Papst Leo XIV. hat unlängst den deutschen Kirchenrechtler und Jesuiten Ulrich Rhode zum Mitglied des höchsten vatikanischen Gerichts, der Apostolischen Signatur, ernannt. Rhode, zugleich Kirchenrechts-Professor an der Päpstlichen Universität Gregoriana, ist keineswegs der erste Deutsche, der an diese ultimative kirchliche Gerichtsinstanz berufen wurde.
Ein Blick in wichtige Institutionen in und um den Vatikan zeigt, dass Deutsche vor allem – aber nicht nur – wegen ihres kirchenrechtlichen Fachwissens in Rom geschätzt sind. Das gilt auch für das Gericht der Signatur. Auch der Osnabrücker Bischof Dominicus Meier, Benediktiner und habilitierter Kirchenrechtler, ist dort Mitglied. Papst Leo verlängerte dieser Tage dessen Berufung. Kein Deutscher, aber deutschsprachig ist der Österreicher Nikolaus Schöch. Der aus Innsbruck stammende Franziskanerpater fungiert dort in besonderen Ehenichtigkeitsprozessen als Verteidiger des Ehebands.
Ausgeschieden ist hingegen nach fünfjähriger Amtszeit der deutsche Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller. Obwohl er von Haus aus Dogmatiker und kein Jurist ist, hatte Papst Franziskus ihn im Juni 2021 an die Signatur berufen. Für Müller gilt wie für alle Bischöfe, dass sie nicht unbedingt promovierte Kirchenrechtler sein müssen, um am höchsten Kirchengericht Recht zu sprechen. Ihnen ist die Befähigung zum Richteramt gewissermaßen ipso facto durch die Bischofsweihe mitgegeben.
"Fachfremde Berufung" als Ausnahme
Doch Müller war mit seiner "fachfremden Berufung" eher eine Ausnahme unter den Deutschen und Deutschsprachigen, die am Vatikan mit rechtlichen Aufgaben betraut sind. Denn sie sind gerade mit Kirchenjuristen im Vatikan weiterhin stark vertreten – während ihre Präsenz in anderen vatikanischen Spitzenämtern seit Jahren rückläufig ist.
Zu den deutschsprachigen Kirchenrechts-Spezialisten im Vatikan zählt auch Hans-Peter Fischer. Der aus dem Erzbistum Freiburg stammende frühere Rektor des Campo Santo Teutonico ist am zweithöchsten Vatikangericht, der Rota Romana, seit 2017 Mitglied des Richterkollegiums. An der "Rota" arbeitet auch Konrad Maria Ackermann, Priester des Bistums Regensburg. Er ist "Promotor iustitiae" und damit eine Art Staatsanwalt.
Die an Gerichten des Heiligen Stuhls arbeitenden Kirchenjuristen haben ihren Dienstsitz nicht im Vatikan, sondern im "Palazzo della Cancelleria" im römischen Stadtzentrum. Dort sind die päpstlichen Organe der Rechtspflege konzentriert.
Der Kirchenrechtler Markus Graulich.
Etwas näher am Vatikan sitzt ein weiterer wichtiger deutscher Kirchenrechtsexperte: der aus dem Bistum Limburg kommende Salesianerpater und habilitierte Kirchenrechtler Markus Graulich. Er ist Untersekretär im Dikasterium für die Gesetzestexte mit Sitz in einem Gebäude unmittelbar neben dem Petersplatz. Diese Behörde spricht zwar nicht unmittelbar Recht, doch ist für den Vatikan ihre Expertise bei der korrekten Auslegung des Kirchenrechts wichtig.
Gleich gegenüber, über dem vatikanischen Pressesaal, hat eine andere Vatikanbehörde ihren Sitz, in der Deutsche traditionell ebenfalls gut vertreten sind: das Dikasterium für Bildung und Kultur. Dort arbeitet auch eine der wenigen deutschen Frauen am Vatikan: Melanie Rosenbaum. Im Januar berief Papst Leo XIV. sie in das Gremium, das die Qualität der kirchlichen Universitäten und Fakultäten in aller Welt evaluiert. Weltweit gibt es nach Vatikanangaben etwa 1.500 katholische Hochschulen.
In derselben Behörde, aber in einem höheren Rang angesiedelt, arbeitet seit 2024 auch der Passauer Priester Wolfgang Ambros. Er ist Untersekretär. Und da es bei kirchlichen Bildungseinrichtungen – etwa bei absehbaren Zusammenlegungen – oft auch um Rechtsfragen geht, fügt es sich, dass auch Ambros ein ausgewiesener Kirchenrechtler ist. Vor der Berufung an die neue Stelle war er an der Apostolischen Signatur tätig. Zudem hat er einen Lehrauftrag an der Fakultät für Kanonisches Recht der Universität Gregoriana, wo er sich unter anderem mit kirchlichem Verwaltungs- und Prozessrecht befasst.
