Im Zuge der Debatte um ein Hamburger Theaterstück über den gestrandeten Buckelwal "Timmy" haben Mitglieder des Ensembles nach Angaben des Regisseurs zahlreiche Hasskommentare und eine Morddrohung erhalten. Die Drohung sei als private Nachricht auf dem Instagram-Account eines Schauspielers eingegangen und angezeigt worden, sagte Alexander Klessinger der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Hamburger Polizei bestätigte, dass sie Ermittlungen aufgenommen habe.
Die nächsten Aufführungen von "Timmy – Die Hope stirbt zuletzt" sollen laut Klessinger von Sicherheitskräften geschützt werden. "Gleichzeitig finde ich es sehr spannend, dass um das Stück eine Debatte entstanden ist, die weit darüber hinausgeht und ganz grundsätzliche Fragen aufwirft zum Thema Kunst und Religion", so der 40-jährige Regisseur.
Theologen kritisieren das Stück
In dem am 11. Juli am Ernst-Deutsch-Theater uraufgeführten Stück werden die Rettungsversuche und der Medienhype um den im Frühjahr in der Ostsee gestrandeten Wal aufgegriffen. Das vielfach "Timmy" oder "Hope" genannte Tier wird am Kreuz dargestellt und als eine Art Erlöser inszeniert. Die Aufführung arbeitet mit Motiven aus der christlichen Passionsgeschichte und der katholischen Messe.
Nach der Premiere entwickelte sich eine teils auch international geführte Debatte über die Verwendung christlicher Symbole. Unter anderem kritisierten die katholischen Theologen Joachim Valentin und Albert Gerhards das Stück im Gespräch mit der KNA. Valentin sprach von einem unzutreffenden Bild der Kirche. Gerhards hielt die Übertragung des Kreuzestodes auf das Tier für theologisch verfehlt.
Klessinger bezeichnete ihre Äußerungen als moderat und nachvollziehbar. "Ich kann verstehen, dass die Verwendung von Kreuz, Liturgie und anderen religiösen Symbolen für gläubige Menschen irritierend wirkt."
Regisseur Klessinger kann nach eigener Aussage mit der theologischen Kritik am Theaterstück "Timmy" gut umgehen. Er widerspricht jedoch der Auffassung, christliche Symbole dürften nur innerhalb der kirchlichen Deutung verwendet werden.
Zugleich wies der Regisseur den Anspruch zurück, christliche Symbole dürften nur innerhalb der kirchlichen Deutung verwendet werden. "Die Kirche ist in Deutschland keine gesellschaftliche Minderheit, sondern eine einflussreiche Institution." Ihre Positionen und Wahrheitsansprüche müssten dem öffentlichen Widerspruch ausgesetzt sein. "Da, wo Dinge Unantastbarkeit beanspruchen, muss die Kunst meines Erachtens ran."
Hunderte Hassnachrichten
Eine Grenze sei jedoch erreicht, wenn einzelne Gläubige diffamiert würden oder ihnen ihr Glaube abgesprochen werde. Das sei weder Ziel des Stücks noch seine persönliche Haltung. "Ich habe großen Respekt vor religiösen Gefühlen und Religionen und möchte mich darüber weder erheben noch sie verhöhnen."
Die Kritik der Theologen dürfe nicht mit den persönlichen Angriffen vermischt werden, die das Ensemble anschließend erreicht hätten, betonte Klessinger. Nach seinen Angaben gingen Hunderte Kommentare und E-Mails ein. Darin seien die Beteiligten unter anderem als krank und pervers bezeichnet sowie mit der Hölle und göttlicher Strafe bedroht worden.
Religionspodium geplant
Die Inszenierung wird laut dem Regisseur wegen der Kritik nicht verändert. Überlegt werde lediglich, neue Entwicklungen rund um den Wal zu ergänzen. Zudem sei geplant, die anschließenden Podiumsdiskussionen neu auszurichten. Bei einer der nächsten Aufführungen soll ausdrücklich über die kirchliche Kritik und die Grenzen religiöser Satire gesprochen werden. Eingeladen werden sollen Vertreter aus Kirche sowie Kultur- oder Religionswissenschaft. Nach der Premiere hatte es eine Podiumsdiskussion zum Thema Tierschutz gegeben.
Weitere Aufführungen sind Klessinger zufolge für den 16. und 20. September sowie den 11. Oktober geplant. Ein vierter Termin soll noch bekanntgegeben werden. Die Aufführung am 16. September sei bereits ausverkauft. (KNA)
2.8., 10:30 Uhr: Meldung ergänzt um weitere Details.