"Ich vergesse Dich nicht"

Eine theologische Betrachtung zum Welttag der Großeltern

Großeltern mit Enkelkind
Bild: stock.adobe.com/Yakobchuk Olena

"Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad", heißt es in einem Kinderlied, das möglicherweise schon in den 1930er Jahren entstanden ist. Mit allerhand Witz wird dann beschrieben, was die Oma alles Verrücktes macht und dass man doch ganz schön stolz auf sie sei, weil sie eine "ganz patente Frau" ist. Heutzutage jedenfalls würde man das Lied wohl etwas anders dichten: Da müsste der Opa oder die Oma auf Instagram oder TikTok unterwegs sein und wäre man nicht mehr "patent", sondern richtig "cool".

Wie "cool" die Großeltern von Jesus waren, darüber ist leider nichts bekannt. Aber ziemlich sicher weiß man, dass Jesus Großeltern hatte. Der Tradition nach war Josef schon ein alter Mann, weshalb seine Eltern wohl nicht mehr am Leben waren. Doch die Eltern Mariens lebten zur Zeit Jesu noch. Anna und Joachim heißen sie gemäß den frühesten Überlieferungen, und sie lebten in Jerusalem.

Wundersame Schwangerschaft

Ein Wunder zeichnet das Leben der beiden aus: Anna galt lange Zeit als unfruchtbar. Erst nachdem Joachim 40 Tage gefastet und gebetet hatte, wurde sie schwanger. Sie gebar die Tochter Maria, die dann in besonderer Nähe zum Tempel aufwuchs und von klein auf ein heiligmäßiges Leben führen sollte. Die Großeltern Jesu waren jedenfalls selbst sehr fromm. Von Joachim heißt es, dass er regelmäßig für die Armen spendete und sich häufig im Tempel aufhielt.

Rund um das liturgische Gedenken von Anna und Joachim am 26. Juli findet der "Welttag für Großeltern und Senioren" statt. Papst Franziskus hat ihn 2021 eingeführt; seither wird er jedes Jahr an einem Sonntag Ende Juli begangen. Papst Leo XIV. hat Anfang des Jahres das Motto für den diesjährigen Welttag verkündet: "Ich vergesse dich nicht".

Im Alter oft allein

Dieses Zitat vom Propheten Jesaja zeigt, dass Gott den Menschen immer nahe ist, dass wir niemals allein gelassen sind auf dem Weg durch das Leben. Gerade für ältere Menschen kann dies eine Zusage sein. Nicht wenige bestätigen, dass das Gefühl der Einsamkeit im Alter zunimmt. Und nicht wenige sind es, die ihr Leben im hohen Alter allein bestreiten müssen ohne Menschen, die sie im Alltag unterstützen oder ihnen Wegbegleiter sind.

"Ich vergesse dich nicht": Das heißt, dass einer immer da ist, um uns zu begleiten durch Höhen und Tiefen des Lebens, durch Jugend und Alter, durch gute und schlechte Tage. Es ist der gute Gott, in dessen Hand unsere Namen eingeschrieben sind. Wenn alle uns vergessen er vergisst uns nicht. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er zu uns steht und uns niemals verlässt.

Bild: © Harald Oppitz/KNA (Symbolbild)

Was die Älteren schon erfahren haben, daraus können und sollen die Jüngeren lernen.

Auch für die christliche Gemeinde ist es wichtig, ältere Menschen nicht zu vergessen. Schon im biblischen Buch Deuteronomium wird das Volk Israel aufgerufen: "Denk an die Tage der Vergangenheit, lerne aus den Jahren der Geschichte! Frag deinen Vater, er wird es dir erzählen, frag die Alten, sie werden es dir sagen" (32,7).

Was lässt sich von älteren Menschen lernen? Wie Gott in der Geschichte immer wieder wirkt, wie unsere Geschichte seine Heilsgeschichte wird, weil er uns nahe ist und uns Zeichen seiner Nähe schenkt. Was die Älteren schon erfahren haben, daraus können und sollen die Jüngeren lernen. Was älteren Menschen aus dem Glauben Gutes widerfahren ist, das kann für die nächsten Generationen eine Anregung sein, auf Gott zu vertrauen und seine Nähe zu suchen. Und auch, wie ihr Glaube sie durch schwere Zeiten getragen hat.

Vorbilder im Glauben

Man lernt am besten am Beispiel: Und solche lebendigen Glaubensbeispiele sind die Menschen, die schon lange mit dem Glauben unterwegs sind, die die Gottes Gegenwart bereits in vielfältigen Situationen erfahren haben.

Wer Großeltern oder andere Senioren noch hat, kann sich glücklich schätzen. Nicht, weil sie mit dem Motorrad durch den Hühnerstall brausen, sondern weil sie uns vom Glauben erzählen. Sie zeigen uns, dass wir hineingenommen sind in eine ganz lange Geschichte: die Geschichte Gottes mit uns Menschen. Was wir vor allem aus dem alten Buch der Heiligen Schrift kennen, das lassen sie lebendig werden: die Erfahrung, dass Gott mit uns geht, dass er uns nie vergisst, dass auch wir diese Geschichte weiterschreiben. 

Fabian Brand (KNA)

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