Dänemarks kleine katholische Gemeinden bangen ums Überleben

"Wir sorgen hier für alles"

Aktualisiert am 16.08.2015  –  Lesedauer: 
Die Aachener Franziskanerinnen Schwester Ingrid Frings (l.) und Schwester Lydia Timmermann vor der Kirche im dänischen Tondern.
Bild: © KNA
Dänemark

Tondern ‐ In Dänemark sind Katholiken in der Unterzahl. Aus finanziellen Gründen werden Kirchen mit zu kleiner Gemeinde geschlossen. Dagegen wehren sich die Franziskanerinnen, die in Tonder seit Jahren das Gemeindeleben gestalten und auch selbst finanzieren.

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"Wir sorgen hier für alles", erzählt Schwester Lydia, während draußen vor der Tür die Friedensglocke zur Vorabendmesse läutet. Der Hamburger Schriftsteller, Publizist und Musikverleger Hans Henny Jahnn (1894-1959) hatte sie einst einer katholischen Kirche auf der Insel Bornholm gestiftet, bevor sie ihren Platz in Tondern fand.

Doch bald schon könnte sie zum letzten Mal läuten. Im Januar wurde bekannt, dass im Bistum Kopenhagen Kirchen geschlossen werden sollen: in jenen Gemeinden, in denen es weniger als 300 registrierte Katholiken gibt. Dem letzten Stand nach wären das 8 bis 9 der insgesamt knapp 50 Gemeinden. Katholiken sind in Dänemark eine absolute Minderheit. Ihr Anteil an der Bevölkerung im Bistum Kopenhagen ist mit 0,6 Prozent geringer als der der Muslime mit rund 4 Prozent.

"Wir verstehen überhaupt nicht, warum der Bischof so handelt", erklärt die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Pia Wolden-Petersen (70). Angesichts der drohenden Schließung haben sich in Tondern inzwischen 375 Katholiken registrieren lassen, so versichern jedenfalls Wolden-Petersen und die Schwestern. Das Bistum gehe aber leider weiter von knapp unter 300 Gemeindemitgliedern aus. Tatsächlich ist man sich uneins, wie auch Generalvikar Niels Engelbrecht bestätigt, wer als registrierter Katholik zu zählen sei.

Schwester Lydia: Wir sind Selbstversorger

Engelbrecht zufolge soll in den von Schließung betroffenen Gemeinden künftig noch alle zwei Wochen ein Gottesdienst angeboten werden. Doch müssten andere Räumlichkeiten gefunden werden. Für alle anderen Aufgaben wären dann Nachbargemeinden zuständig. "Die Kirchen sollen geschlossen werden, weil wir immer weniger Priester haben und weil es wirtschaftlich zu viel für eine kleine Diözese ist, so viele Kirchen zu unterhalten."

Czeslaw Kozon, Bischof von Kopenhagen.
Bild: ©Bonifatiuswerk

Czeslaw Kozon ist der Bischof von Kopenhagen. Nach Aussage des Generalvikars könnte er den Plan umstoßen.

Aber am Geld kann es in Tondern eigentlich nicht liegen, da sind sich Wolden-Petersen und die Franziskanerinnen einig. "Das Bistum spart nichts, weil es außer dem uns zustehenden Kirchensteueranteil nichts zahlt. Wir sind Selbstversorger", sagt Schwester Lydia. Vor allem gebe es noch eine andere ungelöste Frage: Die Kirche befindet sich in einem Anbau des angrenzenden Gemeindehauses - und wurde von der Gemeinde zu einem großen Teil selbst finanziert. Man habe Spenden gesammelt, darunter eine zweckgebundene Einzelspende von umgerechnet rund 135.000 Euro. Die würde bei einem Verkauf der Kirche von den Spendern zurückgefordert werden, so Wolden-Petersen. Auch der Generalvikar spricht mit Blick auf Tondern von einer "schwierigen Situation".

Eine Messteilnahme in Deutschland wäre einfacher

Eine Schließung würde für die Katholiken im Süden Dänemarks zur Folge haben, dass sie entweder ins rund 80 Kilometer entfernte Esbjerg oder ins 40 Kilometer entfernte Apenrade ausweichen müssten, um an einem dänischen katholischen Gottesdienst teilzunehmen. Tatsächlich wäre es dann einfacher, über die Grenze ins benachbarte Erzbistum Hamburg zu fahren, nach Niebüll oder Leck. 

Noch ist offen, wie es weitergeht. Nach dem Sommer werde der Bischof nach und nach auf die betroffenen Gemeinden zugehen, kündigt Generalvikar Engelbrecht an. Ob die Schließung der Kirchen unumstößlich sei? "Bischof Czeslaw Kozon kann jederzeit seinen Plan umstoßen. Das steht ihm frei", sagt der Generalvikar. Und noch hat die Friedensglocke von Tondern nicht zum letzten Mal geschlagen.

Kleine Minderheit - große Herausforderung

Nur rund 40.000 der mehr als 5,4 Millionen Einwohner Dänemarks sind katholisch. Die kleine Kirche ist auf Hilfe aus Deutschland angewiesen und wird durch das Bonifatiuswerk unterstützt. Im Interview berichtete Czeslaw Kozon, Bischof von Kopenhagen und damit von ganz Dänemark, im Jahr 2012 über die Besonderheiten seiner Diaspora-Kirche.
Von Marco Heinen (KNA)