Staatsmedien in Nicaragua haben ein Interview mit dem bisher als verschollen gegoltenen emeritierten Bischof von Estelí, Juan Abelardo Mata (80), ausgestrahlt. Wie das Portal "Despacho505" berichtet, wurde das Gespräch von dem Abgeordneten Adolfo Pastrán geführt. Er ist Mitglied der sandinistischen Regierungspartei von Machthaber Daniel Ortega und Co-Präsidentin Rosario Murillo. In dem Interview drängt Pastrán den Bischof zu einer Bestätigung, dass er gut behandelt werde und Besuch empfangen dürfe. Mata erklärte, er erhalte gelegentlich Besuch von Verwandten, bevorzuge aber die Stille.
Das am Mittwoch (Ortszeit) veröffentlichte Interview wurde in der Wohnung von Mata aufgenommen. Ein genaues Datum des Gespräches wurde nicht genannt. Die Ausstrahlung ist der erste öffentliche Auftritt nach Meldungen über zwischenzeitliche Verhaftungen und Ermittlungen gegen Mata. Nur einen Tag zuvor hatte sich die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) in den Fall eingeschaltet. Die innerhalb der Organisation Amerikanischer Staaten angesiedelte CIDH forderte "vorläufige Maßnahmen zum Schutz des Geistlichen und von vier Personen aus seinem engsten Umfeld".
Am 29. Juni festgenommen
Mata war nach CIDH-Informationen am 29. Juni zusammen mit den Priestern Rigoberto Delgadillo Sánchez und Francisco Morales sowie dem Diakon Wilfredo Arauz Rodríguez festgenommen worden. Nach zwischenzeitlicher Freilassung soll Mata nun unter Hausarrest stehen. Nach CIDH-Informationen teilte das Innenministerium am 4. Juli mit, dass gegen den Bischof "ermittelt" werde.
Der Festnahme vorausgegangen war ein Gottesdienst, in dem der Bischof um Gebete für eine vom Staat verfolgte katholische Kirche bat. Weil es seitdem keine Nachricht von Bischof Mata gab, wuchs die Sorge unter den Kirchenmitgliedern seiner Diözese. In einer offiziellen Mitteilung des Innenministeriums hieß es, dass seine "Vermögensverhältnisse und familiären Bindungen mit dem Priesteramt unvereinbar" seien.
Die linksgerichtete Regierung in Managua geht seit Jahren gegen kirchliche Vertreter und Institutionen vor. Zudem wurde tausenden Nichtregierungsorganisationen die rechtliche Grundlage entzogen. Die schwere Krise in Nicaragua begann 2018, als Studenten zunächst gegen eine mutmaßlich von der Regierung geduldete oder gar initiierte Brandrodung in einem Naturschutzgebiet auf die Straßen gingen. Schnell weiteten sich die Demonstrationen zu landesweiten Protesten aus. Das Regime von Machthaber Daniel Ortega schlug die Demonstrationen mit Gewalt nieder. Pfarrer und Bischöfe öffneten ihre Kirchen, damit die Demonstrierenden Schutz vor den Polizeikugeln finden konnten. (KNA)