Villalibado wird Stützpunkt der US-Weltraumbehörde

NASA beobachtet Sonnenfinsternis aus spanischer Kirche

Bild einer totalen Sonnenfinsternis in der Antarktis
Bild: IMAGO / Xinhua

Die totale Sonnenfinsternis, die am Mittwochabend über Spanien zu sehen sein wird, hat einen nie dagewesenen Hype ausgelöst: Zahlreiche Besucher aus dem Ausland sind an verschiedenste Stellen gereist, Hotels vielerorts ausgebucht. Fernsehsendungen blenden einen Countdown der verbleibenden Zeit bis zu dem Naturspektakel ein, wenn sich der Mond knapp zwei Minuten komplett zwischen Erde und Sonne schiebt.

Eine wichtige Nebenrolle spielt kurioserweise eine kleine romanische Kirche in einem Dorf Kastiliens. In dem Weiler namens Villalibado richten die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA und das interaktive Wissenschaftsmuseum Exploratorium aus San Francisco ihr Operationszentrum ein – um das Ereignis zu studieren und weltweit im Livestream zu übertragen.

Dazu ist ein Team aus 30 Wissenschaftlern und Technikern angerückt, die Kirche aus dem 12. Jahrhundert in ein Hightech-Zentrum verwandelt worden. Das Gotteshaus, das Christus dem Erlöser geweiht ist, liegt auf einer Anhöhe und ist seit alters her eng mit dem Glanz des Lichtes verbunden: Ihr wichtigster Termin im Jahreskalender war stets der Tag der Verklärung des Herrn am 6. August.

Vom Geisterort zum Event-Dorf

Villalibado ist eines von mehreren tausend verlassenen Dörfern in Spanien. Es liegt in den Weiten Kastiliens, etwa 50 Kilometer nordwestlich der Provinzhauptstadt Burgos, die seit dem Mittelalter vom Pilgerboom profitiert – denn mitten hindurch verläuft die Hauptroute des Jakobswegs. Dagegen blieb die Gegend um Villalibado stets strukturschwach, geprägt von den mageren Erträgen der Landwirtschaft.

Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts war die Hälfte der 40 Häuser verlassen. Ende der 1990er Jahre kehrten die letzten beiden Bewohner ihrem Heimatdorf den Rücken. Doch Villalibado teilte auf Dauer nicht das Schicksal anderer Orte, die weiter verfielen und wo Mauern und Kirchenruinen unter Gestrüpp und Unkraut verschwanden.

Sonnenfinsternis in Villalibado live verfolgen

Die Sonnenfinsternis aus Villalibado wird am Mittwochabend ab 19.30 Uhr lie verübertragen auf www.exploratorium.edu/eclipse/livestream oder auf dem YouTube-Kanal des Exploratoriums. Für spontane Privatbesucher ist das Dorf Villalibado während der Zeit gesperrt.

Zum Livestream

Mit Weitblick, handwerklichem Geschick, viel Investment und seiner Familie verwandelte der spanische Installationskünstler Juan Ansótegui die verwaiste Ortschaft in eine Anlage für ländlichen Tourismus: ein Event-Dorf für Trauungen und andere Privatfeiern. Und genau darauf stieß eine US-amerikanische Wissenschaftskommission auf der langen Suche nach einem idealen Platz für die Erforschung und Übertragung des Naturschauspiels.

Den Ausschlag gaben die strategisch günstige Lage in der sogenannten Totalitätszone mit dem Kernschatten des Mondes sowie das klare Licht auf knapp 900 Metern Höhe. Das anstehende Event der Sonnenfinsternis dürfte alle Hochzeiten und Feste, die je dort gefeiert wurden, in den Schatten stellen. Dann werden Millionen zu Gast in Villalibado sein – zumindest digital.

"Ich dachte, es sei ein Betrug"

"Wir rufen Sie von der NASA an und möchten das ganze Dorf, einschließlich der romanischen Kirche, mieten, um die Sonnenfinsternis am 12. August live zu übertragen", skizziert die lokale Zeitung "Diario de Burgos" die erste Kontaktaufnahme zu Juan Ansótegui. Und der reagierte so ungläubig, wie es jeder getan hätte: "Ich dachte, es sei ein Betrug."

Große Ansprüche haben seine neuen Gäste im Gegensatz zu anderen Kunden seines Event-Dorfes nicht. "Sie haben lediglich einen speziellen Strom- und Netzanschluss verlangt, aber da wir im Dorf bereits Glasfaser haben, gab es keinerlei Probleme", so Ansótegui gegenüber der Lokalzeitung.

Stillschweigen herrscht darüber, welcher Preis letztlich für die Miete eines Dorfes samt Gotteshaus vereinbart wurde. Fest steht, dass Villalibado und die Erlöser-Kirche einen Wimpernschlag der Weltgeschichte abbekommen werden. Das dürfte in Zukunft beste Werbung für ein einstiges Geisterdorf sein.

Andreas Drouve (KNA)