Standpunkt

Die Kirche braucht mehr Toleranz statt Vandalismus

Ehrenamtliche reparieren die Marienfigur in Medjugorje nach einem Vandalismus-Akt
Bild: IMAGO / Pixsell

Zum zweiten Mal in kurzer Zeit schon steht der kleine Ort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina in den Schlagzeilen: In diesen Tagen, weil zum 37. Mal zahlreiche Pilger zum Internationalen Jugendfestival dorthin kommen. Nur ein paar Tage zuvor, weil dort ein Altar und die prägende Marienfigur auf dem Erscheinungsberg angegriffen und beschmiert wurden.

Beide Ereignisse zeigen, wie streitbar manche Orte in der katholischen Welt bis heute sind. Einerseits hat das kleine Medjugorje glühende Anhänger, andererseits können mindestens genauso viele Menschen mit der Art von Marienfrömmigkeit, die dort Niederschlag findet, nichts anfangen.

Dass ein kleiner Ort mit 2.300 Einwohnern irgendwo im Nirgendwo eine solche Durchschlagskraft entfalten kann, zeigt zweierlei: Es ist noch nicht alles vorbei für den Glauben in Europa. Es gibt auch in diesen Breitengraden Orte, die auch im 21. Jahrhundert dazu führen, dass sich Menschen mit ihrem Glauben auseinandersetzen. Wer dorthin kommt, stellt sich irgendwann die Frage: Ist das hier was für mich? Egal, welche Antwort man darauf gibt: Damit hat eine Aktualisierung, eine Reflexion des eigenen Glaubens stattgefunden.

Zudem zeigen diese Auseinandersetzungen auch, dass in der Kirche in Sachen gegenseitiger Akzeptanz noch Luft nach oben ist. Wer eine spezifische Frömmigkeitsform übt, ohne andere Menschen damit anzugreifen oder herabzusetzen, sollte das unbehelligt tun können. Das gilt für Medjugorje genauso wie etwa für Queer- und Motorradgottesdienste oder Eucharistische Anbetung und lateinische Chorvespern. Niemand muss einzelne Frömmigkeitsformen als Teil des eigenen Glaubenslebens begreifen, um einzugestehen, dass sie anderen Menschen Kraft schenken und für sie Teil des eigenen gelebten Christseins sind. Anfragen an einzelne Phänomene des Katholischen zu haben, bleibt jedem vorbehalten, sie deswegen brachial anzugreifen nicht.

In der Kirche wäre ein wenig mehr Toleranz angebracht: Vorbehalte ausdrücken, eigene Eindrücke schildern, zugeben, wenn etwas nicht zum eigenen Glaubensverständnis passt – das alles ist gut und richtig. Aber Menschen beschimpfen oder ihre Glaubensorte schänden – das kann niemals richtig sein.

Christoph Paul Hartmann

Der Autor

Christoph Paul Hartmann ist Redakteur bei katholisch.de.

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