Der 55-jährige Benediktinerpater Lukas Wirth, im Bild rechts zu sehen, ist sogar Hotelchef. Im Klosterhof zur Post in Bayrischzell ist er für das Personal zuständig. Regelmäßig besucht er daher das Klosterhotel, das eine Stunde von Scheyern entfernt liegt. Betten aufschütteln müsse er dort aber nicht, scherzt der Ordensmann. Im Gastraum des Hotels gönnt er sich zwischendurch schon mal ein Bier aus eigener Herstellung. Bier ist für ihn ein Lebensmittel, sagt Pater Lukas. Bei den Benediktinern in Scheyern kommt Bier üblicherweise zu jeder Mahlzeit auf den Tisch. Es sei daher wichtig, als Mönch das eigene Maß zu kennen und einzuhalten, fügt der Ordensmann hinzu.
Schon mit 23 Jahren ist Pater Lukas Wirth Mönch geworden und ins Kloster Scheyern eingetreten. Gerne erinnert er sich an seinen ersten Besuch im Kloster. Damals war er als 16-Jähriger mit einer Jugendgruppe aus seiner Pfarrei für ein Wochenende im Benediktinerkloster in Pfaffenhofen an der Ilm. Das Leben der Mönche und ihr Tagesablauf mit festen Gebetszeiten faszinierten ihn von Anfang an. Der Glaube war ihm damals schon wichtig. Regelmäßig war er in seiner Heimatgemeinde im Gottesdienst und bringt sich im Pfarrgemeinderat für Jugendthemen ein. Weil seine Eltern eine Firma für Wärmebautechnik besaßen, plante er nach der Schule erst eine kaufmännische Ausbildung. Danach will er in einer Bank arbeiten. Doch so weit kommt es nicht: Die Sehnsucht nach einem geistlichen Leben lässt ihn nicht los.
"Wenn es nicht passt, dann gehe ich wieder"
Daher überlegt Pater Lukas damals Priester zu werden. Er holt sein Abitur nach, lernt Altgriechisch und Latein und beginnt in Salzburg und später in Benediktbeuern Theologie zu studieren. Doch immer wieder denkt er an das Benediktinerkloster in Scheyern zurück. Weil er mit den Mönchen dort im Kontakt ist, beschließt er eines Tages, es mit dem Kloster "einfach mal auszuprobieren", berichtet er. "Ich habe mir gedacht, wenn es nicht passt, dann kann ich ja wieder gehen." 1993 tritt er schließlich in das Benediktinerkloster ein, erhält den Ordensnamen Lukas und einen schwarzen Habit. Eine heile Welt erlebt er von Anfang an nicht im Kloster, sagt der Ordensmann offen. Doch er will bleiben. "Wenn es nicht geht, dann schmeißen die mich eh wieder raus", überlegt er damals. Rausgeschmissen hat ihn bis heute niemand, freut sich Pater Lukas Wirth. Seit über 30 Jahren lebt er nun im Kloster Scheyern. "Das ist meine Heimat", so der Benediktiner.
Klosterkirche und Kloster der Benediktiner in Scheyern. Hier lebt Pater Lukas Wirth seit vielen Jahren. Für ihn ist seine Mönchsgemeinschaft zur Familie geworden. Seine Eltern reagierten anfangs ernüchtert auf seine Entscheidung.
Der 55-Jährige ist heute froh, den Schritt damals gewagt zu haben. Auch wenn es für seine Familie erst nicht leicht war. Sie reagierten ernüchtert auf seine Entscheidung, erinnert sich der Benediktiner. "Sie dachten, ich bin verrückt geworden." Seine Eltern hätten ihm sogar angedroht, dass sie ihn kein einziges Mal im Kloster besuchen würden, blickt der Ordensmann zurück. "Sie sind dann aber doch bald zu mir gekommen", weil sie gesehen hätten, dass es ihm dort gut gehe. Im Jahr 2000 wird Pater Lukas zum Priester geweiht. Später ist er als Kaplan in der Seelsorge tätig und unterrichtet viele Jahre lang Religion an der beruflichen Oberschule, die sich auf dem Klostergelände befindet.
Die unternehmerischen Fähigkeiten, die er aus seiner Familie mitbringt, kann er im Kloster einsetzen. Pater Lukas wird Cellerar. Damit ist er der "Finanzbeauftragte" der Benediktiner in Scheyern. Mönche besitzen zwar nichts, aber wenn etwas gebraucht wird, dann "läuft das alles über mich", erklärt der 55-Jährige nicht ohne Stolz. Als Geschäftsführer ist er für sämtliche Personal-, Finanzierungs- und Verwaltungsfragen des Klosters zuständig. Insgesamt zwölf Betriebe gehören zum Kloster.
