Herrgottskinder – Die Elternkolumne

Warum mein Sohn Beten als Hausaufgabe empfindet

Beten mit Kindern
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"Müssen wir das wirklich noch machen? Das ist ja wie Hausaufgaben." Es ist Schlafenszeit. Ich habe meinen beiden Kindern – pädagogisch korrekt – den Ablauf unserer Abendroutine erklärt, obwohl sie ja jeden Abend gleich ist. Zähne putzen, Schlafanzug an, lesen, beten, manchmal noch ein Hörspiel. Mein achtjähriger Sohn tut gern so, als ob man das Zähneputzen gerade neu erfunden hätte und es sich um eine unüberwindbare Aufgabe handele, die ich da von ihm verlange.

Jetzt aber liegt er in seinem Bett und hat keine Lust zu beten. Zähneputzen ist nicht verhandelbar, beten irgendwie schon. Es soll sich ja nicht wie ein Zwang anfühlen, sondern positiv besetzt sein. Mit meinen Kindern sage ich abends Gebete aus einem kleinen Kindergebetbuch auf, so wie ich es auch schon in meiner Kindheit gelernt habe.

Zwischen Ritual und Zwiegespräch

Doch wenn ich mir jetzt die Aussage meines Sohnes so überlege, hat er nicht Unrecht. Das tägliche Aufsagen von auswendig Gelerntem kann sich schon mal wie eine Pflichtaufgabe anfühlen. Wir haben gebetet. Haken dran, To-do erledigt. Nächster Punkt. Nur so soll es ja gar nicht sein. Und so bete ich auch nicht.

Zehn Tipps für ein gutes Gebet

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Gebet? Was soll ich dabei sagen? Und was sollte ich beim Beten auf gar keinen Fall tun? Viele Gläubige tun sich mit dem persönlichen Gebet schwer, gerade wenn sie keine Übung darin haben. Katholisch.de gibt Ihnen zehn Hinweise, wie es sich besser betet.

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Für mich hat das ritualisierte Beten von bestimmten Gebeten zu festen Zeiten durchaus seinen Platz. Besonders dann, wenn man gemeinsam betet: im Gottesdienst, in Klöstern oder anderen Gemeinschaften. Manchmal bete ich diese Worte auch ganz für mich. Gleichzeitig finde ich, dass das Beten auch eine große persönliche Komponente hat: ein Zwiegespräch mit Gott. Mal erzählend, mal bittend, mal dankbar, mal klagend, mal mit eigenen Worten und mal mit Texten, die andere schon lange vor mir gesprochen haben.

Ich habe die Wahl – und mein Sohn?

Ich bete auf Autofahrten, beim Kochen oder vor dem Schlafengehen und natürlich in Kirchen. Hier ein Stoßgebet, da ein Monolog. Manchmal mehr, manchmal weniger, manchmal auch nicht. Ich habe die Wahl. Mein Sohn hat diese Wahlfreiheit nicht. Diese Erkenntnis ließ mich nicht mehr los. Wie kann ich ihm eine neue, weitere Dimension des Betens zeigen, die sich an seinen persönlichen Bedürfnissen orientiert und trotzdem ihren Platz im Alltag behält?

Also habe ich meinem Sohn davon erzählt, dass Beten mehr sein darf als auswendig Gelerntes oder Abgelesenes. Dass man Gott erzählen kann, was einen beschäftigt, dass man Dank sagen oder um Hilfe bitten kann, auch mit den eigenen Worten oder, wenn einem die Worte fehlen, eben auch mit Gebeten, die schon von Generationen vor uns gebetet wurden. Und dass es manchmal auch dazugehört, zu schweigen. Seitdem lasse ich ihm abends einfach ein wenig Raum, ich gebe nichts mehr vor, ich halte den Moment aus. Ich traue ihm zu, seinen eigenen Weg zu finden. Nicht, weil es unwichtig wäre, sondern weil Glaube nicht mit Pflicht beginnen sollte, sondern mit Freiheit. Eine paar Tage später höre ich ihn in seinem Zimmer und muss schmunzeln: "Danke, dass ich mit Mama Eis essen war. Das Eis war lecker. Gute Nacht."

Melina Schütz