In 17 Monaten Bauzeit

55 Meter Höhe - größte Marienstatue Europas in Polen eingeweiht

Die größte Marienfigur Europas in Polen
Bild: IMAGO / Forum

Eine inklusive Sockel 55,6 Meter hohe "Figur der barmherzigen Gottesmutter" ist nun offiziell Europas größte Marienstatue. Der Bischof der Diözese Wloclawek, Krzysztof Wetkowski, weihte die riesige Skulptur am Samstag, dem Feiertag Mariä Himmelfahrt, vor Tausenden Menschen ein. Das vollständig weiße Bauwerk steht zwischen Feldern im zentralpolnischen Dorf Konotopie, das knapp 140 Einwohner zählt. An der Feier nahm auch Lech Walesa teil, Friedensnobelpreisträger von 1983 und von 1990 bis 1995 polnischer Präsident.

Schon allein die Marienfigur misst 40,6 Meter und überragt damit die bisherige Spitzenreiterin in Europa, die 1941 eingeweihte Madonna von Miribel in Frankreich, um mehr als zehn Meter. Gebaut wurde die überhaupt größte Statue Polens aus 2.500 Kubikmetern Beton das sind 2,5 Millionen Liter. Dem polnischen Magazin "Polityka" zufolge handelt es sich um die teuerste Betonart der Welt mit einer garantierten Haltbarkeit von 300 Jahren.

Fertigstellung in 17 Monaten

Die Bauarbeiten dauerten nicht allzu lang. Nach 17 Monaten war das 60.000 Tonnen schwere Monument fertig. Der 15 Meter hohe Sockel hat die Form einer Krone, in Anlehnung daran, dass Maria als Königin des Himmels und Polens verehrt wird. Besucher können kostenlos auf den 15 Meter hohen Sockel gehen oder den Lift hinauf nehmen.

Die Statue gehört nicht der katholischen Kirche, sondern dem Multimillionär Roman Karkosik (75) und seiner Frau Grazyna. Wie viel sie gekostet hat, halten sie geheim. Polnische Medien schätzen, dass die Karkosiks mehr als 20 Millionen Euro aus ihrem Privatvermögen in das Projekt steckten. Der medienscheue Geschäftsmann habe aus Dankbarkeit für die Genesung von einer schweren Krankheit beschlossen, die Marienstatue zu errichten, sagte der Bildhauer Adam Jakub Matejkowski, der die Figur entwarf, in Interviews. Denn als die Lage zuvor ernst gewesen sei, habe sich Karkosik "im Gebet an die Muttergottes gewandt" und Gnade empfangen.

Geschenk für alle oder kleines Monster?

Als "Geschenk für alle" sieht Matejkowski die Skulptur. "Sie, die Königin von Polen, hat ihre Krone abgelegt, damit wir ihr näher sein können", erklärte der 73-Jährige der Kirchenzeitschrift "Niedziela". "Die Muttergottes hier hat slawische Züge, sie ist bescheiden, mütterlich und voller Fürsorge. Sie lächelt sanft, was Wärme ausdrückt."

In Polens katholischer Kirche gehen die Meinungen über die Riesenstatue weit auseinander. Der Dominikanerpater Pawel Guzynski nannte die Statue ein "kleines Monster". "Dieser King Kong mitten auf dem Feld ist eine Form des goldenen Kalbs", sagte der Ordensmann dem Privatsender Radio Zet mit Verweis auf das Alte Testament. "Natürlich ließe sich eine Ideologie darum stricken, doch je schneller wir Konotopie vergessen, desto besser."

Der Ordinariatskanzler des Erzbistums Gnesen (Gniezno), Zbigniew Przybylski, bescheinigte dem Stifter Karkosik hingegen "persönliche Frömmigkeit". Tatsächlich hatte der Unternehmer bereits vor 15 Jahren eine Kapelle für ein Sanktuarium der Muttergottes finanziert. Sie steht nur ein paar Hundert Meter von der Statue entfernt. Polnische Zeitungen wie die "Gazeta Pomorska" rechnen derweil damit, dass die gigantische Marienfigur "eines der bekanntesten religiösen Symbole Polens werden wird". (KNA)