Zwei deutsche katholische Bischöfe beim Gebet.
Deutsche Bischöfe und Papst Franziskus erinnern an Absturzopfer

Trauer und Leid

Flugzeugabsturz - Am Wochenende nach der Flugzeugkatastrophe in den Alpen haben mehrere Bischöfe die Frage nach dem Leid in den Mittelpunkt ihrer Ansprachen gestellt. In Rom betete Papst Franziskus während der Messe zu Palmsonntag für die Opfer.

Bonn - 29.03.2015

"Die schrecklichen Bilder dieses Flugzeugunglücks begleiten uns, die furchtbaren Fantasien und Vorstellungen, was mit einem Menschen los ist, der 150 Menschen in den Tod bringt", sagte Kardinal Reinhard Marx mit Blick auf den Schmerz der Angehörigen. Viele Menschen fragten sich, wie es angesichts solcher Katastrophen Trost geben könne, so der Kardinal während seiner Predigt im Münchner Liebfrauendom. Und er fügte hinzu: "Nicht, indem wir unsere Aktivitäten verstärken!"

Natürlich müssten Sicherheitsvorkehrungen weiter verbessert werden. Aber Trost, Heil, Versöhnung und Sühne könnten nur "gedacht werden, wenn Gott alles ins Spiel bringt, was ihm möglich ist, und das ist er selbst", so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Wie kann Gott solch ein Unglück zulassen?

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sagte im bistumseigenen Domradio, auch er stelle sich die Frage, wie ein allmächtiger und liebender Gott ein solches Unglück zulassen könne. Es müsse "Platz sein für Klage, Anklage - und wie ich finde, auch für Empörung -, wenn ein einziger Mensch so vielen völlig unschuldigen Menschen dieses unendliche Leid zufügt".

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Der Absturz eines deutschen Flugzeugs in Südfrankreich mit 150 Toten ruft Trauer und Entsetzen hervor. Deutsche Kirchenvertreter und Politiker sprachen den Angehörigen ihr Beileid aus und riefen zum Gebet für die Toten auf. "Wir gedenken der Opfer dieses Unglücks, das Menschen plötzlich und unerwartet mitten aus dem Leben gerissen hat", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, am Dienstag in Bonn. "Erbitten wir für sie Gottes Beistand und Trost".

Zu Beginn der Karwoche wies der Kardinal darauf hin, dass Jesus Christus gekreuzigt und Gott selber in den Tod gegangen sei. Dies helfe dabei, trotz aller Empörung, Klage und Trauer sich Gott anzuvertrauen und zu beten, so Woelki.

Er wird gemeinsam mit dem evangelischen Präses im Rheinland, Manfred Rekowski, am 17. April im Kölner Dom einem Trauergottesdienst für die Opfer des Flugzeugabsturzes vorstehen. Dazu werden Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet.

Genn: Es nimmt mir den Atem, wenn ich an den Flugzeugabsturz denke

Bei dem Absturz einer Germanwings-Maschine waren am Dienstag 150 Menschen ums Leben gekommen. Nach bisherigen Erkenntnissen litt der Co-Pilot an einer schweren seelischen Erkrankung und hat den Airbus absichtlich an einem Berg zerschellen lassen. Unter den Toten sind 16 Schüler und zwei Lehrerinnen eines Gymnasium im westfälischen Haltern.

Bei einem Gottesdienst für diese Gruppe sagte der Münsteraner Bischof Felix Genn: "Es nimmt mir den Atem, wenn ich an den Flugzeugabsturz denke." Wörtlich räumte er ein: "Ich kann auch keine Antwort geben auf die Frage nach dem Warum, auch wenn einige das von mir als Bischof erwarten". Dennoch sei es wichtig, sich dem Unbegreiflichen zu stellen und mit anderen darüber zu sprechen. "Man kann Gott sein Leid entgegen schreien", so der Bischof. Genn unterstrich, ihm helfe sein Gottvertrauen in Situationen, in denen Worte ihre Kraft verlören.

Papst Franziskus.

Papst Franziskus.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick betonte, Leiden und Tod Jesu verpflichteten, "mit den Angehörigen der Opfer zu trauern und Mitleid zu haben, teilzunehmen an ihrem Leid und ihrem Schmerz, an ihren Fragen und ihrer Verzweiflung". Die jungen Menschen hätten viel von ihrer Zukunft erhofft und seien mitten aus dem Leben gerissen worden. "Wir finden keine Antwort auf die Frage, warum sie sterben mussten."

Schick: Hilfe bei Menschen und Gott suchen

Das Drama der Karwoche ermutige auch, "Hilfe zu suchen bei Menschen und bei Gott, sobald man Krankheit wahrnimmt und verkehrte Neigungen mächtig zu werden drohen", so der Erzbischof mit Blick auf den Co-Piloten der Germanwings-Maschine.

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann sagte, das tragische Unglück in Südfrankreich verweise auf die Brüchigkeit irdischen Lebens. Das gelte auch für das Leiden im Nahen Osten, in Nigeria und anderen Krisengebieten weltweit. "Wenn wir die übergreifende Dimension des Leidens und Sterbens Christi als Durchbruch zu einem beständigen, in Gott verankerten Leben erkennen, wird dem Schmerz der tödliche Stachel genommen, und unser Einsatz, das Leid zu mindern, vehement gestärkt." (bod/KNA)