Kölner Erzbischof wird am Dienstag 70

Woelki: Gebete der Menschen haben mir durch Untiefen geholfen

Kardinal Rainer Maria Woelki mit Mitra und Hirtenstab bei einem Gottesdienst
Bild: KNA/Julia Steinbrecht

Im Rückblick auf die Herausforderungen in den vergangenen Jahren sieht der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sich von Gott und den Gebeten vieler Menschen getragen. "Der Herr hat uns nicht verheißen, dass wir auf dem Weg der Nachfolge auf Rosen gebettet sind, sondern dass es ein Kreuzweg sein kann", sagte Woelki in einem Interview mit der "Tagespost" (Montag). Angesprochen auf die Diskussionen um Missbrauchsaufarbeitung, juristische Auseinandersetzungen und sein Rücktrittsangebot erklärte der Kölner Erzbischof: "In der Rückschau war es für mich durch alle Untiefen hindurch die Erfahrung, dass der Herr da ist, dass er trägt und seine Hände über mich gehalten hat, auch wenn ich es in einem einzelnen Moment vielleicht gerade nicht verstehen kann." Es habe ihn bewegt, "wie viele Menschen meinen Weg im Gebet begleitet haben", so Woelki. "Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass ich aufgrund des Gebets so vieler Menschen diesen Weg gehen konnte."

2020 hatte das Erzbistum Köln ein angekündigtes Aufarbeitungsgutachten aufgrund äußerungsrechtlicher Bedenken nicht veröffentlicht und später ein weiteres Gutachten der Öffentlichkeit vorgestellt. In der Folge entstand eine Vertrauenskrise in der Erzdiözese. Papst Franziskus (2013–2025) hatte daher eine Apostolische Visitation im Erzbistum angeordnet. Woelki ging im Anschluss in eine mehrmonatige Auszeit. Währenddessen bot er dem Papst seinen Amtsverzicht an. Franziskus beließ Woelki aber in seinem Amt.

Zur Frage nach einer möglichen Synodalkonferenz in Deutschland erklärte der Kardinal, dass es keinen deutschen Sonderweg geben werde. Dies habe auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, klargestellt. "Deswegen ist es gut, dass alles, was in Deutschland erarbeitet worden ist, dem Papst übergeben wurde", so Woelki. "Jetzt warten wir darauf, wo der Heilige Vater und seine Mitarbeiter die in meinen Augen notwendigen Korrekturen vornehmen." Grundsätzlich müsse Synodalität ein Werkzeug für Evangelisierung und Mission sein. "Wir waren in Deutschland vor allem davon bestimmt, gewisse Beteiligungsformate und Formen der Mitbestimmung umzusetzen", so Woelki. "Dabei haben wir übersehen, dass die Kirche hierarchisch strukturiert und sakramental ist. Es ist nicht unsere Kirche, sondern Seine Kirche."

Studium an KHKT Ausdruck von Wissenschaftsfreiheit

Zur Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) sagte Woelki, dass er in einer Gesellschaft, "in der Diversität selbstverständlich ist", auch einen Platz für die KHKT sehe. "Wenn ich gefragt werde, wozu es eine Hochschule braucht, die sich dem Lehramt der Kirche verpflichtet weiß, antworte ich, dass sowohl die Studierenden wie vor allem auch unsere Gläubigen ein Recht darauf haben, den Glauben der Kirche unverkürzt und unverfälscht und damit in seiner ganzen Schönheit kennenzulernen." Für die Studierenden sei dies mit Blick auf die spätere Arbeit in Verkündigung und Katechese von besonderer Bedeutung. "Zudem ist niemand gezwungen, dort zu studieren. An der KHKT zu studieren oder zu lehren, ist Ausdruck der Wissenschaftsfreiheit." Ob nach dem Rücktritt der bisherigen Hochschulleitung zum kommenden Wintersemester eine neue Leitung im Amt sei, liege nicht in seiner Macht.

Als Grund für seinen Wunsch, Priester zu werden, nannte Woelki im Interview überzeugende Priester in seiner Jugend. "Ich habe mir gesagt: So, wie die sind, möchtest du werden, und mich bereits im dritten Schuljahr mit der Frage auseinandergesetzt." Als Priester sei er heute immer dann in seinem Element, wenn er mit jungen Menschen zusammenkomme.

Woelki erklärte, er überlege, in seinem Erzbistum künftig ein "Zentrum für missionarisches Wachstum" ins Leben zu rufen. So könnten neue Gemeinden gegründet aber auch die "missionarische Erneuerung bestehender Pfarreien" unterstützt werden. "Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass wir weniger werden", betonte Woelki. "Der Daseinszweck der Kirche ist die Evangelisierung, die Mission. Wachstum gehört also zu unserer DNA!" (cbr)