Haltung zu "heißen Eisen" nicht entscheidend

Theologin: "Wagenburgkatholizismus" nicht zukunftsfähig

Franca Spies
Bild: Annika Schmitz/KNA

Die Salzburger Theologin Franca Spies sieht Synodalität in der katholischen Kirche auf einem guten Weg. "Die fehlende Strahlkraft liegt vielleicht daran, dass das Synodale nicht mehr Licht am Ende des Tunnels, sondern kirchliches Hintergrundrauschen geworden ist", sagte sie am Sonntag im Interview des österreichischen Portals "Die Furche". Papst Leo XIV. habe Synodalität gleich zu Beginn zu einem Kernthema seines Pontifikats gemacht, erinnerte Spies. Auch wenn es um das Thema Synodalität leiser geworden sei, habe es sich keineswegs erledigt.

Die in Ulm geborene Spies hatte Ende 2025 mit 35 Jahren die Professur für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg übernommen. Im Interview betonte sie, es sei wichtig, gegen einen grassierenden "Wagenburgkatholizismus" anzukämpfen, der Katholizität vor allem durch die Abgrenzung von anderen verstehe.

Ein solcher Begriff von Katholizität sei nicht zukunftsfähig, zeigte sich Spies überzeugt: "Mancherorts wird heute ein Katholizismus der ganz großen Entschlossenheit proklamiert. Ich glaube kaum, dass das ein Leben lang trägt. Ein krisenerprobter und immer wieder errungener Glaube schon eher. Die Kirche kann genau darin ihre Aufgabe sehen, einen solchen zu begleiten."

Katholizität ist in Bewegung

Katholische Identität stehe und falle nicht mit der jeweiligen Haltung zu den "heiße Eisen"-Themen wie Zölibat, Frauenweihe oder Sexualität, sagte Spies. "Wer meint, das Christentum auf Fragen von Geschlechtlichkeit und Sexualität verengen zu können, muss schon einen großen Teil der Glaubenstradition ignorieren." Tatsächlich sei Katholizität ständig in Bewegung. "Mir scheint, es ist mehr in Bewegung, als der fokussierte Blick auf lehramtliche Entscheidungen zu sehen erlaubt", so die Theologin.

Die Wandelbarkeit des Katholischen liege letztlich theologisch in der Offenbarung Gottes selber begründet, führte Spies aus: "Der Katholizismus glaubt zwar an die endgültig ergangene Offenbarung Gottes, aber auch daran, dass diese im Lauf der Geschichte immer tiefer erfasst und je neu ins Wort gebracht wird. Wir dürfen also damit rechnen, dass Überzeugungen der Kirche irgendwann besser oder gar anders verstanden werden." (KNA)