Patron der Nächstenliebe: Vinzenz von Paul
Gedenktag: 27. September

Patron der Nächstenliebe: Vinzenz von Paul

Er hat in seinem Leben Erstaunliches geleistet, war unermüdlich im Einsatz für Arme, Kranke und Gefangene und gilt als einer der Gründer der Caritas.

Von Margret Nußbaum |  Bonn - 28.02.2015

Vinzenz von Paul, der im 17. Jahrhundert wirkte, ist auch heute noch eines der großen Vorbilder in Sachen Nächstenliebe. Am 24. April 1581 kam Vinzenz als drittes Kind der armen Bauernfamilie de Paul in der französischen Gascogne zur Welt. Die Eltern hatte Mühe und Not, die sechs Kinder durchzubringen. Ihre Hoffnung lag auf dem begabten Vinzenz. Er sollte studieren und Priester werden. Obwohl die Eltern selber mittellos waren, verkaufte der Vater zwei seiner Ochsen, um seinem Jungen das Studium zu ermöglichen.

Als Sklave verkauft

Vinzenz geht zu Franziskanern in die Schule und nimmt – gerade mal 15 Jahre alt – ein theologisches Studium an der Universität von Toulouse auf. Noch vor Abschluss wird er im Jahr 1660 zum Priester geweiht. Doch nicht Frömmigkeit treiben den jungen Mann an, sondern die Aussicht auf eine Anstellung als Pfarrer und ein gutes Einkommen. Bei einer Seereise nach Marseille wird sein Schiff von Piraten gekapert und Vinzenz nach Tunis verschleppt. Dort wird er als Sklave verkauft und muss unter erbärmlichen Zuständen mehreren Herren dienen – zuletzt auch einem zum Islam konvertierten Franzosen. Dieser freundet sich mit Vinzenz an und lässt sich von ihm wieder zum Christentum bekehren. Gemeinsam fliehen die beiden übers Meer nach Avignon. Von dort geht Vinzenz nach Rom.

Wieder in Frankreich zurück, macht Königin Margarete von Valois den jungen Priester zu ihrem Hausgeistlichen und Almosenverwalter. Die Oberflächlichkeit des höfischen Lebens einerseits und die Armut auf der Straße andererseits stimmen Vinzenz nachdenklich. In dieser Zeit lernt er den Priester und späteren Kardinal Pierre de Berulle kennen und schätzen. Auf dessen Anraten nimmt Vinzenz eine Priesterstelle in Clichy nahe bei Paris an und wird kurze Zeit später auf Anraten seines Vertrauten Hausgeistlicher und -lehrer im Hause des Galeerengenerals Graf Gondi. Dabei bekommt er erschreckende Einblicke in das Schicksal der Galeerensträflinge. Immer öfter denkt Vinzenz an seine Zeit als Almosenverwalter zurück, an das Elend in den Hospitälern. Ihn überfällt eine starke Sinn- und Glaubenskrise. Und er erkennt, dass seine Berufung eine andere ist, nämlich die der tätigen Nächstenliebe.

Sozialarbeit und Reformen

Im Jahr 1617 verspricht Vinzenz Gott in einem Gelübde, sein Leben in den Dienst Armer und Kranker zu stellen. Gemeinsam mit Louise de Marillac gründet er die erste Caritas-Schwesternschaft  "Confrérie de la Charité", eine Gemeinschaft von Laienschwestern. Im Jahr 1619 beruft Graf Gondi Vinzenz zum obersten Seelsorger für die Galeerensträflinge und lässt ein Spital für kranke Häftlinge errichten. Wenig später folgt die Gründung einer Gemeinschaft für männliche Laienkräfte, die "Serviteurs des pauvres" (Diener der Armen). Neben seinen caritativen Aufgaben kümmert sich Vinzenz von Paul auch um die religiöse Bildung der Bevölkerung.

Gedenktag: 27. September

Patron aller caritativen Vereine und Werke; des Klerus; der Waisen- und Krankenhäuser; der Gefangenen; für das Wiederfinden verlorener Sachen

Er sammelt Priester um sich und gründet mit ihnen im Jahr 1625 eine Kongregation der Mission. Sie werden nach dem Sitz der Gemeinschaft nahe der Pariser Kirche St. Lazare Lazaristen oder auch – nach dem Gründer – Vinzentiner genannt. Neben seinem Einsatz für Arme und Kranke gilt Vinzenz schon damals als Reformer des religiösen Lebens und der Ausbildung von Priestern. Die Lazaristen missionieren nicht nur in Frankreich, sondern auch in anderen Ländern und in den französischen Kolonien. Dort erteilen sie Religionsunterricht und bereiten die Bevölkerung auf den Empfang der Sakramente vor. Darüber hinaus zeichnen sie sich durch caritative Arbeit aus.

Heiliger mit Oscar

Aus der "Confrérie de la Charité" wird im Jahr 1633 der Frauenorden der Vinzentinerinnen, der "Töchter der christlichen Liebe". Die "barmherzigen Schwestern", wie sie später genannt werden, bilden eine religiöse Frauengemeinschaft ohne Klausur und Ordenstracht. Die Schwestern tragen einfache Kleider aus grobem Stoff und ein Kopftuch aus weißem Leinen – wie die Landfrauen in der Umgebung von Paris. Sie gehen von Haus zu Haus, um Kranke zu pflegen, und arbeiten in Hospitälern. Besonders liebevoll kümmern sie sich um die vielen Findelkinder, die ohne Obhut dem sicheren Tod ausgeliefert gewesen wären. Vinzenz‘ Mitstreitern Louise de Marillac starb am 15. März 1660. Sie wurde am 11. März 1934 von Papst Pius XI. heiliggesprochen und gilt als Schutzpatronin der Sozialarbeiter und Witwen. Überliefert sind folgende Worte, die Vinzenz von Paul auf dem Sterbebett zu ihr sagte: "Ihr geht voran, ich werde Euch bald nachfolgen."

Vinzentinerinnen in Bonn richten eine Weihnachtsfeier für Jung und Alt aus.
Bild: © KNA

Die Vinzentinerinnen (hier: in Bonn) gibt es bis heute - weltweit.

Er selber starb bald darauf – am 27. September des gleichen Jahres. Seine letzten Worte waren Segenssprüche für alle, die mit ihm im Dienste der Armen standen – und für die Bedürftigen selber. Er starb in Frieden und gemäß seinem Ausspruch: "Wer im Leben die Armen geliebt hat, wird im Augenblick des Todes ohne Furcht sein." Sein Leichnam ruht in einem silbernen Sarg in der Kirche Saint Lazare, sein Herz in der Mutterhauskapelle der Vinzentinerinnen in Paris. Vinzenz von Paul wurde im Jahr 1729 selig- und am 16. Juni 1637 heiliggesprochen. Papst Leo XIII. erhob ihn im Jahr 1855 zum Patron der Nächstenliebe und Schutzpatron aller caritativen Vereine.

Das Leben des großen Heiligen wurde sogar verfilmt und kam 1947 in die französischen Kinos. Ein Jahr später trat "Monsieur Vincent" die Reise über den großen Teich an und erhielt 1949 den Ehren-Oskar für den besten fremdsprachigen Film. Offensichtlich waren die Menschen nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges besonders offen für positive Heldengeschichten. Dass Vinzenz von Paul auch heute noch vielen Menschen ein großes Vorbild ist, zeigen die Ordensgemeinschaften der Vinzentinerinnen, die seinen Namen tragen. Sie zählen heute rund 19.000 Mitglieder – in weltweit mehr als 90 Provinzen.

Von Margret Nußbaum