Vor 400 Jahre wurde der Begründer der Trappisten geboren

Der erste Trappist – ein Lebemann kehrt zurück zu strengen Wurzeln

Veröffentlicht am 09.01.2026 um 00:01 Uhr – Von Alexander Brüggemann (KNA) – Lesedauer: 

Bonn ‐ Die Zisterzienser traten im 12. Jahrhundert als Erneuerer des Benediktinertums an. Karg und arbeitsam wollten sie leben – und taten es (zunächst) auch. Vor 400 Jahren wurde dann einer geboren, der es wieder härter wollte.

  • Teilen:

Man kennt die Zisterzienser als einen der strengen Orden der katholischen Kirche. Sie traten im 12. Jahrhundert im heutigen Ostfrankreich als Erneuerer des benediktinischen Mönchtums an. Sehr karg und sehr arbeitsam wollten sie leben – und taten es auch. Roden, Ackerbau und Fischzucht standen auf derselben Stufe wie das Gebet: ora et labora, bete und arbeite.

Das Armutsideal zog Tausende junge Männer an – und dazu allerlei Zustiftungen des Adels für dessen ewiges Seelenheil. Die armen Mönche wurden so allzu schnell vermögend – und im Alltag nach und nach weniger hart gegen sich selbst. Später dann trennte sich ein Zweig vom Zisterzienserorden, der nach seinem französischen Hauptkloster La Trappe bald "Trappisten" genannt wurde – die "Zisterzienser der Strengeren Observanz".

Lange Trennungsgeschichte

Die Trennungsgeschichte war lang und kompliziert. Im 17. Jahrhundert setzte sich der Abt von La Trappe in der Normandie für eine Wiederherstellung der überaus strengen ursprünglichen Lebensweise der Zisterzienser ein. Der Name des Reform-Abtes: Armand-Jean Le Bouthillier de Rancé. Vor 400 Jahren, am 9. Januar 1626, wurde er in den französischen Hochadel hineingeboren. Sein Vater war der Privatsekretär von Königin Maria von Medici.

Armand-Jean wurde auf die geistliche Laufbahn gesetzt – die im 17. Jahrhundert für Adlige mit automatischer Ämterhäufung einherging. Schon mit elf wurde er 1637 Domherr von Notre-Dame in Paris sowie Abt von fünf Abteien, darunter auch La Trappe. Als sogenannter Kommendatarabt, nicht mehr von der Klostergemeinschaft gewählt, sondern vom französischen König frei ernannt, bezog er allerdings lediglich aus der Ferne Einkünfte aus seinen Abteien, ohne Leitungsgewalt und Amtspflichten.

Der Tod der Geliebten ist der Wendepunkt

1654 promovierte Rancé an der Pariser Sorbonne. Er lebte am Hof des aufgehenden Sonnenkönigs Ludwig XIV. – und genoss das dortige Leben. Doch dann sein Damaskus-Erlebnis: Im April 1657 fand der geistliche Höfling seine Geliebte tot auf. Der Anblick soll seine Bekehrung gewesen sein. Er lebte fortan zölibatär – und auch sonst, wie ein Priester es eigentlich tun sollte. Sein Vermögen und seine Pfründe verteilte er nach und nach an andere.

1660 besuchte Rancé auch – damals durchaus unüblich – seine Zisterzienser-Abtei La Trappe in der Normandie. Und was er sah, gefiel ihm nicht: Verfall, baulich wie moralisch. Impulsiv, wie er war, schickte er die bisherigen Mönche kurzerhand weg und ersetzte sie durch andere, aus dem 40 Kilometer entfernten Reformkloster Perseigne. Im Mittelpunkt sollten wieder Gebet, regelmäßiges Fasten und körperliche Arbeit stehen.

Strenge Obervanz hieß früher: hohe Sterblichkeit

Aus Rancés Reformbemühungen ging schließlich eine besondere Zisterzienser-Gruppe hervor, deren Regeln 1678 von Papst Innozenz XI. anerkannt wurden. Allerdings gibt es in der jüngeren Geschichtsforschung auch kritischere Bewertungen des Abtes von La Trappe, der dort auch im Oktober 1700 starb. Der strenge Lebenswandel bewirkte eine hohe Sterblichkeit unter den Mönchen; auch sei die theologische Bildung beiseite gelassen worden.

