese zu Themen der ZdK-Vollversammlung

Jetzt diskutieren die Laien

Mit einer Aussprache zum Thema Sterbehilfe beginnt am Freitag die Herbstvollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) in Bonn. Weiter geht es bei dem zweitägigen Treffen der höchsten katholischen Laienvertretung Deutschlands um die Situation verfolgter Christen sowie den 100. Deutschen Katholikentag 2016 in Leipzig. Der Europaabgeordnete Peter Liese (CDU) ist einer der Teilnehmer des Treffens.

Meschde - 21.11.2014

Frage: Herr Liese, das kürzlich veröffentlichte "Zukunftsbild" des Erzbistums Paderborn stärkt die Laien, ermutigt zu experimentieren und ruft Gläubige zur Mitgestaltung der Welt von heute auf. Nehmen Sie diese Aufbruchstimmung zur ZdK-Vollversammlung mit?

Liese: Es gibt für mich überhaupt keine Alternative zu einer stärkeren Mitwirkung der Laien am kirchlichen Prozess in ganz Deutschland. Bei einem Einsatz als Arzt im mittelamerikanischen Guatemala habe ich jeden Tag aktives religiöses Leben erlebt - fast ohne Priester. Hier können wir Deutsche von den Entwicklungsländern lernen. Die Kirchenleitung und die Priester müssen lernen, Verantwortung abzugeben. Die Laien müssen aber auch akzeptieren, dass Kirche nicht nur aus Klerus besteht.

Frage: Ein großes Thema wird bei der ZdK-Vollversammlung die Sterbehilfe sein, mit der sich gerade auch der Bundestag eingehend beschäftigt hat. Wie ist Ihre Haltung - auch aus Ihrer Erfahrung als Europaabgeordneter?

Liese: Ich sage ein klares Nein zur aktiven Sterbehilfe. Tötung von Patienten durch den Arzt darf es in Deutschland nicht geben. Die Erfahrungen aus Belgien und den Niederlanden sind für mich sehr erschreckend. Kollegen berichten, dass Patienten unter Druck gesetzt werden und dass es oft nicht der Wunsch des sterbenden oder kranken Menschen ist, getötet zu werden, sondern der Wunsch der Umgebung. Ich bin sehr froh, dass im Bundestag kein Antrag für die Zulassung der Tötung auf Verlangen vorliegt. Aber auch Beihilfe zum Suizid müssen wir sehr strikt regeln. Weder kommerzielle noch andere organisierte Sterbehilfeorganisationen sollten in Deutschland erlaubt sein. Auch Beihilfe zum Suizid ist keine ärztliche Aufgabe.

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Peter Liese ist Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und Abgeordneter im Europaparlament.

Auf der anderen Seite unterstütze ich nachdrücklich das, was Alois Glück vor einer Woche in der "Süddeutschen Zeitung" formuliert hat: "Wir Christen dürfen es nicht bei einem einfachen Nein zur Tötung auf Verlangen oder Beihilfe zum Selbstmord lassen." Auch in Deutschland steht nicht allen sterbenskranken Patienten Palliativmedizin in notwendigem Maß zur Verfügung. Pikanterweise gibt es in Belgien, wo vor kurzem die aktive Sterbehilfe für Kinder zugelassen wurde, kein einziges Kinderhospiz. Damit ist viel beantwortet.

Frage: Laut dem Hilfswerk "Kirche in Not" werden mehr als 200 Millionen Menschen weltweit wegen ihres Glaubens diskriminiert. Das Menschenrecht auf Religionsfreiheit ist bei der ZdK-Vollversammlung ein weiterer Schwerpunkt...

Liese: In der Tat ist die Religionsfreiheit weltweit bedroht. Mehr als 75 Prozent der religiös Verfolgten sind Christen, weshalb wir eine Verantwortung haben, besonders darauf hinzuweisen. Dies gilt auch für den EU-Beitrittskandidaten Türkei, wo Christen nicht die in internationalen Konventionen garantierten Rechte genießen. Die neue europäische Außenbeauftragte Federica Mogherini muss den Schutz von verfolgten Christen zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit machen.

Frage: In einem Jahr geht es um die Nachfolge von ZdK-Präsident Alois Glück. Welchen Typ Nachfolger würden Sie sich wünschen?

Liese: Alois Glück ist ein großartiger Präsident, der durch seine ruhige Art und seine tiefgründigen Analysen das ZdK sehr positiv geprägt hat. Die Fußstapfen sind groß. Die künftige Präsidentin oder der künftige Präsident muss eine Persönlichkeit sein, die durch ihre bisherige Tätigkeit ein Ansehen in der Gesellschaft und bei den Bischöfen hat, das ihr auch kritische Anmerkungen erlaubt.

Frage: Am Dienstag spricht Papst Franziskus vor dem Europäischen Parlament in Straßburg. Was erwarten Sie davon?

Liese: Ich freue mich riesig, dass Papst Franziskus das Europäische Parlament besucht. Ich erwarte mir ein starkes Plädoyer für das Europa der Werte und ein Plädoyer für unsere Verantwortung für die Menschen auf der ganzen Welt. Da der Heilige Vater zurzeit an einer Enzyklika für die Umwelt arbeitet, kann er uns auch wichtige Impulse etwa zur aktuellen Debatte um den Klimaschutz geben.

Das Interview führte Ronald Pfaff (KNA)

Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) die oberste Vertretung der kath. Laien. Das Gremium sieht es als seine Aufgabe an, die gesellschaftliche Entwicklung zu beobachten und die Anliegen der Katholiken öffentlich zu vertreten. Zudem berät das ZdK die Deutsche Bischofskonferenz und vertritt katholische Interessen auf internationaler Ebene. Das ZdK ist aus dem 1868 gebildeten Zentralkomitee zur Vorbereitung der Deutschen Katholikentage hervorgegangen und ist für die Planung und Organisation dieser Veranstaltungen verantwortlich. Organe des ZdK sind neben der Vollversammlung der Präsident, das Präsidium und der Hauptausschuss. Für zehn Sachbereiche gibt es eigene Sprecher. Zur jährlich zweimal tagenden Vollversammlung gehören je drei Laienvertreter der 27 deutschen Diözesen und drei Delegierte für die Militärseelsorge. 97 Mitglieder repräsentieren katholische Organisationen, Verbände, Initiativen und geistliche Gemeinschaften. Zudem sind 45 Personen des öffentlichen Lebens, die alle vier Jahre von der Vollversammlung gewählt werden, Mitglied im ZdK. (som)