Einsichten in wichtige Fragen des Lebens bieten die öffentlich-rechtlichen TV-Sender über alle Programme hinweg und in vielfältiger Hinsicht. Wenn es im Zweiten um Wissenschaft geht, dann ist häufig Harald Lesch zur Stelle – seit seinem ZDF-Debüt mit der Reihe "Abenteuer Forschung" vor 15 Jahren. Bisher hat der Münchner Universitäts-Professor für Astronomie und Astrophysik als Moderator mit der ZDF-Reihe "Terra X Faszination Universum" 13 Filme der Astrophysik gewidmet. Nun wirft er in zwei Pilotfilmen einen Blick auf große Fragen zu seinem zweiten Fachbereich: der Naturphilosophie.
Die Idee zur Weiterentwicklung des "Terra X"-Formates – weg von der Astronomie und hin zu philosophischen Fragen – hatte Tobias Schultes, ZDF-Redaktionsleiter Naturwissenschaft und Technik. Im Auftaktfilm am 16. April um 19.30 Uhr geht es um die Frage nach Gott. Diese könne Kriege entfesseln, lasse Philosophen weltweit verzweifeln und könne Menschen tief erschüttern, wie es zu Beginn heißt. Die Dokumentation möchte aufzeigen, was die Wissenschaft über Gott sagen kann - und was nicht.
Besuch im Kloster
Die Dreharbeiten im Februar 2022 führten Lesch unter anderem in eine abgeschiedene religiöse Lebensgemeinschaft. Das Kloster Pazaislis in der litauische Stadt Kaunas gibt als Ort der Besinnung einen passenden Rahmen für die Suche nach Antworten auf die Frage nach Gott. In der historischen Barockkirche können Gäste den Alltag hinter sich lassen und gut über spirituelle Fragen nachdenken. Dieser Ort mit seiner besonderen Atmosphäre sei deshalb bewusst gewählt worden, erklärt die zuständige ZDF-Redakteurin Hanna Kotarba.
Aber der Film wird auch konkret. Ein Protagonist der Dokumentation ist der Deutsche Jean. Im mittleren Alter erlitt er bei einem Autounfall einen Fersen-Trümmerbruch, hatte starke Schmerzen und konnte sich nur noch mit Gehhilfen fortbewegen. Seit dem Besuch des weltweit bekannten französischen Pilgerortes Lourdes ist er schmerzfrei. Ein Wunder?
Lesch fragt sich: Gibt es Wunder? Anschaulich wird berichtet, wie sich für ein Unfallopfer durch einen Besuch in Lourdes das Leben verändert hat.
Lesch schaut genauer hin. Der Wissenschaftler fragt sich: Gibt es so etwas wie Wunder? Anschaulich wird in dem Fallbeispiel berichtet, wie schmerzhaft das Leben des Unfallopfers vorher gewesen ist und wie es sich für Jean durch den Besuch des katholischen Marienwallfahrtsortes verändert habe. Rein medizinisch ergab sich durch Untersuchungen nach dem Frankreichbesuch keine Veränderung, sagt Lesch. Aber in Jeans Empfinden hat sich alles zum Besseren gewandelt.
Lesch, der privat viel meditiert, unternimmt auch einen Selbstversuch. Im Klinikum der Universität München lässt er von Neurologie-Professor Peter zu Eulenburg erstmals sein Gehirn durchleuchten. Denn laut früheren Forschungen sind bei Menschen, die sich in einem spirituellen Zustand wie beim Beten oder Meditieren befinden, bestimmte Hirnregionen aktiv.
Beantwortet wird die große Gott-Frage am Ende der Doku trotz aller spirituellen Anklänge nicht. Gleiches gilt für die zweite Folge "Terra X – Die großen Fragen: Was ist der Sinn des Lebens?", die am 23. April um 19.30 Uhr ausgestrahlt wird.
Trotzdem verspricht ZDF-Redakteurin Kotarba interessante und spannende Unterhaltung. Seit zwölf Jahren wird die Physikerin und promovierte Astrophysikerin durch ihre ZDF-Arbeit nach eigenen Worten immer wieder überrascht. Diese konfrontiere sie mit Fragen, die sich viele Menschen stellten. Dazu zähle die Problematik, wie Gott das Leid in der Welt zulassen könne, ob es Wunder wirklich gebe oder ob Gott nur ein "Hirngespinst" sei. In den beiden Folgen von "Terra X – die großen Fragen" finde man darauf zumindest Teil-Antworten, so Kotarba.