Wie lassen sich die Beteilidgung vorn Frauen und Geschlechtergerechtigkeit auf allen Ebenen im Bistum Mainz fördern und umsetzen? Um dieser Frage nachzugehen, startete vor fünf Jahren die Frauenkommission im Bistum Mainz. Wie blicken sie auf die Ergebnisse ihrer bisherigen Arbeit? Und was wünschen sie sich für die Zukunft? Das beantworten die Sprecherinnen des Gremiums, Anne-Kathrin Lamke und Christina Feifer, im katholisch.de-Interview.
Frage: Ein Ziel der Frauenkommission ist es, Geschlechtergerechtigkeit in Ihrem Bistum voranzubringen und für spürbare Änderungen zu sorgen. Ist Ihnen das in den vergangenen fünf Jahren gelungen?
Lamke: Ja, natürlich! Es gab große und auch viele kleine Schritte. Das Entscheidende aus meiner Sicht ist dieser Kulturwandel, seit es uns gibt: Geschlechtergerechtigkeit ist ein etabliertes Thema im Bistum. Wir können in sehr vielen Gremien mitarbeiten und unsere Perspektive einbringen. Allein diese Präsenz ändert eine Mentalität. So haben wir viele wichtige Akzente gesetzt bei ganz unterschiedlichen Themen wie Frauenpastoral, Liturgie, Sichtbarkeit oder Gleichstellungsbeauftragung.
Feifer: Die Frauenkommission ist auf Initiative der beiden großen Frauenverbände, der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und dem Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) in unserem Bistum entstanden. Dass der Bischof diese Kommission überhaupt eingesetzt hat, ist aus meiner Sicht schon der erste große Schritt in diese Richtung.
Frage: Woran machen Sie diesen Kulturwandel fest?
Lamke: Zum Beispiel am Thema Sprache. Wir haben ein Empfehlungsschreiben erarbeitet, in dem wir für geschlechtergerechte Sprache geworben haben. Da kann man sagen, dass das Thema in unserem Bistum wahr- und ernstgenommen wird. Damit sind wir in Mainz schon ziemlich weit. Die Sichtbarkeit und Beteiligung von Frauen in kirchlichen Bereichen wird immer größer.
Feifer: Ein anderes Beispiel ist das Thema Sternenkinder, das gesellschaftlich nach wie vor ein Tabuthema ist. Uns war es wichtig, dass unser Bistum das aufgreift. Daraus ist ein Prozess entstanden und es gibt nun eine Fürbitte für alle Sternenkinder, die in allen Gemeinden an Allerseelen vorgetragen wird. Das mag jetzt nach einer Kleinigkeit klingen, aber die Rückmeldungen dazu waren sehr berührend.
Lena Giel (links) ist Geschäftsführerin der Frauenkommission im Bistum Mainz, Anne-Kathrin Lamke (Mitte) und und Christina Feifer (rechts) sind Sprecherinnen des Gremiums.
Frage: Das Projekt Frauenkommission wurde auch von Bischof Peter Kohlgraf gefördert. Wie nehmen Sie die Zusammenarbeit mit der Bistumsleitung wahr? Werden Ihre Anregungen dankbar angenommen – oder hören Sie öfter, dass etwas nicht geht?
Lamke: Dass wir das Vertrauen des Bischofs haben, ist aus meiner Sicht einer der wichtigsten Erfolge unserer Arbeit. Diese gute Zusammenarbeit ist nicht selbstverständlich. Aber natürlich gibt es Grenzen des Machbaren. Die sind zum einen finanzieller Natur. Zum anderen können wir keine Änderungen erwirken, die über die Grenzen des Bistums hinausgehen, oder die sich nicht im Bistum lösen lassen. Wir merken aber eine große Bereitschaft beim Bistum, auch dahin zu schauen, wo es wehtut und Dinge zu ändern.
Frage: Wo sehen Sie denn gegenwärtig noch Verbesserungspotenzial?
Lamke: Wir fänden es ganz wunderbar, wenn wir noch eine größere Wirkung in die Gemeinden hinein hätten. Das ist natürlich auch eine Frage der Strukturen und eine Frage der Möglichkeiten. Auch wenn es darum geht, junge Frauen für unsere Arbeit zu gewinnen, sind wir noch nicht so gut, wie ich mir das wünschen würde. Außerdem braucht es für alle Beteiligten viel Mut neue Wege zu gehen, daran arbeiten wir ständig.
