Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Münsters Bischof Heiner Wilmer, hat den Rücktritt von Bischof Karl-Heinz Wiesemann mit Bedauern und Respekt zur Kenntnis genommen. In einem Brief am Mittwoch schreibt er, Wiesemanns Rücktritt sei für das Bistum Speyer ein großer Verlust. Gleichzeitig empfinde er Hochachtung vor einer solchen Entscheidung: "In Deinem Bistum hast Du schwierige Strukturprozesse begleitet und mit all jenen Herausforderungen gekämpft, die uns als Kirche in Deutschland prägen: zurückgehende Mitgliederzahlen, ein voranschreitender Säkularismus und immer wieder das Hinterfragen dessen, was Kirche tut", so der DBK-Vorsitzende.
Seit 2008 stand Wiesemann an der Spitze des Bistums Speyer. Sein Rücktritt kam überraschend. Er hatte den Papst aus gesundheitlichen Gründen um seine Entpflichtung vom Bischofsamt gebeten. Leo XIV. nahm das Rücktrittsgesuch des 66-Jährigen schließlich am Mittwoch an.
Mutige Entscheidung
Mit Verständnis hat der frühere DBK-Vorsitzende, Limburgs Bischof Georg Bätzing, auf den Amtsverzicht reagiert. In einer Stellungnahme würdigte er Wiesemann als "herausragenden Theologen, offenen Gesprächspartner und Brückenbauer in Kirche und Ökumene". Zwar bedauere er seinen Rücktritt, äußerte aber zugleich Verständnis für seine Entscheidung. "In Zeiten eines raschen Wandels der Gestalt von Kirche auf allen Ebenen und einem hohen Anpassungsdruck der Strukturen und Ressourcen braucht es erhebliche persönliche Spannkraft und eine solide gesundheitliche Konstitution, um alle Prozesse innerhalb eines Bistums gut begleiten zu können", so Bätzing.
Auch der Trierer Bischof Stephan Ackermann bedauert Wiesemanns Rücktritt aus dem Nachbarbistum Speyer. Seine Entscheidung zeuge für ihn von Mut, so Ackermann laut einer Mitteilung. "Bischof Wiesemann hat sich die Entscheidung sicher nicht leicht gemacht. Aus persönlichen Gesprächen wusste ich, dass er sich mit der Frage trug, wie lange er die Herausforderungen und Belastungen des Amtes als Diözesanbischof noch schultern kann."
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx würdigte die Verdienste des nun ehemaligen Speyrer Bischofs: "Er wollte eine Kirche, die an der Seite der Menschen steht und für sie in jeder Lebenssituation da ist. Umso schwerer hat ihn der Skandal des sexuellen Missbrauchs in der Kirche erschüttert", so Marx. Und: "Seine hohe theologische Kompetenz werde ich in der Bischofskonferenz sehr vermissen." Zudem habe sich Wiesemann mit großem Einsatz in den Synodalen Weg eingebracht und sich um einen nie abreißenden Dialog bemüht, so der Kardinal.
Umsichtiger Theologe
Den Würzburger Bischof Franz Jung hat der Amtsverzicht Wiesemanns nicht überrascht. "Seit seiner gesundheitsbedingten Auszeit erzählte er öfters davon, wie sehr ihn die Bürde des Amtes drücke. Beim Katholikentag in Würzburg sprach er zuletzt vor einem großen Publikum offen über die Depressionen, mit denen er zu kämpfen hatte. In seiner persönlichen und aufrichtigen Art hat er damit viele Menschen berührt, aber auch selbst noch einmal deutlich gemacht, wie sehr ihn das belastet", so Jung. Wiesemann schätze er als nachdenklichen Menschen und umsichtigen Theologen.
Seit 2008 stand Wiesemann an der Spitze des Bistums Speyer. Sein Rücktritt kam überraschend.
Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf dankt Wiesemann in einer entsprechenden Stellungnahme für das gute Miteinander. Er habe ihn als "feinen, sensiblen und theologisch gebildeten Mitbruder" schätzen gelernt. "Ich werde ihn in der Konferenz vermissen", so Kohlgraf.
Für den Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz sei Wiesemann immer ein fundiert theologischer Gesprächspartner gewesen, der den Herausforderungen der Kirche nie ausgewichen sei. "In der Bischofskonferenz und in unseren persönlichen Gesprächen habe ich Bischof Karl-Heinz als einen aufmerksamen und sensiblen Gesprächspartner erlebt", erklärte Bentz laut Mitteilung. Paderborn und Speyer würden beide Bischöfe auf besondere Weise verbinden, denn Wiesemann stamme aus dem Erzbistum Paderborn und sei seiner Heimat über die Jahre verbunden geblieben. Der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl, der als Metropolit der Kirchenprovinz Bamberg vorsteht, zu der auch die Bistümer Eichstätt, Speyer und Würzburg gehören, reagierte mit Bedauern auf Wiesemanns Amtsverzicht. Er danke ihm "herzlich für die vielen Jahre der guten und kollegialen Zusammenarbeit".
Neben den deutschen Bischöfen, äußerte auch die rheinland-pfälzische Landesregierung ihr Bedauern über Wiesemanns Rücktritt. Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) und die für Religionsgemeinschaften zuständige Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) erklärten, man habe großen Respekt vor der Entscheidung und dafür, dass offen über die Grunde gesprochen wurde. Für die Landesregierung sei Wiesemann ein verlässlicher Partner gewesen, erklärte der Ministerpräsident. "Durch seine große Freundlichkeit und durch sein offenes Eintreten für die Ökumene hat Bischof Wiesemann viel zum guten Miteinander in unserem Land beigetragen." (mtr)