Zu dem Gottesdienst eingeladen hatte der Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche für Deutschland, Anba Damian. Gleichzeitig wurden in allen koptischen Kirchen in Deutschland die Glocken zum gemeinsamen Gebet geläutet. Koptische Gotteshäuser gibt es außer in Berlin in Bitburg, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg, Heidelberg, Höxter-Brenkhausen, Holzwickede, München, Stuttgart und Waldsolms-Kröffelbach.
Woelki betonte in seinem Grußwort, die jüngsten Angriffe auf Kirchen und christliche Einrichtungen in Ägypten hätten alle christlichen Gemeinschaften tief getroffen - Kopten, Katholiken und Protestanten.
Der Konflikt für der eigenen Haustüre
Er bewundere die Zuversicht und das Gottvertrauen des koptischen Papstes Tawadros II., der die Christen nach diesen Angriffen aufgefordert habe, nicht mit Gewalt zu reagieren, so Woelki. "Als Christen wollen wir unseren christlichen Brüdern und Schwestern in Ägypten mitteilen, dass wir mit ihnen solidarisch sind und mit Ihnen leiden, auch wenn diese Anteilnahme und Solidarität in den Medien kaum in Erscheinung tritt", sagte der Kardinal.
Anba Damian ist koptischer Bischof für Deutschland.
Er ging zudem auf die jüngsten Proteste vor einem Wohnheim für Asylbewerber in Berlin-Hellersdorf ein, durch die "das friedliche Zusammenleben auch in dieser Stadt auf eine schwere Probe gestellt" sei. "Ich appelliere an alle, Provokationen und Aggressionen zu beenden, damit Flüchtlinge und Asylbewerber hier ohne Angst leben können", sagte der Erzbischof.
Auch Dröge äußerte sich "berührt und tief erschüttert über die Geschehnisse in Ägypten". Zugleich warnte er davor, "einseitig von einer Christenverfolgung" zu reden. Die Gewalttaten seien Teil einer Aktion gegen öffentliche Einrichtungen gewesen, bei der neben den über 60 Kirchen auch Gerichte, Polizeistationen und Krankenhäuser angegriffen worden seien. "Gerade jetzt ist es wichtig, dass alle Menschen guten Willens, seien es Christen oder gemäßigte Muslime, gemeinsam für ein Ende der Gewalt einstehen", meinte Dröge.
Muslimbrüder sind Teil der Lösung
Am Morgen hatte Bischof Anba Damian eine Beteiligung der Muslimbrüder an Gesprächen über die Zukunft Ägyptens gefordert. Zugleich kritisierte er das Vorgehen der Militärs gegen die Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi. "Gewalt gegen Muslimbrüder ist genauso falsch wie Gewalt von Muslimbrüdern", sagte Anba Damian der "Zeit"-Beilage" "Christ __amp__ Welt". Sie seien Ägypter "und unsere Brüder und Schwestern". Daher sollten sie ihre politischen Vorstellungen äußern und um Zustimmung dafür werben können.
Den militärischen Flügel der Muslimbrüder nannte der Bischof dagegen eine terroristische Gruppe. Ein Jahr lang hätten sie unter Mursis Führung das Land heruntergewirtschaftet. Daher habe sich die Mehrheit des Volkes gegen sie gewandt und gegen ihren Versuch , "ein islamisches Kalifat zu errichten". Jetzt terrorisierten sie die Minderheit der koptischen Christen.
In den vergangenen Tagen sind Dutzende Kirchen und Gemeindezentren in Ägypten in Flammen aufgegangen. (mir/KNA/dpa)
Gebet für den Frieden in Ägypten
Guter Gott, die heilige Familie fand in Ägypten Aufnahme. Sie wird dort bisheute tief verehrt. Wie damals die heilige Familie, so erleben auch heute viele Menschen Furcht und Unsicherheit. Wir bitten dich: Für alle, die Angst haben, vor dem was auf sie zukommt: Sei du ihnen Zukunft und Hoffnung, Gott! Für alle, die niedergedrückt sind von Enttäuschung und Resignation: Sei du ihnen Zukunft und Hoffnung, Gott! Für alle, die verzweifelt sind, weil ihre Freiheit schwindet: Sei du ihnen Zukunft und Hoffnung, Gott! Für alle, die um ihr Leben fürchten, weil sie dich bekennen:Sei du ihnen Zukunft und Hoffnung, Gott! Für alle, die Armen und Verachteten in deinem Namen Hoffnung und Zukunft schenken: Sei du ihre Kraft und erfülle sie mit der Freude deiner Nähe. Amen. (Quelle: missio)