Feifer: Für mich gehört auch das Stichwort Vernetzung dazu. Wir hatten Treffen mit den Frauenbeauftragten aus anderen Bistümern und haben uns auch mit anderen Bereichen vernetzt um uns auszutauschen. Aber auch da ist noch Luft nach oben.
Frage: Sie haben es angesprochen, Sie konzentrieren sich auf die Dinge, die Sie in Ihrem Bistum verändern können. Wenn man die vergangenen fünf Jahre anschaut, gab es weltkirchlich gesehen nicht unbedingt große Öffnungen, was die Rolle von Frauen in der Kirche angeht. Ist das bei Ihnen auch ein Thema, das Sie irgendwie beschäftigt?
Feifer: Egal ob wir uns mit dem Bischof austauschen oder ob wir untereinander reden: Der weiße Elefant namens Frauenweihe ist immer mit im Raum. Aber wir wissen, dass wir Teil einer Weltkirche sind und das muss ein Stück weit ausgehalten werden, auch wenn das nicht immer erfreulich ist. Das ist einfach so.
Lamke: Es ist wichtig, dass es Orte gibt, wo der Frust geäußert werden kann, wo man etwas gegen dieses Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht tun kann. Und so ein Ort ist die Frauenkommission.
Frage: Gab es in den vergangenen fünf Jahren denn auch Momente, wo Sie Überraschungen erlebt und gedacht haben: Ach, das geht?
Lamke: Schon die Offenheit, mit der die Frauenkommission angelegt war, hat mich überrascht. Bischof Kohlgraf hat gleich zu Beginn betont, dass wir uns unsere Themen und Schwerpunkte selbst suchen dürfen. Das war eine Freiheit, die gut getan hat. Und auch die Möglichkeit, in alle Gremien zu gehen, war eine gute Erfahrung. Da haben wir keinen Gegenwind bekommen. So hatten wir zum Beispiel einen ganz intensiven und ehrlichen Austausch mit dem Bischof und anderen Frauen zum Thema Berufung von Frauen.
Feifer: Sowohl der Generalvikar als auch der Bischof haben uns mehrfach ermutigt, hartnäckig zu bleiben und regelrecht zu nerven und nachzufragen, wie weit manche Entwicklungen sind. Das finde ich eine große Freiheit und einen großen Zuspruch.
Frage: Was war für Sie denn überhaupt die Motivation, Ihre Freizeit aufzuopfern und sich bei der Frauenkommission einzubringen?
Lamke: Einfach der Wunsch, an der Zukunft der Kirche mitzuarbeiten. Ich habe eine Tochter, die in die Kirche hineingewachsen ist und der ich wünsche, dass sie sich immer in der Kirche wohlfühlen kann. Die Chance, die uns hier gegeben wurde, wirklich etwas zu ändern an einem Ort, an dem man auch etwas ändern kann, hat mich sehr beflügelt.
Feifer: Mich faszinieren die Veränderungsprozesse, die gerade im Bistum laufen. Ich sehe da eine große Chance, bei aller Trauer und allem Loslassen auch Veränderung mitzugestalten. Ich erlebe in meinem Beruf als Religionslehrerin und Schulseelsorgerin, dass Kirche ganz neu gedacht werden muss und alte Formen nicht mehr greifen. Ich bin immer wieder ermutigt und fühle mich beschenkt, wenn ich sehe, wie viel Kraft es hat, wenn Frauen diese Veränderungen mittragen.
Frage: Wenn wir auf die kommenden fünf Jahre blicken: Was wünschen Sie sich für die Arbeit der Frauenkommission?
Feifer: Ich wünsche mir, dass der Staffelstab weitergegeben wird. Es gibt einige Projekte, die jetzt abgeschlossen sind, aber auch noch viele offene Stellen. Und daran werden wir gemeinsam – sicherlich auch mit neuen Frauen – arbeiten.
Lamke: Ich wünsche der Kommission, dass sie mit Mut gute neue Wege geht, weiterhin gute Erfahrungen macht und einen langen Atem behält und nicht ausgebremst wird. Es gibt einfach unheimlich viele Menschen, deren Vertreterinnen wir auch weiterhin sein möchten.