Kommentare greifen in der Regel auf, was aktuell diskutiert wird. Deshalb mag es verwundern, dass sich dieser Standpunkt einem Thema widmet, das in kirchlichen Medien derzeit kaum vorkommt. Es ist Ferienzeit überall in Deutschland. Allein in Nordrhein-Westfalen verbringen rund 20.000 Kinder und Jugendliche ihre Ferien in einem Zeltlager oder auf einer Jugendfreizeit. Diese Angebote gehören seit Jahrzehnten zum Kern katholischer Jugend(verbands)arbeit und sind erstaunlich erfolgreich. In der Berichterstattung kirchlicher Medien sucht man sie jedoch nahezu vergebens.
Jugendfreizeiten sind mehr als bloße Freizeitangebote. Sie schaffen Räume, in denen Kinder und Jugendliche Gemeinschaft erleben, füreinander Verantwortung übernehmen und den Glauben im Alltag teilen. Gerade das Miteinander unterschiedlicher Altersgruppen führt dazu, dass Ältere für Jüngere zu Vorbildern werden. Für viele zählen Jugendfreizeiten deshalb zu den prägenden Erfahrungen von Kirche im Jahreskreis und in ihrem Leben. Zugleich werden solche Angebote von einer Vielzahl von Ehrenamtlichen getragen, die Jahr für Jahr viel Arbeit und Zeit investieren.
All das ist berichtenswert und verdient, stärker in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken. Es ist schwer nachvollziehbar, warum dieses Engagement wie auch andere etablierte und erfolgreiche Formen pfarrlichen Lebens in den Medien kaum vorkommen. Stattdessen wird wochenlang über die Piusbrüder berichtet und so der Eindruck erweckt, diese Gruppe hätte entscheidende Relevanz für das kirchliche Leben. Auch in der Öffentlichkeit wird es wohl Zeit, wieder stärker die nach wie vor lebendigen Orte von Kirche darzustellen, die den Alltag so vieler Menschen Tag für Tag bereichern. Ohne dieses Bewusstsein droht das Verfallsnarrativ kirchlichen Lebens allzu schnell zur selbsterfüllenden Prophezeiung zu werden, und das Extreme absorbiert eine Aufmerksamkeit, die ihm nicht gebührt.
Jetzt aber erst einmal allen Kindern und Jugendlichen viel Spaß und tolle Erlebnisse in der Ferienfreizeit!
Der Autor
Pfarrer Dirk Bingener ist Präsident des Internationalen Katholischen Hilfswerkes missio Aachen und des Kindermissionswerkes "Die Sternsinger" in Aachen.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.