Pfarrer Clément Barré erlebt nach eigenem Bekunden große Solidarität und Hilfsbereitschaft unter den vor den Waldbränden in Frankreich Evakuierten. Dem Kölner Internetportal domradio.de berichtet der 35-jährige Priester, dessen Gemeinde Saint-Médard-en-Jalles im Südwesten Frankreichs evakuiert werden musste: "Das ist sehr ermutigend, zu sehen, dass in so einer schrecklichen Situation trotzdem das Beste aus den Menschen zum Vorschein kommt."
Im "Parc des Expositions", einem Messegelände in Bordeaux, haben rund 7.000 Menschen aus der Region Zuflucht gefunden. Etwa 200 Freiwillige kümmern sich um warme Mahlzeiten, Feldbetten und psychologische Hilfe. Barré sorgt hier für seine Gemeindemitglieder. Viele der Evakuierten müssten mit der Angst leben, dass sie ihre Häuser verlieren könnten. Dennoch seien sie geduldig, wohlwollend und würden einander helfen. Barré ist überzeugt: "Man sieht, wie Gott am Werk ist, weil die Menschen sich gegenseitig unterstützen."
"Man fühlt sich trotzdem ohnmächtig"
Während das Feuer nur wenige Kilometer von Bordeaux entfernt ist, rieche man den Rauch in der Großstadt stark – die Einwohner sollen zu Hause bleiben und Fenster und Türen geschlossen halten. Wie zu Zeiten der Corona-Pandemie versucht der Pfarrer, die Verbindung mit der Gemeinde aus der Distanz zu halten: Sein Pastoralteam und er würden anbieten, zur gleichen Uhrzeit miteinander zu beten, miteinander zu telefonieren und Neuigkeiten auszutauschen. "Aber man fühlt sich trotzdem ohnmächtig angesichts dieser Situation", sagt er.
Am Sonntag hat Barré eine Messe für alle evakuierten Gemeinden in der Kathedrale Saint-André von Bordeaux gefeiert. Und bei den evakuierten Menschen in der Messehalle ist er einfach da: "Viel kann ich nicht tun: Man hört ihnen zu, spricht mit ihnen, betet, nimmt sich Zeit – das ist alles, was man zurzeit machen kann." Er führe Gespräche mit Menschen, die sich Sorgen um ihr Hab und Gut machen, mit Urlaubern, die von Campingplätzen evakuiert wurden, und mit älteren Menschen aus Seniorenheimen, die durch die Lage verwirrt seien.
Wie Barré berichtet, gab es für Saint-Médard-en-Jalles inzwischen Entwarnung: Der Ort blieb von den Waldbränden verschont. Doch noch sei unklar, wann die Einwohner zurückkehren könnten. (KNA)