Der Generalobere der Piusbruderschaft, Davide Pagliarani, ruft seine Anhänger auf, seiner Gemeinschaft treu zu bleiben. Am Sonntag wandte er sich in einem Brief an "alle Gläubigen der Bruderschaft St. Pius X." und äußerte sich zu den Exkommunikationen nach den unerlaubten Bischofsweihen Anfang Juli. "Diese völlig ungerechte Verurteilung stellt eine immense Demütigung für Menschen dar, deren einziges Ziel es ist, den wahren Glauben zu verteidigen und für das Heil der Seelen zu wirken", heißt es in dem Schreiben.
Pagliarani zeigte sich enttäuscht über die Haltung des Papstes. "Bis zum letzten Tag habe ich auf eine Geste des Wohlwollens oder zumindest des einfachen Verständnisses seitens des Heiligen Stuhls gehofft." Die stattdessen verhängten Sanktionen seien von beispielloser Härte gewesen. Nach den Weihen stellte das Glaubensdikasterium die Exkommunikation der weihenden und der neu geweihten Bischöfe fest. Die Piusbruderschaft hat in der vergangenen Woche angekündigt, Rechtsmittel gegen das Exkommunikationsdekret einzulegen.
Die Anhänger der Piusbruderschaft sollen nach dem Willen Pagliaranis den Glauben "unversehrt und lebendig" bewahren: "Wenn die Vorsehung eine Krise zulässt, durch die die Glaubenslehre auf geheimnisvolle Weise verdunkelt wird, muss derselbe Glaube in den Seelen weiterleben, trotz aller Gegenwinde, die ihn auslöschen wollen." Das Glaubensdikasterium hatte die Gläubigen in seinem Exkommunikationsdekret dagegen vor einer weiteren Verbindung mit der Piusbruderschaft gewarnt: "Die Geistlichen und die Laien werden ermahnt, sich nicht dem Schisma der Priesterbruderschaft St. Pius X. anzuschließen, da sie sich damit ipso facto der Strafe der Exkommunikation latae sententiae aussetzen würden."
Gültigkeit der Exkommunikation zurückgewiesen
Erneut wies der Generalobere die Gültigkeit der Sanktionen zurück: "Es liegt auf der Hand, dass eine solche Verurteilung vor Gott nicht gültig sein kann, denn sie würde das verurteilen, was den Kern des Lebens der Kirche selbst ausmacht." Pagliarani betonte, dass "diese tiefe Demütigung" in den Augen Gottes einen Sinn habe. Die Weihen seien um der Seelen der Gläubigen willen gespendet worden: "Wenn es notwendig ist, den Preis einer solchen Demütigung zu zahlen, um ihr die Unterweisung im wahren Glauben und die Spendung der wahren Sakramente zu sichern, dann ist es das wert, denn eine Seele ist unbezahlbar."
Unmittelbar vor den Weihen hatte Papst Leo XIV. die Piusbruderschaft in einem Brief gewarnt: "Ich ermahne euch, das geistliche Wohl der Gläubigen sorgfältig zu bedenken, weil der schismatische Akt, den ihr begehen würdet, sie des erlaubten und in manchen Fällen auch des gültigen Empfangs der Sakramente berauben würde, welche sie lieben und zu ihrer Heiligung suchen." Der Appell hatte keine Wirkung. Nach der Exkommunikation schrieb Pagliarani einen Brief an den Papst. Darin bedauerte er die Exkommunikation und teilte mit, dass die Gemeinschaft "diese neuen – objektiv ungerechten und ungültigen – Sanktionen weder in Verbitterung noch in Aufbegehren" hinnehmen würde. (fxn)