Armand Jean Le Bouthillier de Rancé sitzt im Trappistenhabit am Schreibtisch, eine Feder in der Hand
Bild: ©Werkstatt des Hyacinthe Rigaud (Wikimedia Commons, gemeinfrei; Montage katholisch.de)

Armand Jean Le Bouthillier de Rancé ist der Begründer der Trappisten.

Lange Zeit bestanden die Klöster der Reformströmung von La Trappe und jene der herkömmlichen Ordnung parallel nebeneinander. Unter dem gemeinsamen Dach des Zisterziensertums erlebten sie den totalen Kollaps der Französischen Revolution in Frankreich und Belgien und der Klosteraufhebung in den Habsburgerlanden und in Deutschland. Und unter dem gemeinsamen Dach begann auch im 19. Jahrhundert ein beeindruckender Neubeginn. Doch die beiden Traditionen hatten sich auseinandergelebt.

Die Zisterzienser im deutschsprachigen Raum legten ihren neuen Schwerpunkt mehr in der Pfarreiseelsorge, während die zumeist französischsprachigen Trappisten dies nicht in der traditionellen Ordensregel angelegt sahen. Mehr als die deutschen Niederlassungen lieferten sie in Handarbeit etwa Käse, Biere, Wein, Öle, Liköre, Kräuter und Heilmittel. Doch selbst die Reformierten waren seit 1847 in zwei Strömungen getrennt: Die eine befolgte die Regeln de Rancés, die andere jene des autoritären Abtes Augustin de Lestrange (1754-1827).

Käse, Biere, Kräuter

Beim Generalkapitel in Wien 1891 konnte der Orden bereits wieder die Zahl von 82 Männer- und 114 Frauenklöstern vorweisen: 7.139 Zisterzienser insgesamt. 52 Männerklöstern mit mehr als 2.900 Mönchen auf der Reformseite standen nur 30 Klöster mit 940 Mönchen der allgemeinen Observanz gegenüber. Mit der Nichteinladung der Französischsprachigen und der Wahl des böhmischen Abtes Leopold Wackarz zum Zisterzienser-Generalabt wurde freilich das deutsche Element noch weiter betont. Die Spannungen zwischen den beiden Strömungen stiegen.

Abtei Mariawald in der Eifel
Bild: ©Fotolia.com / Pixelwolf2 (Archivbild)

Die Abtei Mariawald in der Eifel bestand über 500 Jahre. 2018 wurde das letzte Trappistenkloster in Deutschland aufgehoben.

Papst Leo XIII. (1878-1903) lud nun zu einem Kapitel der beiden französischen und der belgischen Zisterzienser-Kongregationen (La Trappe, Sept-Fons, Westmalle) in Rom. Am Ende der Beratungen stand im Oktober 1892 eine Neuaufteilung: Die drei französischsprachigen Kongregationen verbanden sich zum "Orden der Reformierten Zisterzienser Unserer Lieben Frau von La Trappe" – der sich damit vom hergebrachten Zisterzienserorden trennte.

Das Dekret über den Zusammenschluss wurde am 8. Dezember 1892 veröffentlicht; dies ist das förmliche kirchenrechtliche Datum der Gründungsbestätigung. 1898 erwarben die Trappisten Cîteaux, das Mutterkloster der Zisterzienser. Und 1902 schließlich bekam der Orden seine endgültige Bezeichnung "Zisterzienser von der strengeren Observanz".

Charles de Foucauld und Thomas Merton

Die bekanntesten Trappisten des 20. Jahrhunderts waren der heilige Charles de Foucauld (1858-1916) und der Schriftsteller und Nonkonformist Thomas Merton (1915-1968). Ende 2016 gab es nach Ordensangaben noch weltweit 102 Männer- und 76 Frauenklöster – was mehr als eine Verdoppelung binnen 75 Jahren bedeutet. Zugleich ging allerdings die Zahl der Ordensleute stark zurück: auf zuletzt weltweit jeweils rund 1.300 Trappisten und Trappistinnen im Jahr 2020.

Das letzte Trappistenkloster in Deutschland, die Abtei Mariawald in Heimbach in der Eifel, wurde 2018 aufgehoben, das letzte im deutschsprachigen Raum, im österreichischen Engelhartszell, 2023. Zwei Frauenklöster gibt es aber noch in Deutschland: die Abtei Maria Frieden in Steinfeld in der Eifel und das Kloster Gethsemani im pfälzischen Dannenfels.

Von Alexander Brüggemann (KNA)