Papst Leo XIV. hat bei seinem ersten Sonntagsmittagsgebet im Vatikan nach seiner Sommerfrische die moderne Konsumgesellschaft kritisiert. Vor mehreren Tausend Menschen auf dem Petersplatz versammelten Pilgern sagte er am Sonntag: "Das Anhäufen und das Wegwerfen sind zwei Seiten desselben Übels: der Habgier."
Diese sei eine "Krankheit der Seele", so der Papst. Und weiter: "Sie lässt uns das Bewusstsein verlieren, weil sie uns derart durch Reichtümer berauscht, dass wir diejenigen vergessen, die vor Hunger weinen und vor Durst schreien."
Scharfe Kritik des Papstes an Konsumgier
Mit harten Worten geißelte er diese Form der Konsum-Mentalität und sagte: "Dem Überfluss der vergänglichen Dinge stehen so die ausgestreckten Hände derer gegenüber, die nichts zu essen haben, und die niedergebrannten Häuser derer, die ohne Frieden leben."
Dieser Haltung der Gleichgültigkeit stellte der Papst die biblische Erzählung von der "wunderbaren Brotvermehrung" gegenüber. Sie verweise "auf eine wichtige Wahrheit: Was geteilt wird, geht nicht verloren. Im Gegenteil – es wird zum Segen für viele." An die bei sommerlicher Hitze in Rom versammelten Menschen appellierte der Papst, auch im Urlaub "das Brot in der Familie und unter Freunden zu teilen" und "diejenigen in unserer Umgebung zu berücksichtigen, die in Not sind".
Dem Überfluss der vergänglichen Dinge stehen so die ausgestreckten Hände derer gegenüber, die nichts zu essen haben, und die niedergebrannten Häuser derer, die ohne Frieden leben.
— Papst Leo XIV. beim Angelus.
Im Anschluss äußerte sich der Papst zu der jüngsten Massen-Migration in die spanische Exklave Ceuta. "Ich verfolge die alarmierende Lage in Ceuta mit Sorge", sagte Leo. Er bete zu Gott, dass "Lösungen des Friedens, der Stabilität und der Gerechtigkeit gefunden werden können".
Der Papst machte seinen Appell durchgehend auf Spanisch. In einer auffälligen Wendung bat er "Maria, Unsere Liebe Frau von Afrika" um Hilfe in der Krise; es ist ein auf dem afrikanischen Kontinent gebräuchlicher Ehrentitel der Muttergottes. Auf die wieder entfachte europäische Debatte über Migrationspolitik ging Leo XIV. mit keinem Wort ein.
Europa diesmal nicht im Fokus des Papstes
Bei einer Spanienreise im Juni hatte der Papst sichere Migrationswege gefordert. Die Menschenwürde von Flüchtlingen müsse an den Außengrenzen Europas gewahrt werden, erklärte er bei einem Besuch auf Gran Canaria.
Menschenhändler und Schlepper hatte er dort mit Meeres-Ungeheuern verglichen, die Frauen und Kinder versklavten. Zugleich hatte er die Gleichgültigkeit jener beklagt, "die zulassen, dass die Armen von Ausbeutung oder Vergessenheit verschlungen werden".
Zugleich forderte er "politische Maßnahmen, die es jedem Menschen ermöglichen, in seiner Heimat in Würde zu leben". Neben dem Recht, Zuflucht zu suchen, wenn das Leben bedroht ist, gebe es "auch das Recht, nicht auswandern zu müssen: das Recht, in der eigenen Heimat zu bleiben", so der Papst am 11. Juni auf Gran Canaria. (mal/KNA)