Gott nimmt uns die Sünden ab

Die Beichte – Den seelischen Müll fachgerecht entsorgen

Die Beichte – Den seelischen Müll fachgerecht entsorgen
Bild: Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA

Die Sommerzeit ist für viele eine Gelegenheit, um einmal die Beine hochzulegen. Vielleicht ist auch ein Urlaub geplant. Die perfekte Zeit also, um sich zurückzulehnen und frei von aller Arbeit den Blick und die Gedanken schweifen zu lassen. Dabei sieht man die vor einem liegende Landschaft mit all ihren Facetten: Da sind vielleicht Felsen zu entdecken, dunkle Wälder oder weite Sandstrände und das Meer. Viel Schönes ist da zu sehen – blauer Himmel, leuchtende Blumen, bunte Schmetterlinge oder wunderschöne Muscheln.

Zugleich können einem aber auch Dinge ins Auge fallen, die weniger schön sind: achtlos weggeworfener Müll, dunkle Wolken, die ein Gewitter ankündigen, oder Bausünden, bei denen ein Bauwerk so gar nicht in die Landschaft passen will.

Blick auf die innere Landschaft

Wer beim Spazieren den Blick schweifen lässt, bei dem steigen mitunter auch Bilder der inneren Landschaft auf: viel Schönes, das einen erfreut, belebt, wofür man dankbar ist. Eigenheiten, Gewohnheiten und Werte, die in klaren Farben strahlen und die Seele wunderschön machen.

Gleichzeitig kann man aber auch Dinge wahrnehmen, die der Alltag verdeckt und die weniger schön sind: Verhaltensweisen, die einem selber schaden. Unfaires Verhalten gegenüber anderen Menschen. Oder die Vorstellung, dass man selbst vollkommen unabhängig von allen anderen ist – auch von Gott.

Wiese in Aachen im Herbst
Bild: © Simon/Fotolia.com (Symbolbild)

Wer beim Spazieren den Blick schweifen lässt, bei dem steigen mitunter auch Bilder der inneren Landschaft auf: viel Schönes, das einen erfreut, belebt, wofür man dankbar ist. Gleichzeitig kann man aber auch Dinge wahrnehmen, die der Alltag verdeckt und die weniger schön sind.

Auch im eigenen Inneren kann es so etwas wie "Bausünden" geben: Eigenheiten und Gewohnheiten, die sich eingeschlichen haben, die aber – ähnlich wie ein hässliches Gebäude – nicht zwangsläufig bleiben müssen. Wenn man solche Dissonanzen in sich entdeckt, kann man sich damit auseinandersetzen und versuchen, sich zu ändern. Auch Versäumnisse und Schuldgefühle können Menschen belasten.

Die Last nicht alleine tragen

Immer dann, wenn dies alles belastend wird, hilft die Zusage: Ich muss diese Last nicht alleine tragen. Denn Gott macht uns im Sakrament der Versöhnung das Angebot, diese Last mitzutragen. Schließlich hat er uns erschaffen – und mit Freiheit ausgestattet, weshalb wir auch immer mal vom Kurs abkommen und scheitern können.

Gott weiß also, dass wir immer wieder versagen und hinter unseren Möglichkeiten zurückbleiben. In der Beichte, dem Sakrament der Versöhnung, kommt er uns mit seiner Gegenwart entgegen. Er will uns mit Liebe, Geduld und Erbarmen von dem befreien, was uns wie eine "Bausünde" auf der Seele liegt.

So, wie ein hässliches und vielleicht sogar gesundheitsgefährdendes Gebäude abgetragen werden kann und man dann am gleichen Ort mit neuem Fundament neu anfangen kann, so wird in der Beichte abgetragen, was man an Schuld auf sich geladen hat. Man hat die Gelegenheit, eine Heilserfahrung zu machen, und kann neu anfangen.

Beichte im Beichtmobil am im
Bild: © Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA (Archivbild)

Bei Großveranstaltungen wie den Weltjugendtagen sind Beichgelegenheiten bei jungen Menschen beliebt.

Damit das gelingt, ist es wichtig, mit ehrlichem Blick auf sich selber zu schauen. So erkennt man, was man mit sich herumträgt. Sich dann mit sich und anderen zu versöhnen, ist ein Prozess, der unterschiedlich gestaltet werden kann. Ein persönliches Gespräch, die Bitte um Verzeihung und das Annehmen der eigenen Schwächen und Fehler gehören sicher dazu.

Aber manchmal braucht es auch noch einen Schritt, in dem man ablegen kann, was man auf sich geladen hat. Um im Bild zu bleiben: Der Müll in der Landschaft muss aufgesammelt und entsorgt werden, das Bauwerk muss abgetragen werden.

Das kann im Sakrament der Beichte geschehen. In ihr spricht man aus, was einen belastet. Wer etwas in Worte fasst, steht dazu. Das ist ein erster Schritt – wie das Aufsammeln des Mülls. Und weil Müll wenig ansehnlich ist und vielleicht sogar streng riecht, geschieht dies im absolut vertraulichen Rahmen.

Vertraulicher Rahmen

Der ist so vertraulich, dass der Priester unter keinen Umständen weitersagen darf, was ihm in der Beichte anvertraut wurde. Aber er ist nicht der eigentlich Handelnde, sondern Gott selbst handelt in der Lossprechung: Er übernimmt sozusagen den Müll und Schutt und entsorgt ihn fachgerecht.

Damit ist es möglich, neu anzufangen. Die innere Landschaft ist dann wieder wunderschön und leuchtend, und es ist eine Freude, in sich selber zu wohnen. Dann kann man die Beine wieder entspannt hochlegen und noch mehr genießen.

Kerstin-Marie Berretz OP (KNA)

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