Festwagen beim Kölner Karnevalszug und Hände, die sich in die höhe strecken.
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Die Karnevalsrufe im Überblick

Alaaf und Hasi-Hasi-Palau!

Ab Weiberfastnacht ist es wieder so weit. Millionen Menschen stehen oder sitzen an Straßenrändern und Biertischen und stoßen sogenannte Narrenrufe aus. Doch was da im Karneval so alles gejohlt wird, erschließt sich nicht unmittelbar. Da gibt es zunächst im Köln-Bonn-Aachener Raum das donnernde "Alaaf!"

Bonn - 06.01.2015

Dieser Hochruf taucht bereits im 16. und 17. Jahrhundert in noch ganz unkarnevalistischen Zusammenhängen auf. Historiker Wolfgang Herborn sieht es spätestens seit 1635 als Jubel- und Trinkspruch belegt. So ist etwa die Rede von "dat Alaff colnisch land". "Cöllen al aff" (alles ab) bedeutet nicht weniger als "Köln vor allem anderen" oder "über alles".

Pikant: Die Nordgrenze zwischen dem "Alaaf" und dem zweiten Hauptruf des rheinischen Karnevals, dem Düsseldorfer "Helau!", verläuft fast exakt auf der wichtigen Grenze zwischen Kölsch und Altbier. Die Bedeutung des "Helau" liegt im Dunkeln. Volkskundler deuten es - neben manchem anderen - als eine Verballhornung des hebräisch-kirchlichen Jubelrufs Halleluja - zumal auch in manchen Regionen des Rheinlandes auch noch ein närrisches "Ajuja" gebräuchlich ist.

Zweifronten-Krieg

Am Niederrhein soll "Helo" mal ein Hirtenruf gewesen sein, mit dem die Bauern ihr Vieh nach Hause trieben. Manche vermuten hinter dem "Helau" auch eine Abwandlung von "Hallo" - doch liegt dem Rheinländer England so nahe? Immerhin: Die Briten waren mit dabei, die Rheinromantik des 19. Jahrhunderts loszutreten.

Das "Alaaf" führt gleichsam einen Zweifronten-Krieg mit dem "Helau". Zwar erklang auch in Mainz, der südlichen Hochburg, bis zur Session 1934 ein "Hoch" oder "Hurra". Doch damals brachte eine Delegation Mainzer Narren von einem Besuch in Düsseldorf das "Helau" mit, das fortan lustige Anwendung fand. Auch im Saarland, in der Pfalz und Kurpfalz wird "Fas(t)nacht" gefeiert. In letzteren lautet der Narrenruf weit weg vom Meer dennoch "Ahoi" - und in Koblenz ertönt ein dreifach "Kowelenz Olau!"

Lokale Karnevalsrufe

Daneben gibt es unzählige lokale Karnevalsrufe. Viele sind jüngeren Datums, um dem örtlichen Treiben Lokalkolorit zu verschaffen, so im bergischen Wuppertal "Wupptika!", ein lateinisch-pathetisches "gloria tibi Dülken" für das Städtchen am Niederrhein - oder im ostwestfälischen Paderborn gar "Hasi-Hasi-Palau!" Dieser schräge Ruf des erst seit 2004 stattfindenden Umzugs leitet sich vom berühmten "Hasenfenster" im Paderborner Dom ab, einem Wahrzeichen der Stadt. Nicht weit entfernt, in Scharmede bei Salzkotten, heißt es seit 1974 recht eigentümlich "Knolli knolli Schabau" - was auf die Zufuhr hochprozentiger alkoholischer Getränke hindeutet.

Gruselige Masken sind eines der Markenzeichen der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Der Narrenruf lautet hier meist "Narri-Narro".

In einer weiteren Karnevals-Großfamilie, der schwäbisch-alemannischen Fasnet, lautet der närrischste Narrenruf auf "Narri-Narro". Der Narr im Umzug schreit "Narri!", die anderen antworten "Narro!". Wenigstens ist die Herkunft klar: Das althochdeutsche "narro" bezeichnet einen durch Unvernunft auffallenden Menschen, einen Geisteskranken - oder einen Spaßmacher und Narren.

Der Osten und die Karnevalsrufe

Reich an Burgen ist der deutsche Osten - allerdings weniger an Karnevalshochburgen. Eine Ausnahme bildet etwa Wasungen an der Werra im Süden Thüringens. Dort ist die Tollheit seit 1524 beurkundet - wohl eine der ältesten Deutschlands. Der Ruf der Wasunger lautet "Woesinge Ahoi".

Und Berlin wäre nicht Berlin, wenn es, Spiegelbild einer ganzen Nation, nicht auch etwas rheinischen Karneval zu bieten hätte. Nach dem Umzug der Bundesregierung kam auch ein Rosenmontagsumzug ins Rollen. Dabei ruft man ein programmatisches "Berlin, heijo!", das mit dem Verweis auf "Heiterkeit und Jokus" interpretiert wird. So müssen rheinische Beamte nicht mehr zwanghaft zu Karneval in die alte Heimat reisen.

Von Alexander Brüggemann (KNA)