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Die Bedrohungslage wandelt sich – und die Kirchen?

Die Bedrohungslage wandelt sich – und die Kirchen?
Bild: picture alliance/CHROMORANGE/Michael Bihlmayer

Etwa zwei Wochen ist es her, als eine Drohne am Flughafen Leipzig/Halle mit Sprengstoff nahe eines Flugzeugs entdeckt wurde. Seitdem versuchen Kriminalisten zu klären, was passiert ist und wer als Täter des misslungenen Angriffs in Frage kommt. Die Bundesanwaltschaft ermittelt und stuft den Vorfall als "schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland" ein. Auch wenn nicht bestätigt ist, wer als "fremde Mächte" konkret benannt werden kann, führt der Vorfall vor Augen, dass Deutschland im Blick jener ist, die Konflikte mit Waffen lösen. Und wie sich die Welt mit Blick auf militärische Bedrohungen verändert hat.

Mit dem Vorfall ist auch der Beweis erbracht, dass das Land weitere Ressourcen in die Fragen der eigenen Sicherheits- und Resilienzstruktur stecken muss. Davon sind auch die Kirchen betroffen. Ein wichtiger Schritt war dazu sicher das "Ökumenische Rahmenkonzept Seelsorge und Akutintervention im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall", das EKD und DBK als Arbeitspapier zuletzt verfassten, um eine Ergänzung der Seelsorge auf den Operationsplan Deutschland zu geben. Dort buchstabieren die Kirchen durch, welche Konsequenzen es für sie hätte, wenn Deutschland im Falle eines Angriffs auf einen oder mehrere NATO-Mitgliedsstaaten zu einer logistischen Drehscheibe würden. Es geht um die Handlungsfähigkeit der Kirchen im Krisenfall.

Noch sind es mehr Fragen als Antworten, die das Papier leiten. Vor allem ist es aber – geduldiges – Papier. Noch drängt sich nicht der Eindruck auf, dass die Kirchen konkrete Maßnahmen ergreifen, um angesichts der veränderten Lage ihre Strukturen anzupassen und Positionen zu überdenken. Dahinter steht die Frage, ob und wie weit die Kirchen sich stärker in eine Struktur der Resilienz angesichts einer veränderten Bedrohungslage einbinden lassen. Und wo ihre Grenzen sind. Das betrifft die Militärseelsorge ebenso wie Bistümer und Verbände bis hin zu Maltesern und Caritas. Der Weg des Umsteuerns, allein im Kopf, ist weit. Dass die Zeit drängt, weil die Bedrohungslage sich verändert hat, dürfte der Vorfall in Leipzig gezeigt haben.

Thomas Arnold

Der Autor

Dr. Thomas Arnold baut im Leitungsstab des Sächsischen Staatsministeriums des Innern den Bereich strategische Planung, Organisationsentwicklung und Controlling auf. Zuvor leitete er von 2016 bis 2024 die Katholische Akademie des Bistums Dresden-Meißen.

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