"Wir müssen sparen." Ein Satz, der von Kirchenverantwortlichen oft zu hören ist. Langsam wächst zudem die Erkenntnis, dass ein Sparen hier und da nicht mehr reicht, sondern es "ans Eingemachte" geht. Das Bistum Dresden Meißen hat mit der Schließung des renommierten Bildungsstandorts Schmochtitz einen schmerzvollen Schritt vollzogen. In den nächsten Jahren werden die Einschnitte noch spürbarer werden. Vor der Frage, was sich Kirche zukünftig leisten kann, muss die Frage nach dem Auftrag und dem Notwendigen beantwortet werden. Auftrag der Kirche ist, Not zu wenden. Was sind die Nöte der Menschen?
Viele in unserer Gesellschaft fühlen sich abgehängt. Die derzeitigen Pläne zur Sozialstaatsreform werden eher soziale Ungleichheiten vergrößern. Dort, wo aufgrund von Verwaltungsreformen die Räume immer größer und die Identifikation immer geringer wurde, wächst, so Studien, das Gefühl des sozialen Abgehängtseins und der Ausgrenzung, was von rechtsextremer Seite instrumentalisiert wird. In Ostdeutschland wird all dies gerade zu einer explosiven Mischung und einer Gefahr für die Demokratie.
Was, wenn auch die Kirche in der Fläche kaum mehr wirksam sein kann und Bildungsorte, die für Diskurs und Demokratieförderung stehen, so kürzt, dass sie kaum noch arbeiten können? Nach wie vor ist das soziale Engagement der Kirchen in der Gesellschaft hochgeschätzt. Braucht es, die Nöte ernstnehmend, mehr "das Sich-Gesellen zum Menschen" (Alfred Delp), eine aufsuchende, diakonische Pastoral statt flächendeckender Versorgung? Kirchliche Bildung ist heute schon ein Ort, wo man einüben kann, wie man respektvoll kontrovers diskutiert und gegensätzliche Meinungen aushält.
Die Demokratiekirche im Rahmen des Katholikentags zeigte: Räume ohne viel Geldaufwand für den demokratischen Diskurs zu öffnen, führt zu Relevanz und Attraktivität. Es braucht diese sogenannten "Dritten Orte" für Auseinandersetzung und Verständigung. Orte, die glaubwürdig und solidarisch für Menschenwürde, Freiheit und Gerechtigkeit stehen. Was für ein Zeichen in die Gesellschaft wäre es, wenn wir gerade jetzt Demokratiekirchen hätten als Plattformen für Debatte und Reflexion, für kreative Formen des Einsatzes für Demokratie und die Entwicklung von positiven Zukunftserzählungen?
Die Autorin
Claudia Pfrang ist promovierte Pastoraltheologin und Direktorin der Domberg-Akademie der Erzdiözese München und Freising.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.