Nach Veröffentlichung von Münsteraner Missbrauchsgutachten

Bistum plant Hinweise auf Verfehlungen von Bischöfen an deren Gräbern

Aktualisiert am 16.06.2022  –  Lesedauer: 

Münster ‐ Seit der Veröffentlichung des Münsteraner Missbrauchsgutachtens ist die Bischofsgruft im Dom mit den Gräbern belasteter Bischöfe geschlossen. Das Bistum plant, künftig in unmittelbarer Nähe der Gräber an Verfehlungen der Bischöfe zu erinnern.

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Das Bistum Münster will in unmittelbarer Nähe der Gräber von ehemaligen Bischöfen an deren Verfehlungen im Zusammenhang mit Missbrauch erinnern. Bis eine passende Form in Zusammenarbeit mit Missbrauchsbetroffenen gefunden sei, solle die Bischofsgruft im Münsteraner Dom geschlossen bleiben, erklärte Bistumssprecher Stephan Kronenburg am Donnerstag. Die dort beigesetzten drei Bischöfe "ließen sich von einer Haltung leiten, die den Schutz der Institution im Blick hatte, nicht aber die Betroffenen", so Kronenburg. "Die Toten sollen ruhen, die Wahrheit aber muss ans Licht."

Die Bischofsgruft unterhalb des Südturms im Dom ist seit Montag gesperrt. An diesem Tag präsentierten Forschende der Universität Münster eine Aufarbeitungsstudie für das Bistum. Sie werfen den in der Gruft beigesetzten Bischöfen Michael Keller (Amtszeit: 1947-1961), Heinrich Tenhumberg (1969-1979) und Reinhard Lettmann (1980-2008) vor, Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen gemacht zu haben. Beschuldigte und teils verurteilte Geistliche seien immer wieder versetzt und damit weitere Taten ermöglicht worden.

Dem aktuellen Bischof Felix Genn bescheinigen die Studienautoren, in seinen ersten Jahren in Münster reuigen Tätern kirchenrechtlich nicht immer mit der gebotenen Strenge begegnet zu sein und erst später den Umgang mit Missbrauchsfällen verändert zu haben. Genn will am Freitag erklären, welche Konsequenzen er und das Bistum aus der Untersuchung ziehen. Die Studie zählt nach Auswertungen von Akten und Betroffenen-Interviews 196 Beschuldigte zwischen 1945 und 2020. Die Zahl der Betroffenen liegt bei 610. Die Dunkelziffer sei aber acht- bis zehnmal so hoch, so die Forschenden. (KNA)