Bemühen um "Wiederverzauberung der Welt"

Maler Triegel will mit Kunst Sehnsucht nach Transzendenz wachhalten

Der Künstler Michael Triegel vor einem seiner Werke in einer Ausstellung im Bachmuseum Leipzig.
Bild: epd-bild/Jens Schulze

Der Leipziger Maler Michael Triegel will mit seiner Kunst einen Gegenpunkt zu einer zunehmenden Transzendenz-Vergessenheit setzen. "Ich bemühe mich um die – vielleicht aussichtslose und dennoch um meiner eigenen Stabilität willen zu versuchende – Wiederverzauberung der Welt", sagte Triegel im Interview des Portals communio.de (Montag). Anlass ist Triegels neues Bild "Doxa", was aus dem Griechischen übersetzt Glanz, Ruhm oder Herrlichkeit bedeutet. Es behandelt die Frage nach der Herrlichkeit Gottes und ihrer sinnlichen Erscheinung in der Welt.

Er fühle sich in seiner Arbeit verpflichtet, "Erinnerungsarbeit gegen das Vergessen" zu leisten, so Triegel weiter. Es gehe ihm dabei nicht darum, Traditionen zu konservieren, sondern zu fragen, ob unter dem "Aschehaufen" des Vergessenen noch ein "Glutkern" verborgen liege, der Menschen heute etwas zu sagen habe. "Die Ahnung, dass es etwas Größeres gibt als mich selbst, mit dem ich verbunden, von dem ich gehalten bin, ist mir Vademecum gegen Angst und Einsamkeit – und somit tatsächlich ein Kontrapunkt gegen Transzendenz-Vergessenheit."

Inspiriert von Mose und Faust

Im Zentrum von Triegels "Doxa" steht ein prunkvoller Brokatmantel, der anscheinend etwas verdeckt. Der Künstler ließ sich nach eigener Aussage von der biblischen Erzählung vom Vorübergang der Herrlichkeit Gottes vor Mose (Ex 33, 12–23) und dem Zitat "Am farbigen Abglanz haben wir das Leben" aus Johann Wolfgang von Goethes "Faust" inspirieren. "Mose sieht Gottes Rücken. Doch selbst der gibt ihm, wie der Regenbogen als Abglanz der Sonne bei Goethe, eine Ahnung von dessen Herrlichkeit", so der Künstler. "Ich kann nur versuchen, indem ich in den Bildern einen farbigen Abglanz des Wahrgenommenen gebe, in der Schöpfung den Schöpfer ahnbar zu machen – ein Spiegel im Spiegel mit der sinnlichen Welt dazwischen", beschreibt Triegel sein Anliegen.

Die goldene, leuchtende Scheibe über dem Mantel vor dem dunklen Hintergrund seines Bildes versteht der Maler als eine Art Hoffnungszeichen. Sie bringe den Gedanken zum Ausdruck, "dass der Glanz des Lebens, der ein Abglanz Gottes ist, das dunkle Nichts überstrahlt". Die Ahnung von Transzendenz erscheine ihm immer wieder in der Materie der sichtbaren Welt, betont Triegel.

Triegel, 1968 in Erfurt geboren, gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen deutschen Maler. Charakteristisch für sein Werk sind der altmeisterliche Renaissance-Stil sowie seine komplexen künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem antik-mythologischen und christlich-heilsgeschichtlichen Erbe. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er als Maler zweier Porträts von Papst Benedikt XVI. (2005–2013) bekannt, die heute im Institut Papst Benedikt XVI. in Regensburg und in der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl in Rom hängen. Seit Herbst 2025 wird zudem das von ihm vervollständigte Altarbild von Lucas Cranach (1472–1553) aus dem Naumburger Dom für zwei Jahre befristet in der Kirche des Campo Santo Teutonico nahe dem Petersdom in Rom ausgestellt. (mal)