Dass sich die Christlich Demokratische Union des "C"s in ihrem Namen wieder bewusster werden soll, wird von Kritikern häufig geäußert. In den letzten Wochen scheint dieser Appell nötiger denn je.
Thema Ethik: Ganz Deutschland spricht über die Entscheidung des ehemaligen Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn, von der hierzulande verbotenen und von seiner Partei eigentlich abgelehnten Leihmutterschaft Gebrauch zu machen. Wie weit kann es mit dieser Überzeugung her sein, wenn ein Spitzenvertreter das Verbot umgeht? In der Diskussion danach ging es häufig um die Doppelmoral dahinter, viel zu selten um die Sache an sich. Das zeigt auch der Fall des CDU-Politikers Hendrik Streeck, der bereits im April mutmaßlich durch Leihmutterschaft Vater wurde, dafür jedoch kaum mit Kritik konfrontiert wurde. Bis auf wenige Ausnahmen fehlen klare Statements, warum Leihmutterschaft egal unter welchen Bedingungen abzulehnen ist – weil man Angst hat, damit nicht "zeitgemäß" zu wirken?!
Thema Soziales: Statt der lang geforderten Erhöhung soll das Elterngeld nach Plänen des Familienministeriums gekürzt werden. Verkauft wird es als ein Anheben der konkreten Sätze, faktisch soll man nur noch 12 statt 14 Monate Elterngeld bekommen. Das pikante Extra: Nur, wenn beide Elternteile jeweils drei Monate Elternzeit nehmen, soll man die volle Bezugsdauer erhalten.
Thema Künstliche Intelligenz: Von CDU-Politikerinnen und -Politikern hört man in diesem Zusammenhang oft die Wörter Chancen und Innovationen. Alles andere würde ja bedeuten, den Anschluss zu verlieren. Was fehlt: ein grundsätzliches Nachdenken darüber, was wir als Menschen sind und werden wollen – abgestumpfte Dauerscroller, die ihr Gehirn an Maschinen auslagern? Denn natürlich macht es etwas mit einem, die Aufgaben des Alltags nicht mehr selbst zu bewältigen, sondern von "Chatty", Claude und Co. machen zu lassen.
Was ich mir von einer christlichen Partei wünschen würde: ein klares Bekenntnis zu ihren Werten wie das Einstehen für die Schwächsten, deren Stimme oft nicht gehört wird, die Förderung der Familie als "Keimzelle der Gesellschaft", das Achten auf das christliche Menschenbild sowie eine kritische Reflexion, wenn es zur Disposition steht. Davon spüre ich aktuell viel zu wenig.
Die Autorin
Theresia Kamp hat Theologie und Romanistik studiert. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Pastoraltheologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und schreibt regelmäßig für verschiedene christliche Medien.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.