Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat Christinnen und Christen aufgerufen, nicht das Jammern der Welt zu verdoppeln. Sie sollten vielmehr den Geschmack und die Hoffnung des Evangeliums in die Gesellschaft einbringen, sagte Marx am Mittwochabend beim Jahresempfang der Erzdiözese München und Freising. Es gelte, das um sich greifende Gift des Misstrauens, der Angst und der Wut an der Wurzel zu packen und etwas dagegenzusetzen. Sonst würden nur weiter radikale Kräfte davon genährt.
Marx verwies auf das große kirchliche Engagement in Pfarreien und Einrichtungen wie Kindergärten. Ohne dieses würden der Gesellschaft viele Quellen des Vertrauens fehlen. Zugleich verteidigte der Kardinal den Sozialstaat. Dessen Grundlage sei die Solidarität. Die Jungen stünden für die Alten ein, die Gesunden für die Kranken. Der Grundgedanke müsse bleiben: "Niemand fällt aus dem Boot, jeder bekommt ein menschenwürdiges Dasein in unserem Land."
Der Kardinal sagte, dass er unlängst für eine Schülerzeitung einen langen Fragenkatalog beantworten musste. Eine Frage sei gewesen, was der Schlüssel für ein gelingendes Leben sei. Dankbarkeit, habe er geantwortet. "Ich bin ein Mensch mit einer Würde, die ich nicht selber gemacht habe. Wenn ich morgens aufstehe und atme, sage ich danke, dass ich leben kann." Das Leben sei außergewöhnlich und nicht selbstverständlich. Jeder Mensch sei ein Bild Gottes. Dies sei die gemeinsame christlich-jüdische, biblische Botschaft. – Bei dem Empfang waren rund 600 Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Gesellschaft und Politik anwesend. (KNA)