Standpunkt

Wie eindeutig sind Antworten der Christen auf Diskriminierung?

Wie eindeutig sind Antworten der Christen auf Diskriminierung?
Bild: KNA/Klaus Nelissen

Wenn ich mir was wünschen dürfte … Dann ist es nicht die Wahl zwischen "schlimmer und guter Zeit", wie in dem berühmten Lied von Marlene Dietrich. Wenn ich mir aktuell etwas wünschen würde, dann wäre es mehr Eindeutigkeit!

Es ist eine eigenartige Ambivalenz in mir.

Ich höre und lese, wie klar die muslimischen Verbände, der Zentralrat der jüdischen Gemeinden, der Berliner Erzbischof Heiner Koch und ebenso die politische Prominenz den Anschlag beim CSD in Berlin verurteilen. Ich freue mich darüber! Ich unterstütze, dass die queere Community mehr Anerkennung erhält, aber islamistische Gefährder und Feinde der Demokratie vehement unter Kontrolle gebracht werden. Gott sei Dank!

Gleichzeitig bleibt vieles noch sehr uneindeutig – auch in unserer Kirche. Immer noch ist es möglich, dass man sich auf biblische Texte beruft, um Menschen ihre Würde abzusprechen.

Diskriminierungen werden auch im kirchlichen Umfeld immer wieder mit Gottes angeblichem Willen begründet, nicht nur in sozialen Medien, sondern auch in christlichen Gemeinden, in Familien und Freundeskreisen. Aber wie eindeutig antworten wir?

Und können wir über "Antworten" überhaupt etwas erreichen, wenn man – wie Marlene Dietrich weiter singt – nicht weiß, "ob die Stadt einen liebt", und man nur "wartet auf irgendwas"?

Die psychologische Forschung lehrt uns, dass wir uns nach Gemeinschaft sehnen, Zugehörigkeit und Selbstwirksamkeit erleben wollen! Wir wollen uns geborgen fühlen in der Welt und in und bei Gott zu Hause sein. Das sind die Kriterien und das nutzen rechtspopulistische Kreise ebenso wie religiös fundamentalistische Bewegungen. Die Schnittstellen sind erforscht und erschreckend groß!

Marlene Dietrich singt weiter, dass sie "zu leben liebt und dass sie das Lieben liebt"!

Und in meinem Kopf breitet sich aus: "Gott ist die Liebe" und "in meines Vaters Haus sind viele Wohnungen" … Ich erinnere mich an den Anfang des Buches Maleachi: "Ich liebe euch, spricht Gott. Doch ihr sagt: Wodurch zeigt sich, dass du uns liebst?"

Katrin Brockmöller

Die Autorin

Dr. Katrin Brockmöller ist geschäftsführende Direktorin des Katholischen Bibelwerks e. V. Eine wissenschaftlich fundierte und dabei Herz und Seele nährende Lektüre biblischer Texte ist ihre Passion. Als Autorin schreibt sie u. a. die Rubrik "Antworten auf fundamentalistische Bibelauslegungen" in der Mitgliedszeitschrift "Bibel heute".

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.