Keine Unterstützung für Häring-Vorstoß

Söding gegen Stimmrechtsverzicht von Bischöfen: Müssen Farbe bekennen

Aktualisiert am 20.06.2022  –  Lesedauer: 

Bochum ‐ Beim Synodalen Weg hängt vieles von den Stimmen der Bischöfen ab. Das findet der Theologe Hermann Häring völlig unangebracht und will einen Stimmrechtsverzicht – Thomas Söding wendet sich dagegen: Es brauche die Mitarbeit der Bischöfe.

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Der Vizepräsident des Synodalen Wegs, Thomas Söding, wendet sich gegen einen freiwilligen Stimmrechtsverzicht von Bischöfen in der Synodalversammlung. "Bischöfe müssen Farbe bekennen", schrieb Söding am Sonntag auf Twitter als Reaktion auf eine Forderung des Theologen Hermann Häring. Häring hatte in seinem Blog geschrieben, dass es nicht zu verstehen sei, dass "ausgerechnet unsere Bischöfe als Wahrer ihrer eigenen Privilegien und Interessen die Beschlüsse des Synodalen Wegs blockieren können". Daher sollten sie mindestens auf ihr Vetorecht verzichten, besser aber gar nicht abstimmen, "denn keinem Angeklagten steht es zu, einen Urteilsspruch über sich selbst mitzugestalten oder gar zu verhindern". Söding betonte dagegen eine besondere Verantwortung der Bischöfe: "Wenn sie nicht mitstimmen, geht das nicht." Nach Ansicht Södings wollen die Gläubigen sehen, wo die Bischöfe stehen und wofür sie sich einsetzen: "Es ist gut, wie viele sich am Synodalen Weg beteiligen: mit beraten und entscheiden."

In seinem Beitrag ging Häring auch auf die Kritik des Papstes am Synodalen Weg ein, die Franziskus in einem Interview mit den Jesuiten-Kulturzeitschriften geäußert hatte, und sah diese als Ausdruck weltweit wachsender Widerstände. Franziskus hatte berichtet, dass er gegenüber dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, gesagt hätte, dass es in Deutschland bereits eine gute evangelische Kirche gebe und es keine zweite brauche. Söding hatte nach den Interviewäußerungen bereits festgestellt, dass es keineswegs ein "Verbot" des Synodalen Wegs durch den Papst gebe. Der Papst schaue nach Deutschland, beweise Humor und rufe seinen "bemerkenswerten Brief an das pilgernde Gottesvolk in Erinnerung, der den Synodalen Weg in Deutschland von Anfang an zutiefst beeindruckt hat", so der Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, der auch Professor für Neues Testament an der Ruhr-Universität Bochum ist.

Der Synodalversammlung gehören die Mitglieder der DBK an, das sind die 69 aktiven Diözesan- und Weihbischöfe, sowie die gleiche Anzahl an Vertreterinnen und Vertretern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Dazu kommen weitere Vertreterinnen und Vertreter geistlicher Dienste und kirchlicher Ämter, junge Menschen und Einzelpersönlichkeiten, so dass die Synodalversammlung insgesamt aus 230 Personen besteht. Gemäß der Satzung des Synodalen Wegs entscheidet die Synodalversammlung mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der anwesenden Mitglieder. Dabei haben die Bischöfe eine Sperrminorität: Neben der Zweidrittelmehrheit der gesamten Versammlung bedürfen Beschlüsse außerdem einer Zweidrittelmehrheit der anwesenden Bischöfe. (fxn)