Menschenrechtler äußern sich besorgt über die Lage von Christen in Syrien. Die neuen islamistischen Machthaber in dem Land spielten auf Zeit, mahnte die Gesellschaft für bedrohte Völker am Mittwoch in Göttingen. "Säßen sie fester im Sattel, würden sie die Islamisierung des Landes und die Unterdrückung der Christen und anderer Religionsgemeinschaften noch intensiver vorantreiben", zeigte sich Nahostreferent Kamal Sido überzeugt.
Er appellierte an die christlichen Kirchen sowie die demokratischen Parteien in Deutschland, Europa und weltweit, die Lage von Christen und anderen Minderheiten in Syrien aufmerksam zu beobachten. Insgesamt müsse eine Zusammenarbeit mit der syrischen Regierung davon abhängig gemacht werden, ob vollständige Glaubensfreiheit garantiert werde und praktiziert werden dürfe. Dazu gehöre auch das Recht, vom Islam zum Christentum zu konvertieren.
Laut dem Weltverfolgungsindex 2026 des christlichen Hilfswerks Open Doors wurden in Syrien mindestens 27 Christen im Berichtszeitraum wegen ihres Glaubens getötet. Hinzu kämen Drohungen, Aufforderungen zur Konversion und Forderungen nach Zahlung einer Kopfsteuer. Seit dem Sturz Baschar al-Assads und der Machtübernahme islamistischer Kräfte sei die Zukunft der Christen noch ungewisser. Anschläge auf Kirchen und Berichte über Einschüchterungen nährten die Sorge, dass eine der ältesten christlichen Gemeinschaften der Welt schrumpft.
Kein Rat zur Rückkehr
Open Doors ist nach eigenen Angaben ein Hilfswerk, das in rund 60 Ländern verfolgte Christen unterstützt. In Deutschland widmet es sich vorwiegend der Berichterstattung über ihre Unterdrückung. Open Doors steht der evangelikalen Kirche nahe.
Der Erzbischof von Homs, Jacques Mourad, riet unlängst seinen geflüchteten Landsleuten von einer baldigen Rückkehr ab. Sicherheits- und Wirtschaftslage seien nach wie vor desaströs, weiterhin herrsche eine soziale und humanitäre Katastrophe im Land, sagte Mourad Ende Juli der österreichischen Presseagentur Kathpress und anderen Medien. Der aktuellen Regierung sowie den USA, Israel und der EU warf der syrisch-katholische Geistliche vor, nicht um das Wohl des syrischen Volkes und Stabilität im Nahen Osten bemüht zu sein.
Auf die Christen in Syrien habe das verheerende Auswirkungen: Von den ehemals zwei Millionen Christen seien heute nach Schätzungen noch 300.000 bis 350.000 übrig. "Wenn das so weitergeht, stirbt das Christentum in dieser Region aus", so der Erzbischof. (KNA)