"So viel Stress wie bei einem Manager"
Dazu zählen ein Wald mit Fortwirtschaft, eine Hofkäserei, eine Metzgerei mit Filiale im Nachbarort, eine Fischzucht, verschiedene Landwirtschaftsbetriebe, eigene Gasthäuser und sogar eine bewirtschaftete Alm. Dazu kommen noch eine Klosterbrauerei und eine Schnapsbrennerei. "Da ist einiges zu tun", sagt Pater Lukas. Rund 100 Menschen sind in den Klosterbetrieben beschäftigt. Pater Lukas ist für sie zuständig. Zwar helfen einige Mitbrüder beispielsweise in der eigenen Buchbinderei oder in der Landwirtschaft mit. Dennoch bleiben sämtliche Personalfragen und Verwaltungsaufgaben an ihm hängen. Da sei viel zu tun. "Wir sind autark, finanzieren uns selbst", berichtet der Benediktinerpater daher nicht ohne Stolz.
Zum Kloster Scheyern gehört außerdem eine Berufsschule mit 550 Schülerinnen und Schüler und ein Wohnheim, das sich ebenso auf dem Klostergelände befindet. Ein Mitbruder von Pater Lukas ist für das Wohnheim verantwortlich, in dem vor allem Auszubildende und Schüler, die meist älter als 17 Jahre sind, untergebracht sind. Die jungen Menschen liegen den Benediktinern besonders am Herzen. "Wir tragen Sorge für sie", verspricht der 55-jährige Pater, der auch Ansprechpartner für sexuellen Missbrauch in der Ordensgemeinschaft ist. Er versucht ein offenes Ohr für die Anliegen der Schüler zu haben. Genauso wie für die Mitarbeitenden der Klosterbetriebe. Er erlebe gelegentlich Konflikte und schwierige Situationen, berichtet der Ordensmann. Und manchmal wird es stressig, "so wie bei einem Manager".
Im Hotel Klosterhof zur Post in Bayrischzell ist Pater Lukas Wirth der Hotelchef und für das Personal zuständig.
Er sei ins Kloster gegangen, um ein geistliches Leben zu führen, sonst hätte er im elterlichen Betrieb verbleiben und dort Führungsaufgaben übernehmen können, erklärt der Benediktiner. Das Miteinander mit seinen Mitbrüdern und das gemeinsame Feiern der Liturgie hätten ihm gefehlt. Vier Mal am Tag ist er in der Klosterkirche, um mit seinen Mitbrüdern gemeinsam zu beten. Das Stundengebet gibt ihm Kraft für seinen Alltag als Cellerar und Klostermanager. Das tägliche Singen der Psalmen hilft ihm, immer wieder zurück "in seine Mitte zu finden". Mit elf Mönchen lebt Pater Lukas derzeit in Scheyern zusammen. Der älteste von ihnen ist 90 Jahre alt. "Und alle versorgen sich noch selbst", freut sich der Ordensmann. Es sei wichtig, im Gespräch miteinander zu bleiben, aneinander Anteil zu nehmen, findet der Pater, "wie in einer Familie". Für ihn war es die richtige Entscheidung, dass er damals ins Kloster gegangen ist, sagt er heute.
"Ein Mönch sollte schon ein bisschen fromm sein"
Wer im Kloster lebt, braucht eine lebendige Gottesbeziehung, ist der Benediktiner überzeugt. "Ein Mönch sollte schon ein bisschen fromm sein." Wenn er einmal außerhalb des Klosters in den Betrieben unterwegs ist, dürfe er schon mal eine Ausnahme machen und beim täglichen Stundengebet in der Klosterkirche fehlen. "Ansonsten bin ich aber immer beim Gebet dabei", sagt Pater Lukas. Außerdem ist Pater Lukas als Priester und Seelsorger in einer kleinen Pfarrei in der Nähe des Klosters tätig. Dort feiert er in der Pfarrkirche regelmäßig mit der Gemeinde die Messe, spendet Sakramente und ist Ansprechpartner für verschiedene Anliegen. Damit das geistliche Leben seinen Platz hat, findet er.
Pater Lukas hofft, dass die Klosterbetriebe in Scheyern, für die er als Cellerar zuständig ist, auch in Zukunft weiterbestehen können. Er freut sich daher immer, wenn Besucher ins Kloster kommen, die Stille dort genießen oder am Stundengebet der Mönche teilnehmen und die Gemeinschaft als guten Ort erleben. "Dann haben wir viel erreicht", sagt der 55-Jährige. Wer Lebensfreude ausstrahle, könne andere für seine Lebensform begeistern, ist er überzeugt. Dennoch fehlt der Klostergemeinschaft in Scheyern der Nachwuchs. "Wenn keiner mehr nachkommt, sterben wir aus", meint der Ordensmann nachdenklich. Heute wollten sich junge Leute nicht mehr so schnell an eine klösterliche Gemeinschaft binden, stellt er immer wieder fest. "Einfach mal springen und das Klosterleben ausprobieren", lautet daher seine Empfehlung. "So wie ich damals."