Nach dem Anschlag auf den Christopher-Street-Day (CSD) in Berlin sieht der Queerbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Weihbischof Ludger Schepers, die Vielfalt in der Gesellschaft bis ins Mark erschüttert. "Wo Vielfalt angegriffen wird, ist die Menschenwürde verwundet", sagte Schepers laut Mitteilung.
Die unantastbare Würde des Menschen sei bei dem Attentat bis aufs Äußerste verwundet worden. "Jegliche Gewalt gegen Menschen widerspricht diesem Grundsatz und muss entschieden verurteilt werden", so Schepers weiter. "Jeder Anschlag, der Menschen auseinanderreißen will, erinnert uns daran, diese, unsere Vielfalt umso entschlossener zu bewahren." Als Queerbeauftragter der DBK trete er weiterhin für eine zugewandte Gemeinschaft und ein tolerantes Miteinander unter den Menschen ein. In seinen Gedanken und Gebeten sei er bei den Opfern und verletzten Menschen.
Auch die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, verurteilte die mutmaßlich islamistische Tat. "Dieser abscheuliche Angriff galt gezielt der queeren Community. Queere Menschen müssen weiterhin um ihre Sicherheit fürchten, wenn sie sich offen zu ihrer Liebe und Identität bekennen. Das ist unerträglich", erklärte sie am Montag in Berlin. Mit Trauer, Erschütterung und tiefer Sorge um das gesellschaftliche Miteinander habe sie die Nachrichten vom Anschlag am Wochenende verfolgt. "Ich bin in Gedanken und im Gebet bei der Verstorbenen, den Verletzten und bei den Angehörigen", so Stetter-Karp.
Gedenkfeier
Die Kirchen in Berlin gedachten der Betroffenen des Anschlags bei einer Andacht am Sonntag und riefen dabei zum gesellschaftlichen Zusammenhalt auf. "Queeres Leben, das lassen wir uns nicht nehmen", sagte der evangelische Berliner Bischof Christian Stäblein in der evangelischen Marienkirche am Alexanderplatz. "Vielfalt lebt im Herzen Gottes, der die Liebe ist", fügte er hinzu und rief die Menschen, die gekommen waren, dazu auf, beieinander zu bleiben.
An der Gedenkfeier in der Kirche in Berlin-Mitte nahmen Hunderte Menschen teil, darunter auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), die Minister Alexander Dobrindt (CSU), Katrin Prien (CDU), Stefanie Hubig (SPD) sowie der Leiter des Katholischen Büros, Prälat Karl Jüsten, und die Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa. Ebenso waren Vertreter und Vertreterinnen verschiedener muslimischer Gemeinden anwesend und sprachen ihre Solidarität aus.
Weihbischof Ludger Schepers betonte, er wolle sich für eine zugewandte Gemeinschaft und ein tolerantes Miteinander unter den Menschen einsetzen.
Der Berliner Erzbischof Heiner Koch sagte: "wie schrecklich! Ein so frohes und bewegendes Fest, brutal zu zerstören". Er mahnte ein gesellschaftliches Miteinander an. "Der Hass darf nicht gewinnen."
Auch kirchliche Verbände und Initiativen äußerten sich. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) sprach Betroffenen und Angehörigen sein Mitgefühl aus. "Wir denken an die queere Community, an all jene, die ein friedliches und frohes Zeichen für Vielfalt, Selbstbestimmtheit und Toleranz setzen wollten und nun mit Trauer und Angst konfrontiert sind", heißt es in einer Erklärung des Dachverbands in Sozialen Medien. Es brauche Solidarität und Gemeinschaft, "gegen Hass und Hetze verwehren wir uns".
Queere Initiative: "Gemeinsam Einstehen"
Die Initiative Out in Church mahnte zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. "Lasst uns gemeinsam dafür einstehen, dass Hass, Gewalt und Menschenverachtung nicht das letzte Wort haben", so die Initiative für queere Mitarbeitende und Mitglieder der katholischen Kirche. Queere Sichtbarkeit dürfe niemals dazu führen, "um die eigene Sicherheit fürchten zu müssen".
Während der Feier im Anschluss an die CSD-Parade fuhr am späten Samstagabend ein Auto in die Menschenmenge am Berliner Tiergarten. Dabei wurde eine Person getötet, mittlerweile geht man von 29 teils schwerverletzten Personen aus. Der mutmaßliche Täter, der der islamistischen Szene zugerechnet wird, ist am Sonntagabend bei einem Polizeieinsatz in Berlin-Spandau getötet worden. Der Berliner CSD gehört zu den größten in Deutschland – mehrere hunderttausend Menschen nehmen jedes Jahr an dem Umzug teil. (mal/KNA)
27.7., 13:30 Uhr: Ergänzt um Stetter-Karp.