Das Bistum Fulda hat sich von Äußerungen eines Ruhestandspriesters aus der Diözese zum Anschlag beim Berliner Christopher Street Day distanziert. Diese "geben weder die Position des Bistums noch die Haltung seiner Verantwortlichen wieder", heißt es in einer am Wochenende veröffentlichten Stellungnahme. Angesichts der verbrecherischen Tat gelte die Anteilnahme den Opfern, ihren Angehörigen und allen Menschen, die durch die Tat erschüttert worden seien. "Es kann und darf nicht hingenommen werden, dass in unserem Land Menschen sich aufgrund ihrer sexuellen Identität als existenziell bedroht erleben", betonte das Bistum.
Bei dem Geistlichen handelt es sich um Winfried Abel (87), der in der Vergangenheit regelmäßig in konservativen katholischen Medien publizierte und auftrat. Dieser hatte in einem Leserbrief, der am Freitag in der "Fuldaer Zeitung" erschien, den CSD als Form der "Unkultur" bezeichnet. Anschläge wie den in Berlin nannte er "ein Signal des Himmels" sowie "einen Aufruf zur Besinnung und zur Umkehr". Zwar sei islamistische Gewalt wegen ihrer Ablehnung des Christentums nicht zu rechtfertigen und Terroristen "das Handwerk" zu legen. Dennoch stellte Abel einen Zusammenhang zwischen dem Erstarken des Islam sowie des Islamismus in Europa und einem vermeintlichen Verfall des christlichen Westens her. "Ist es nicht bezeichnend, dass Vertreter des Islam dem einst christlichen Abendland die zunehmende sittliche Dekadenz zum Vorwurf machen und die westliche Kultur verachten?"
Bistum: Würde aller Menschen im Zentrum
Das Bistum betonte hingegen seinen Rückhalt für Kundgebungen wie den CSD. "Als Kirche glauben wir, dass jeder Mensch Ebenbild Gottes ist und eine unveräußerliche Würde besitzt. Daraus erwächst der Auftrag, allen Menschen mit Achtung, Respekt und Nächstenliebe zu begegnen – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität", heißt es in der Erklärung. "Der Christopher Street Day steht für das Anliegen, auf die Würde aller Menschen aufmerksam zu machen und sich gegen Ausgrenzung und Gewalt einzusetzen."
Abel hatte sich schon im vergangenen Jahr abfällig über den CSD geäußert. In einem offenen Brief an die Bistumsleitung kritisierte er die Unterstützung der Diözese für die Veranstaltung. "Sogenannte 'Pride-Paraden' sind Symptome einer sittlich entfesselten Gesellschaft, die die Grenzen des Anstands und der Moral überschritten hat – sie sind eine bunte Darbietung von Perversionen, die Verherrlichung geschmackloser Obszönitäten und ein Spektakel des verlorengegangenen Schamgefühls." Er wolle deshalb "in diesem Bistum nicht mehr Priester sein". (mal/KNA)