Die Gregoriana als Talentschuppen
An dieser wichtigsten päpstlichen Universität in Rom, von der aus immer wieder mal jemand den "Sprung" in ein vatikanisches Amt schafft, ist Ambros bei weitem nicht der einzige Deutsche. Zu den bekanntesten Landsleuten dort zählt der Dekan der Theologischen Fakultät, der aus Stuttgart stammende Jesuit Philipp Renczes. An der Gregoriana war er von 2011 bis 2017 Direktor des Kardinal Bea Zentrums, das sich vor allem dem jüdisch-christlichen Dialog widmet.
Vom Kardinal-Bea-Zentrum der Gregoriana in den Vatikan berufen wurde unlängst der deutsche Geistliche und Theologe Rafael Starnitzky. Er folgt in der Kommission für die Beziehungen zum Judentum als Sekretär auf den langjährigen Amtsinhaber, Pater Norbert Hofmann. Dieser kehrte vor wenigen Monaten als Seelsorger in seine fränkische Heimat zurück.
Ebenfalls zur Gregoriana-Universität gehört das international als Kinderschutzzentrum bekannte Institut für Anthropologie, das sich unter dem englischen Namen "Interdisciplinary Studies on Human Dignity and Care (IADC)" vor allem dem Schutz von Minderjährigen in der katholischen Kirche verschrieben hat.
Der Jesuitenpater Hans Zollner ist über Kirchenkreise hinaus bekannt geworden.
Hier geht es allerdings nicht um die strafrechtliche Seite dieser Verbrechen, sondern vor allem um ihre Prävention. Gründer und international bekannter Leiter ist der aus Regensburg stammende Jesuit Hans Zollner. Er wird unterstützt vom früheren Münchner Generalvikar Peter Beer. Unter den wenigen weiblichen Lehrenden dort findet sich ebenfalls eine Deutsche: die promovierte Psychologin und außerordentliche Professorin Katharina Anna Fuchs.
In einer ganz anderen Fachrichtung, die seit dem frühen 19. Jahrhundert ebenfalls als "typisch deutsch" gilt, hat der Kölner Bistumspriester, Archäologe und Historiker Stefan Heid ein wichtiges Amt inne: Seit 2020 ist er Rektor des renommierten Päpstlichen Instituts für Christliche Archäologie. Es organisiert weltweit Grabungen zur Frühgeschichte des Christentums, erforscht Katakomben und frühchristliche Kirchen und analysiert Inschriften, Mosaike und Fresken.
Während die Anwesenheit vieler Deutscher im und um den Vatikan von biografischen Zufällen und – im Fall der deutschen Kirchenrechtler und Archäologen – wohl auch einem besonderen Ruf der Deutschen in diesen Fachrichtungen zu verdanken ist, gibt es im Vatikan einige Stellen, die stets mit Deutschen oder Deutschsprachigen besetzt werden: Das sind die Mitarbeiter der deutschsprachigen Abteilung im vatikanischen Staatssekretariat.
Vier Priester für Deutschland
Derzeit kümmern sich vier Priester um die Beziehungen zur Kirche in Deutschland und den angrenzenden deutschsprachigen Ländern. Sie wurden für einige Jahre von ihrem jeweiligen Bischof für die Aufgabe freigestellt. Derzeit sind dies aus Deutschland die Monsignori Johannes Palus aus dem Erzbistum München und Freising und als "Nordlicht" der in Bremen aufgewachsene Marco Schrage. Aus Österreich (Diözese Graz-Seckau) kommt Paul Joseph Markowitsch hinzu, aus der Schweiz (Bistum Chur) der in Deutschland geborene Francesco Riegger.
Den Rang eines Untersekretärs im Staatssekretariat hat der zum Bistum Fulda gehörende deutsche Vatikandiplomat Daniel Pacho. Er arbeitet in der zweiten Sektion des Staatssekretariats, das für die Beziehungen des Heiligen Stuhls zu den Staaten zuständig und insofern mit einem Außenministerium vergleichbar ist. Deutsche Diplomaten, die im Dienst des Heiligen Stuhls im Ausland tätig sind, gibt es traditionell eher wenige.
In diesem Sektor dominieren die Italiener, gefolgt von Spaniern und Polen. Einer der wenigen deutschen Nuntien im Ausland ist der aus Essen stammende Martin Krebs. Er vertritt den Heiligen Stuhl in der Schweiz, in Liechtenstein und in Monaco. Der bekannteste Vatikandiplomat im Ausland ist ein prominenter Quereinsteiger: der einstige Papstsekretär Georg Gänswein. Er ist seit Juni 2024 Botschafter des Heiligen Stuhls in den Baltischen Republiken Litauen, Lettland und Estland. Und auch er ist promovierter Kirchenrechtler.