Standpunkt

Klimaschutz ist eine gemeinsame Verantwortung

Klimaschutz ist eine gemeinsame Verantwortung
Bild: KNA/Cristian Gennari/Romano Siciliani

Jesuit Jörg Alt ist frustriert über den Misserfolg der Klimaproteste. Nach Petitionen, Kampagnen, Büchern und sogar 25 Tagen Haft zog er im katholisch.de-Interview das bittere Fazit: "Das juckt kaum jemanden." Ich kann die Frustration nachvollziehen, sich wie ein "Rufer in der Wüste" zu fühlen.

Wird aktuell über die Hitze gestöhnt, antworte ich immer häufiger: Das wird unser neuer Normalzustand, wir müssen uns daran gewöhnen. Nicht, weil ich selbst nicht darunter leiden würde, aber die Erderwärmung ist menschengemacht, und auch unser Wohlstand in Deutschland beruht auf jahrzehntelanger Ausbeutung von Natur und Ressourcen.

Kaum ein politisches Problem wird so konsequent zur Privatsache erklärt wie der Klimaschutz. Natürlich können wir anders einkaufen, Energie sparen oder unser Mobilitätsverhalten ändern. Doch selbst Menschen guten Willens stoßen schnell an strukturelle Grenzen. Die Konzentration auf das Verhalten Einzelner lenkt von den entscheidenden Hebeln ab: Wir brauchen nationale und internationale politische Anstrengungen, um die Erderwärmung zu begrenzen und wirksame Hitzeschutzmaßnahmen umzusetzen.

Weil jede Debatte über Verbote inzwischen schnell zum Kulturkampf wird, erscheint mir ein marktwirtschaftliches Instrument zielführender: Umweltkosten müssen sich endlich im Preis eines Produktes widerspiegeln. Warum werden Gewinne privatisiert, aber schädliche Folgen und auch deren Kosten der Allgemeinheit aufgebürdet? Wer Umweltkosten ehrlich einpreist, setzt Innovation frei, statt lediglich Verzicht einzufordern.

Gleichzeitig benötigen wir einen zügigen Ausbau von Hitzeschutzmaßnahmen, gerade für vulnerable Gruppen. Auch dafür braucht es politischen Willen und Förderprogramme. Zum Beispiel können Altenheime eine energetische Sanierung nicht einfach aus dem laufenden Haushalt finanzieren.     

Wirksamer Klima- und Hitzeschutz sind keine Frage persönlicher Moral allein, sondern eine gemeinsame politische Verantwortung, die konsequentes Handeln verlangt.

Andrea Hoffmeier

Die Autorin

Andrea Hoffmeier ist Akademiedirektorin der Thomas-Morus-Akademie Bensberg.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.