Kirchenvertreter hätten zu wenig Ahnung

Kritik an US-Priesterstudie: "Schwulsein ist mehr als Sex"

Eine Regenbogenfahne neben der Kathedrale von New York.
Bild: Canva, Montage: katholisch.de

Der Direktor der katholischen US-LGBTIQ+-Organisation "New Ways Ministry", Francis DeBernardo, hat ein Thesenpapier der Universität Notre-Dame in Indiana kritisiert, in dem es auch um den Zugang von queeren Menschen zur Weihe geht. "Schwulsein ist so viel mehr als Sex. Zudem zeigt der Bericht, wie wenig Kenntnis Kirchenvertreter vom Leben schwuler Priester und Seminaristen haben", so DeBernardo in einem Gastbeitrag für den "National Catholic Reporter" am Mittwoch. "Bedauerlicherweise verhindert das dadurch und durch vorhergehende Dokumente entstandene Klima der Angst, dass Forscher Daten über das wahre Leben schwuler Priester erheben."

Die Studie "Do you know them to be worthy?" (Wissen Sie, dass sie es wert sind?) ist eine Umfrage unter Verantwortlichen der Priesterausbildung und stellt Vorschläge in den Raum. Sie entstand im Nachgang zahlreicher Missbrauchsfälle und folgt auf eine Umfrage unter Seminaristen und Diözesen. In Abschnitt drei unter der Überschrift "Vorschläge zur Unterstützung der Keuschheut und der Ausbildung zum Zölibat" werden Bischöfe unter Punkt elf dazu aufgerufen, "notwendige Gespräche" zur Zulassung von homosexuellen Kandidaten zu Weiheämtern zu führen. Lediglich ein Viertel aller befragten Bischöfe (22 Prozent) würde einen Mann mit "tiefsitzender gleichgeschlechtlicher Neigung" weihen, dagegen würden nur 17 Prozent aller Verantwortlichen für psychische Gesundheit, 16 Prozent der Seminarrektoren und 12 Prozent der Ausbilder diesen Männern empfehlen, ihren Weg zur Weihe fortzusetzen.

"Schwierig" und "komplex"

Im Text wird Homosexualität als "schwieriges" und "komplexes" Thema beschrieben. "Auch wenn wir die Legitimität des priesterlichen Dienstes von Geistlichen mit gleichgeschlechtlicher Neigung nicht infrage stellen, verweisen wir auf die Klarheit des vatikanischen Dokuments aus dem Jahr 2005." Damals hatte der Vatikan festgehalten, dass solche Männer, "die Homosexualität praktizieren, tiefsitzende homosexuelle Tendenzen haben oder eine sogenannte homosexuelle Kultur unterstützen", nicht zur Priesterweihe zugelassen werden. Zur Begründung heißt es unter anderem, diese Männer befänden sich "in einer Situation, die in schwerwiegender Weise daran hindert, korrekte Beziehungen zu Männern und Frauen aufzubauen." Diese Ausführungen wurden 2016 in neue Leitlinien wörtlich übernommen. Im folgenden Punkt zwölf geht es dann um eine Unterscheidung zwischen "vorübergehender" und "tief verwurzelter gleichgeschlechtlicher Neigung".

"Diese beiden Vorschläge säen Misstrauen gegenüber schwulen Priestern, das lediglich Ängste schüren, echte Berufungen entmutigen und großes persönliches Leid verursachen wird. Die Kirche wird so vieler gesunder und heiliger Priester beraubt", schreibt DeBernardo dazu. Er bemängelt, dass Homosexuelle lediglich unter sexuellem Aspekt betrachtet würden und ihnen unterstellt würde, ihr sexueller Drang sei ihre größte Herausforderung.

"Diese Darstellung suggeriert, dass heterosexuelle Männer – ausnahmslos alle – irgendwie dazu in der Lage seien, ihre Sexualität auf gesunde Weise zu integrieren, während dies bei ihren schwulen Pendants nicht der Fall sei", so DeBernardo. Ein Blick auf die Realität genüge dabei schon, "um zu erkennen, dass dies nicht der Wahrheit entspricht". Er wisse aus Jahrzehnten seiner Arbeit mit homosexuellen Priestern, dass nicht der Zölibat deren größte Herausforderung sei, "sondern die Unmöglichkeit, offen ihren Bischöfen, Vorgesetzten und Gemeinen gegenüber zu sein, was ihre Identität betrifft." Dies sorge für Einsamkeit, Isolation und mangelnde Authentizität. Dies könne auch zu psychischen Traumata führen. Ein solches Klima werde von dem vorliegenden Papier gefördert. (cph)