Welterbe-Status des Naumburger Doms in Gefahr

Naumburgs Domstifter reagieren auf Denkmal-Kritik an neuem Altar

Aktualisiert am 09.07.2022  –  Lesedauer: 

Naumburg ‐ Droht dem Naumburger Dom die Aberkennung des Status als Unesco-Welterbe? Erst seit 2018 trägt das Gotteshaus diesen Titel. Die zuständige Domstiftung wertet deshalb aktuell das entsprechende Gutachten aus.

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In der Debatte um den wieder errichteten Marienalter im Naumburger Dom wollen die Vereinigten Domstifter jetzt auf die Kritik des Internationalen Rates für Denkmalpflege (ICOMOS) reagieren. Dessen Gutachten, das durch die Aufstellung des Altars den Welterbe-Status des Doms beeinträchtigt sieht, werde derzeit ausgewertet, teilten die Domstifter, die als Stiftung juristische Eigentümer des Doms sind, am Freitag mit. "Unsere Antwort werden wir Anfang der kommenden Woche an das Unesco-Welterbezentrum in Paris weiterleiten."

Durch den am vergangenen Wochenende eingeweihten Altar, der in Teilen von Lucas Cranach dem Älteren aus dem Jahr 1519 stammt und dessen 1541 zerstörter Mittelteil nun vom Leipziger Maler Michael Triegel ergänzt wurde, ist nun im Westchor der Gesamtblick auf die berühmten zwölf Stifterfiguren des Doms aus dem 13. Jahrhundert, darunter Uta von Naumburg, teilweise verstellt. Deshalb könnte dem Naumburger Dom im äußersten Fall die Aberkennung seines erst 2018 zuerkannten Unesco-Weltkulturerbe-Status drohen.

Unterschiedliche Auffassungen zur Aufstellung des Altars

Die Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt hatte am Donnerstag auf Anfrage öffentlich gemacht, dass ICOMOS international, das Empfehlungen für das Unesco-Welterbekommitee verfasst, in einem Gutachten "eine beträchtliche Auswirkung auf die wesentlichen Merkmale des Welterbes Naumburger Dom" durch die Aufstellung des Altars sieht.

Offenbar gibt es dazu schon länger unterschiedliche Auffassungen, wie aus der Stellungnahme der Domstifter hervorgeht. Darin heißt es: "Dem Direktor des Unesco-Welterbezentrums in Paris haben wir unseren Plan der auf drei Jahre befristeten Aufstellung des Retabels am 3. März 2022 schriftlich angekündigt. Nach den drei Jahren sollte eine gemeinsame Evaluierung des Altarvorhabens und seines Standortes mit ICOMOS stattfinden."

Auf Wunsch des Landes Sachsen-Anhalt habe man die temporäre Aufstellung bis zum 4. Dezember 2022 verkürzt, um danach eine Evaluierung des Vorhabens und seines Standortes durchzuführen, so die Domstifter. Bereits im Herbst wollen sie in Naumburg ein Symposium mit Gegnern und Befürwortern des Projekts veranstalten. (KNA)