Glaube spielt wichtige Rolle in seinem Leben

Neuer Bundestrainer Jürgen Klopp: "Ich bin Christ"

Neuer Bundestrainer Jürgen Klopp: "Ich bin Christ"
Bild: IMAGO / Kirchner-Media

Er war der große Favorit – und jetzt hat er die Aufgabe tatsächlich übertragen bekommen: Jürgen Klopp ist neuer Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Männer. Das gab der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Freitag bei einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main bekannt. Klopp folgt dem zurückgetretenen, glücklosen Julian Nagelsmann nach, mit dem an der Seitenlinie die DFB-Elf bei der Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA im Sechszehntelfinale sang- und klanglos gegen Paraguay ausgeschieden war.

Klopp war bereits direkt nach dem Ausschneiden der deutschen Mannschaft am 29. Juni von vielen Fans als Wunschkandidat für den Posten des Bundestrainers genannt worden. Die Debatte kreiste dabei naturgemäß vor allem um seine taktischen Fähigkeiten, seine Kompetenz in Sachen Motivation und Menschenführung und seine Erfolge auf den Trainerbänken von Mainz 05, Borussia Dortmund und dem FC Liverpool. Wer den Menschen Jürgen Klopp verstehen will, muss jedoch auch auf etwas anderes schauen: seinen christlichen Glauben.

Familie und Glaube als "Basis für alles"

Schon lange bevor Klopp einer der beliebtesten und erfolgreichsten Trainer Deutschlands und Europas wurde, sprach er offen darüber, was ihn als Mensch trägt. 2008 sagte er in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) auf die Frage, welche Rolle der Glaube in seinem Leben spielt: "Neben den Menschen in meinem engsten Umfeld die wichtigste. Also das ist einfach alles, was mich ausmacht, was mich leitet, was meine moralischen Prinzipien festlegt. Mein roter Faden durchs Leben ist mein Glaube, ganz klar!" Nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 2024 wiederholte er diese Aussage noch einmal ähnlich. Neben seiner "fantastischen Familie" sei sein christlicher Glaube "die Basis für alles".

Beten ist ein wichtiger Bestandteil meines Christseins.

— Jürgen Klopp

Solche Aussagen sind im Profifußball eher selten. Zwar bekunden viele Spieler ihren Glauben mit Gesten auf dem Platz – wie zuletzt die deutschen Nationalspieler Felix Nmecha und Jonathan Tah bei ihrem vielbeachteten gemeinsamen Gebet mit Spielern von Deutschlands WM-Gruppengegner Curaçao – oder Postings in den sozialen Netzwerken. Gerade wenn es sich um Spieler aus dem evangelikalen Milieu handelt, wirkt das jedoch oft effekthascherisch. Der Protestant Klopp dagegen stellt seinen Glauben nicht aufdringlich ins Schaufenster, sondern beschreibt ihn unaufgeregt als etwas, das selbstverständlich zu seinem Leben dazugehört – als Stütze im Alltag, die insbesondere auch in schweren Momenten trägt.

Weltweit Beachtung fand etwa eine Videobotschaft, die Klopp Ende Mai 2019 an Dave Evans schickte, einen todkranken Anhänger des FC Liverpool. Evans hatte gehofft, das Champions-League-Finale seines Vereins in Madrid erleben zu können; sein Gesundheitszustand ließ dies jedoch nicht mehr zu. Klopp sprach Evans in dem Video Mut zu, sagte, die Liverpooler Mannschaft denke an ihn, und erinnerte daran, dass es im Leben um mehr gehe als um Fußball. Die letzten Worte seiner Botschaft gingen dann weit über den Sport hinaus und sorgten für besondere Aufmerksamkeit: "Ich bin Christ. Wir sehen uns!" Millionen Menschen sahen das Video, viele waren von Klopps offenem Bekenntnis zum christlichen Glauben bewegt.

"Ganz natürlicher Zugang" zum Glauben

Seine christliche Prägung erfuhr Klopp nach eigener Aussage schon als Kind. Seine Großmutter nahm ihn sonntags mit in die Kirche, seine Mutter betete abends mit ihm. "Insgesamt habe ich wohl einen ganz natürlichen Zugang zum Glauben bekommen. Der ist mir bis heute sehr wichtig. Und damit geht es mir wahnsinnig gut", sagte Klopp im KNA-Interview. Darin erzählte er auch von seinem schlechten Gewissen, wenn in seiner Kindheit im Nordschwarzwald an Sonntagen Kirchgang und Fußball konkurrierten. "Da habe ich sogar kurzfristig aufgehört, Fußball zu spielen. Aber dann habe ich mir gesagt: Wenn Gott das wollte, dann hätte ich nicht so viel Spaß am Kicken."

