Zum 100-jährigen Bestehen

Katholische Kirche räumt zu Jubiläum Schuld gegenüber Freikirchen ein

Veröffentlicht am 29.04.2026 um 18:44 Uhr – Lesedauer: 

Berlin ‐ 100 Jahre Freikirchen-Vereinigung in Deutschland: Beim Jubiläum betont die katholische Kirche Respekt und Dankbarkeit. Warum Ökumenebischof Gerhard Feige aber auch von Schuld spricht, und wo Freikirchen Pioniere waren.

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Die katholische Kirche hat selbstkritisch Schuld im Umgang mit den evangelischen Freikirchen eingeräumt. Sie habe lernen müssen, die Freikirchen als ökumenische Partner wahrzunehmen und zu respektieren", sagte der Ökumenebeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Gerhard Feige (Foto oben), am Mittwochabend laut Manuskript bei einem Jubiläumsempfang in Berlin zum 100-jährigen Bestehen der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF). Er sei dankbar für wichtige Impulse, die die Freikirchen in die Gemeinschaft der Christen einbrächten.

"Die Schuld der Vergangenheit kann man nicht ungeschehen machen. Aber ein ehrlicher Blick in die Vergangenheit, ein aufrichtiges Schuldbekenntnis und für die Zukunft die Zusage eines wirklich geschwisterlichen Umgangs können helfen, die positiven Entwicklungen der letzten Jahrzehnte in unseren wechselseitigen Beziehungen auch in Zukunft fortzuschreiben", hob Feige hervor.

Ökumenische Pionierarbeit

Der Magdeburger Bischof betonte, die VEF habe ökumenische Pionierarbeit darin geleistet, Vielfalt in den Traditionen, theologischen Akzentsetzungen, Frömmigkeitsstilen und Ausprägungen auf der einen Seite und Einheit im Glauben auf der anderen Seite zu leben und zu gestalten. "Dafür möchte ich der VEF als katholischer Vertreter heute ausdrücklich danken."

Er hege große Bewunderung für die Entschiedenheit, mit der freikirchliche Christinnen und Christen ihren Glauben lebten. "Und es ist gut, dass sie das Bewusstsein dafür wachhalten, dass das Verhältnis von Kirche und Staat stets einer kritischen Reflexion bedarf, dass sie daran erinnern, die friedensethischen Impulse des Christentums ernst zu nehmen, und dass sie unbeirrbar für Glaubens- und Gewissensfreiheit eintreten – auch gegen Widerstände", so Feige. (KNA)