Angesichts von immer mehr "semi-ausgebildeten" Religionspädagogen in Österreich soll ein neues Schulbuch laut Armin Haiderer Orientierung bieten. Der Religionslehrer und Mitautor des für das Schuljahr 2028/29 geplanten Werkes erklärte gegenüber österreichischen Medien, diese Lehrkräfte brauchten ein "theologisch verlässliches, strukturiertes und modernes Buch, mit dem sie praktisch und ohne extrem langen Vorbereitungsaufwand in der Klasse arbeiten können".
Bei vielen tiefgründigen Glaubensthemen könne man heute kein theologisches Vorwissen mehr voraussetzen, sagte Haiderer. Man müsse sowohl die Pädagogen als auch die Schüler dort abholen, wo sie in ihrer Lebensrealität stehen. So solle das Buch komplexe religiöse, ethische und gesellschaftspolitische Fragestellungen für junge Menschen im Alter von 14 bis 19 Jahren verständlich, lebensnah und praxisorientiert aufbereiten.
Es solle ein "sachlich absolut verlässliches, katholisches Lehrbuch" werden, das den Ansprüchen einer pluralen Gesellschaft gerecht werde. Geplant ist eine zeitgemäße Verknüpfung von Lehrbuch mit digitalen Zusatzangeboten wie passgenauen Podcasts und interaktiven QR-Codes für den Unterricht.
Kontext statt Triggerwarnung
Wenn es darum geht, jungen Menschen Religion näherzubringen, sind Authentizität und Geradlinigkeit nach Meinung von Haiderer essenziell. "Jugendliche merken sehr schnell, ob man dahintersteht", so der Theologe, der seit 19 Jahren Religion unterrichtet. Gerade bei Religion hätten junge Menschen kein Problem mit anderen Meinungen. "Man darf den ehrlichen und wertschätzenden Disput nicht grundsätzlich fürchten."
Religionsunterricht ohne Bibel ist für Haiderer nicht denkbar: "Die Bibel ist nicht umsonst das bedeutendste Buch der Menschheitsgeschichte." Allerdings sei sie nicht ganz ungefährlich, weil man einzelne Stellen schnell aus dem Kontext reißen könne. "Sehr wichtig ist es, Umfeld und Bedeutung der Texte zu vermitteln, dann sparen wir uns Triggerwarnungen und begeben uns nicht in Gefahr, manche Texte zu wortwörtlich zu nehmen."
Andere Glaubensgemeinschaften und Atheismus würden ebenfalls thematisiert: "Informativ, wertschätzend, aber freilich immer auf Basis unserer eigenen Religion", so Haiderer. Dieses Dialogische müsse es unbedingt weiter geben. Innerkatholische Strömungen würden den Jugendlichen hingegen kaum etwas sagen und seien eher Insiderthemen. "Aktuelle gesellschaftspolitische Strömungen und Diskussionen hingegen sind sehr oft Thema." Diese müssten weiter Platz haben und kritisch hinterfragt werden. (KNA)