Außerdem erzählte er damals, dass das Gebet für ihn immer noch selbstverständlich zum Alltag gehöre. "Beten ist ein wichtiger Bestandteil meines Christseins. Auch wenn ich manchmal tagsüber so viel zu tun habe, dass ich im Abendgebet einschlafe." Auf alle Fälle beende er aber jeden Tag mit einem Gebet. "Und es kommt auch vor, dass ich einfach so am Tag mal bete. Ja, dass ich einfach im Zwiegespräch bin mit Gott, dass ich mir auch Rat hole." Allerdings, so Klopp, bete er nie für sportliche Erfolge auf dem Fußballplatz: "Ich bete nie um den Sieg im Fußball, sondern um Kraft, um Besonnenheit, um die notwendige Ruhe, die Dinge richtig einzuschätzen."

Jürgen Klopp
Bild: © picture alliance / Sven Simon (Archivbild)

Jürgen Klopp nach dem Sieg seiner Manschaft, des FC Liverpool, im Champions-League-Finale 2019.

Diese Haltung zieht sich durch viele seiner öffentlichen Aussagen. Vor dem Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona im Frühjahr 2019 erinnerte Klopp daran, dass er bis zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Endspiele als Trainer verloren hatte. Verbitterung klang daraus nicht. Stattdessen sagte er: "Wenn der liebe Gott mich dafür braucht, um zu zeigen, dass jemand sechs Endspiele in Folge verliert und er es tatsächlich auch noch ein siebtes Mal versucht, dann bin ich die perfekte Person dafür." Nicht der Erfolg, sondern die Haltung zählt – dieser Gedanke taucht bei Klopp immer wieder auf. "Für mich bedeutet das Leben, es immer wieder zu versuchen." Wenn nur Gewinner überleben dürften, "können wir alle einpacken".

Wohl auch aufgrund dieser Haltung kann Klopp mit dem oft beschworenen "Fußballgott" wenig anfangen: "Es gibt viel wichtigere Dinge als Fußball." Gott kümmere sich um alles – sicher auch um Fußball und um die Spieler. "Aber ich denke nicht, dass er dafür eine spezielle Abteilung aufgemacht hat." Wer Klopp über seinen Glauben sprechen hört, begegnet keinem missionarischen Prediger. Er selbst betont, dass er weder Bibelkreise leite noch mit Spielern bete. Aber: "Ich bin ja auch als Trainer zuerst Mensch. Und das sollen die Spieler schon spüren", sagte er einmal. Christsein zeigt sich für ihn offenbar weniger in öffentlichen zelebrierten Ritualen als in der Art, wie Menschen miteinander umgehen.

Ein "Messias", der dem "Papst ein Doppelbett" verkaufen kann

Offen sprach Klopp in der Vergangenheit auch über konfessionelle Unterschiede. Er ist evangelisch, seine Frau katholisch. Beim Kirchgang wechselten sie sich ab, sagte er 2008. Seine Hoffnung formulierte er damals mit einem augenzwinkernden Bild: Er sei fest überzeugt, dass alle Menschen eines Tages vor demselben Himmelstor stünden – unabhängig von Konfession oder Religion. "Und der ein oder andere muss dann sagen: Mein Gott, waren wir blöd. Jetzt stehen wir alle vor der gleichen Tür und haben da unten so einen Affentanz gemacht."

Ab sofort wird es für Jürgen Klopp darum gehen, als neuer Bundestrainer mit den übergroßen Erwartungen der Fußballfans umzugehen und den am Boden liegenden DFB und seine Nationalmannschaft wieder aufzurichten. Viele sind davon überzeugt: Wenn das einer schaffen kann, dann Klopp. Der langjährige Stadionsprecher von Mainz 05, Klaus Hafner, nannte ihn einst einen "Messias", der mit seiner Überzeugungskraft alle mitreißen und selbst "dem Papst ein Doppelbett" verkaufen könne. Wenn das kein gutes Omen ist.

Steffen Zimmermann