Medien: Ordensfrauen zur Vergebung gezwungen

Unveröffentlichte Briefe sollen Missbrauchstaten Rupniks dokumentieren

Marko Rupnik in der von ihm gegründeten Mosaikwerkstatt "Centro Aletti" in Rom.
Bild: picture alliance / abaca | Vandeville Eric/ABACA

Bisher unveröffentlichte Briefe von Ordensfrauen an den mutmaßlichen Missbrauchstäter Marko Rupnik sollen weitere Belege für sexualisierte und geistliche Gewalt enthalten. Laut der US-amerikanischen katholischen Nachrichtenagentur OSV News (Freitag) soll es sich um 22 Briefe im Archiv der von Rupnik gegründeten Loyola-Gemeinschaft handeln, die Mitglieder der Gemeinschaft im Jahr 2000 an Rupnik schreiben sollten. "Während der Ostertage im Jahr 2000 hat die Oberin der Loyola-Gemeinschaft, Ivanka Hosta, uns gezwungen, einen Brief an Marko Rupnik zu schreiben. Darin sollten wir unsere Beziehung zu ihm beschreiben und was er uns angetan hat und ihm anschließend verzeihen", sagte eine mutmaßliche Betroffene, Fabrizia Raguso, gegenüber OSV News.

2000 wurde in der Kirche als Heiliges Jahr begangen. "Ivanka nannte uns als Grund, als sie uns zum Schreiben über unsere Erfahrungen mit Rupnik gezwungen hat, dass wir aus Anlass des Heiligen Jahres Versöhnung mit ihm suchen mussten", so Raguso weiter. Ob Rupnik die Briefe erhalten habe, wisse sie nicht. Insgesamt sollen 40 Mitglieder der Gemeinschaft Briefe anlässlich des Heiligen Jahres geschrieben haben, von denen 22 über Übergriffe berichten.

Briefe beschreiben verschiedene Arten von Übergriffen

In den 22 Briefen wird laut den Quellen von OSV News von Manipulation, Nötigung, Machtmissbrauch sowie körperlichen und sexuellen Übergriffen berichtet. Mehrere Frauen sollen beschrieben haben, wie geistliche Begleitung und religiöse Sprachbilder benutzt wurden, um sie zu Handlungen zu drängen, die ihnen als Ausdruck von Reinheit oder als Gottes Wille dargestellt wurden.

Neun der betroffenen Frauen sollen 2021 bei der kanonischen Voruntersuchung des Jesuitenordens angehört worden sein. Die Voruntersuchung stellte fest, dass die Vorwürfe gegen Rupnik plausibel seien. Im Juni 2023 wurde der Priester aus dem Jesuitenorden ausgeschlossen, im Oktober desselben Jahres in die slowenische Diözese Koper inkardiniert. Die Loyola-Gemeinschaft wurde 2023 durch den Vatikan aufgelöst. Das Archiv befindet sich laut OSV News mittlerweile in Obhut der Erzdiözese Ljubljana (Slowenien).

Das Glaubensdikasterium führt seit Oktober 2023 ein Verfahren gegen Rupnik. Das Dikasterium ist für bestimmte schwere Straftaten zuständig. Dazu gehören Sexualdelikte mit minderjährigen oder nicht zurechnungsfähigen Betroffenen sowie Sexualdelikte im Kontext der Beichte. Für den gerichtlichen Prozess wurden im vergangenen Oktober die Richter ernannt. Im November sagte Papst Leo XIV., dass der Prozess seine Zeit brauche: "Ich weiß, dass es schwierig ist, von den Opfern Geduld zu verlangen, aber die Kirche muss die Rechte aller Menschen respektieren." Im Juli dementierte der Vatikan Gerüchte, dass das Verfahren mit einem Freispruch abgeschlossen worden sei. Die Anwältin mehrerer mutmaßlicher Betroffener klagte über mangelnde Transparenz und rechtsstaatliche Standards des kirchlichen Strafverfahrens. (fxn)