Auch Schätzungen für 2026 deuten auf Wachstum hin

Kardinal Aveline: Nicht stolz auf Zahl der Taufbewerber sein

Kardinal Jean Marc Aveline aus Marseille in Frankreich
Bild: KNA/Lola Gomez/CNS photo

Der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Kardinal Jean-Marc Aveline, hat davor gewarnt, stolz auf die wachsende Zahl der Taufbewerber zu sein. "Die Versuchung ist groß, stolz auf diese Zahlen zu sein, ja sogar einen Vergleich zwischen den Diözesen anzustellen, wer mehr oder weniger davon hat: Das ist menschlich", mahnte Aveline in einem Interview mit der italienischen Zeitung "Avvenire" (Dienstag). "Das Gegenmittel gegen diese Versuchung besteht darin, uns bewusst zu machen, dass die Wege, über die diese jungen Menschen zu uns gekommen sind, nicht diejenigen sind, die wir für sie vorbereitet hatten", erklärte der Erzbischof von Marseille. Die Kirche selbst habe also nichts dazu beigetragen, die Zahlen zu steigern. "Wir haben den Weg zur Tür geschaffen, sie sind durch das Fenster hereingekommen." Gleichzeitig handele es sich bei den Zahlen "nicht um ein Strohfeuer". Auch die Schätzungen für 2026 deuteten vielmehr auf ein Wachstum hin.

Zum Umgang der Kirche mit dem Phänomen sagte Aveline: "Wir dürfen niemals vergessen, dass die Mission der Kirche darin besteht, mit dem Heiligen Geist zusammenzuarbeiten, der uns immer dann überrascht, wenn wir gerade unsere Pläne schmieden." Zudem müsse mehr Aufmerksamkeit auf die zwischenmenschlichen Beziehungen in christlichen Gemeinschaften gelegt werden. Auch religiöse Bildung sei wichtig. "Manchmal gehen diese Wege von einer starken Emotion aus, doch dann ist es notwendig, in das Geheimnis des Glaubens einzutreten, in das, was ihn einzigartig macht."

Im bevorstehenden Frankreich-Besuch von Papst Leo XIV. sieht Aveline eine "Gelegenheit zur Erneuerung im Glauben". "Die französische Kirche hat eine starke Säkularisierung erlebt, und nun ist etwas Neues im Gange, aber der Heilige Geist kann nur wirken, wenn wir demütig bleiben und uns den vor uns liegenden Herausforderungen stellen", sagte Aveline. Zwischen dem 25. und 28. September wird der Papst Frankreich besuchen. (cbr)