Die Ordensfrau Leticia Ugboaja aus Texas hat erstmals öffentlich über ihre Festnahme durch die US-Einwanderungsbehörde ICE am 28. Juni gesprochen. "Ich ging zur Messe, so wie jeden Sonntag und auch jeden anderen Tag, als ICE mich vor der Schule aufhielt. In diesem Moment verstand ich nicht, was los war und was mit mir passierte", erklärt sie in einem vom Fernsehsender CNN übertragenen Statement am Donnerstag. "Ich reflektierte in dem Moment gerade die Lesungen der Messe des Tages. Ich hatte Angst, mir lief kalter Schweiß runter. Ich hörte nur mein Herz rasen." Bereits einen Tag nach ihrer Festnahme kam die Ordensfrau wieder frei.
Schwester Ugboaja erklärte weiter, dass sie bereits seit mehr als einem Jahrzehnt in der Gemeinde in McAllen aktiv sei und sich als Krankenpflegerin um die Kranken gekümmert habe und sie immer ohne Probleme zur Messe gehen konnte. Auch deswegen sei der Vorfall für sie überraschend gewesen. Das Schlimmste an der Verhaftung war für Schwester Ugboaja jedoch die Ignoranz der Beamten. "Ich habe gefragt, ob ich zur Messe gehen und die Kommunion empfangen darf. Die Antwort war nein. Die Kommunion nicht zu empfangen, hat mein Herz gebrochen."
Seitdem bete sie gegen ihre Angst
Widerstand gegen die zwei Beamten kam für sie nicht infrage. "Vor mir standen zwei bewaffnete Männer. Ich bin nur eine kleine Frau, eine Nonne, harmlos, nur mit meinem Rosenkranz, meinem Schlüssel und meinem Handy in der Hand". Bis heute setze ihr dieser Vorfall zu, erzählte sie weiter. Seitdem bete sie gegen ihre Angst und auch für alle anderen von ICE verhafteten Menschen. "Es gibt so viele Menschen in der gleichen Situation wie ich. Wo es keine Kameras oder Aufmerksamkeit gibt. Die sich an alle Regeln gehalten haben, und immer noch mit der Unsicherheit leben müssen, wo sie hingeschickt werden und ob man ihnen darüber Bescheid gibt." Sie wolle ihre Erfahrungen nicht verschweigen und habe einen Wunsch, so die Ordensfrau: "Ich möchte, dass man allen in Gefangenschaft genommenen Menschen die Chance gibt, dass ihnen zugehört wird. Jede Person verdient es, gehört zu werden."
Kurz nach der Festnahme der Ordensfrau im Juni veröffentlichte die lokale Pfarrei eine Mitteilung auf den sozialen Medien. Daraufhin hatten sich Mitglieder des US-Kongresses für die Freilassung der Schwester der Kongregation Töchter Mariens, Mutter der Barmherzigkeit eingesetzt. Die US-Einwanderungsbehörde ICE steht für ihr rigides Vorgehen seit längerer Zeit in der Kritik. Auch der Vizepräsident der US-Bischofskonferenz, Bischof Daniel Flores, verurteilte die Festnahme der Ordensfrau. (ayo)