Mit Blick auf die kommenden Parlamentswahlen in Israel Ende Oktober hat der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, Hoffnung auf frischen Wind in der Politik des Landes geäußert. "Wir brauchen neue Gesichter, neue Persönlichkeiten", sagte der Kardinal am Donnerstag dem Portal "Vatican News". "Wer das sein wird, entscheiden die Wähler."
Gleichzeitig mahnte Pizzaballa dazu, nicht alleine in den Wahlen schon die Lösung aller Probleme in der Region zu sehen. "Tatsächlich aber sind die Probleme im Nahen Osten so tiefgreifend, dass ihre Lösung viel Zeit brauchen wird." Die vorgezogenen Parlamentswahlen in Israel werden am 27. Oktober stattfinden. Gewählt werden dann 120 Abgeordnete für die Knesset.
"Keiner glaubt mehr an gute Nachrichten"
Die Stimmung in Jerusalem sei derzeit "von großer Spannung geprägt", selbst wenn es gerade keine flächendeckenden Bombardierungen gebe, so Pizzaballa weiter. "Doch Gewalt ist inzwischen das allgemeine Muster, nach dem die Beziehungen in Gaza, im Westjordanland, in Israel und in Palästina gelesen werden." Auch die Christen in der Region seien erschöpft, angesichts der immer wieder sich ändernden Nachrichtenlage. "Leider führt das zu einem immer größeren Misstrauen in der Bevölkerung. Niemand glaubt mehr an Nachrichten – selbst dann nicht, wenn sie sich als wahr erweisen. Und wenn tatsächlich einmal etwas Gutes geschieht, kann man es kaum noch glauben, weil man es nicht mehr gewohnt ist."
Pizzaballa äußerte sich am Rande des Jugendfestivals "Go!" im mittelitalienischen Assisi. Anlass für das Event, an dem am Donnerstagvormittag auch Papst Leo XIV. teilnahm, ist der 800. Todestag des heiligen Franziskus (um 1181–1226).
In wenigen Wochen – genau am Wahltag, dem 27. Oktober – jährt sich dort ebenfalls zum 40. Mal das Friedenstreffen zwischen dem damaligen Papst Johannes Paul II. und Vertretern aller Religionen. Vor diesem Hintergrund rief Pizzaballa dazu auf, hoffnungsvoll nach vorn zu blicken. "In den vergangenen 40 Jahren wurde sehr viel erreicht. Angesichts der Konflikte, vor allem im Nahen Osten, befinden wir uns heute an einem Wendepunkt." Das Jubiläum könne Ausgangspunkt für einen neuen Weg sein, "der das Gute bewahrt, das bereits erreicht wurde, zugleich aber auch die Schwierigkeiten unserer Zeit ernst nimmt, damit ein glaubwürdiger, aufrichtiger und authentischer Dialog weitergehen kann". (KNA)