Mit rund 14.000 Mitgliedern weltweit gehören die Salesianer Don Boscos zu den größten Männerorden der Kirche. In Österreich leben 44 Ordensmitglieder – und die haben seit Kurzem einen neuen Provinzial: Pater Peter Rinderer. Der 39-Jährige ist nach Ordensangaben der weltweit jüngste Salesianer-Provinzial. Ob sein Alter ein Vor- oder ein Nachteil ist und warum er 550-Kilometer zur Amtseinführung geradelt ist, erklärt er im katholisch.de-Interview.
Frage: Pater Rinderer, Sie sind rund 550 Kilometer mit dem Fahrrad zu Ihrer Amtseinführung gefahren. Warum?
Rinderer: Weil ich einfach gerne Rad fahre. Ich habe schon häufiger mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen größere Radtouren gemacht. Zuletzt sind wir im vergangenen Sommer mit dem Rad zum großen Jugendtreffen während des Heiligen Jahres nach Rom gefahren. Das ist also nichts Neues für mich.
Frage: Wie kamen Sie denn auf die Idee dazu?
Rinderer: Die kam relativ spontan. Ich dachte mir, ich mache das für mich, weil mir das sicher guttut, von meinem alten Wohnort in Fulpmes quer durch Österreich zu meinem neuen in Wien zu fahren. Und so konnte ich das mit einer Spendenaktion für ein Projekt der Salesianer Don Boscos in Uganda verbinden. Das war sehr passend.
Die Idee zu seiner rund 550-Kilometer-Radtour von Fulpmes nach Wien kam Pater Peter Rinderer spontan. Auf dem Weg übernachtete er bei verschiedenen Ordensgemeinschaften.
Frage: Sie waren mehrere Tage unterwegs. Gab es da besonders eindrückliche Momente für Sie?
Rinderer: Zum einen ist das die wunderbare Vielfalt der Natur, die man ja eigentlich immer vor der Haustür hat, aber selten so wahrnimmt. Zum anderen die Gastfreundschaft. Ich habe bei drei verschiedenen Ordensgemeinschaften angefragt, ob ich dort für eine Nacht bleiben kann – und das war überhaupt kein Problem. Diese Gastfreundschaft war etwas Wunderbares. Zwischendurch gab es allerdings einen Schreck-Moment.
Frage: Was ist passiert?
Rinderer: Nach dem zweiten Tag tat mein Knie wegen der Überlastung weh. Ich habe schlecht geschlafen und habe das beim Frühstück mit der Schwesterngemeinschaft ganz beiläufig erwähnt – und keine drei Minuten später wurde ich mit Salbe und Bandage versorgt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es ganz allein nicht geht. Mit dieser Unterstützung bin ich dann gut angekommen.
Frage: Was geht einem durch den Kopf, wenn man mehrere Tage alleine auf dem Fahrrad unterwegs ist?
Rinderer: Für mich war das ein Rückblick auf sieben wundervolle Jahre, die ich in einer Jugendeinrichtung in Tirol verbracht habe. Da ist viel passiert und man nimmt Abschied von vielen Menschen. Aber auch der Vorausblick auf die neue Aufgabe als Provinzial hat mich am Fahrrad beschäftigt. Ich weiß noch nicht bis ins letzte Detail, was alles auf mich zukommen wird, aber ich konnte mir ein oder zwei Schwerpunkte überlegen, die ich setzen will. Und ich habe auch einfach gebetet. Einige Menschen haben mir ihre Gebetsanliegen geschickt, die ich aufs Fahrrad mitgenommen habe.
Ich möchte die Menschen stärken und eine Botschaft der Hoffnung vermitteln und leben.
— Provinzial Pater Peter Rinderer
Frage: Mit 39 Jahren sind Sie der weltweit jüngste Salesianer-Provinzial. Ist Ihr Alter aus Ihrer Sicht eher ein Vor- oder ein Nachteil?
Rinderer: Als unser Generaloberer, Don Fabio Attard, mich ernannt hat, war das für mich eine Überraschung. Ich habe ja noch wenig Erfahrung und das ist schon ein Nachteil. Aber auf der anderen Seite habe ich von verschiedenen Seiten gespiegelt bekommen, dass viele mir dieses Amt zutrauen. Bei der Amtseinführung sagte jemand zu mir: "Peter, bring deine Stärken ein und vertrau auf Gott. Das genügt." Und so möchte ich meinen Dienst angehen und mein Bestes geben.
Frage: Welche Ziele haben Sie für die kommenden sechs Jahre als Provinzial?
Rinderer: Ich möchte die Menschen stärken und eine Botschaft der Hoffnung vermitteln und leben. In der Gesellschaft und auch in der Kirche wird viel zu viel gejammert. Die Zeiten werden nicht automatisch immer schlechter, sie werden anders. Auch in der Kirche gibt es Transformationen und Veränderungen, bei denen wir von manchen Dingen Abschied nehmen müssen, um neue zarte Pflänzchen wachsen zu sehen. Diese Ermutigung sehe ich als eine erste Aufgabe in meiner Rolle als Provinzial.
Frage: Welche Aufgabe sehen Sie noch?
Rinderer: Ich will die Menschen zusammenbringen, Dialog und Kommunikation sind mir wichtig. In den Ordensniederlassungen tun die einzelnen Salesianer und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viel Gutes. In Zeiten der Veränderung braucht es viel Dialog, um dann zu tragfähigen Entscheidungen zu kommen. Wichtig ist ein aufmerksamer Blick für die konkreten Nöte im Umfeld und dann der Mut, da anzupacken. Bald steht ein Provinzkapitel an, bei dem wir über unsere Zukunft und gemeinsame Strategien nachdenken wollen.
Pater Peter Rinderer übernahm das Amt des Provinzials von Pater Siegfried Kettner. Hier sind beide beim Friedensgruß beim Einführungsgottesdienst zu sehen.
Frage: Ihre Gemeinschaft in Österreich besteht aus 44 Mitgliedern. Was kann man da bewegen?
Rinderer: Im Vergleich mit anderen Nationen sind wir damit tatsächlich eine kleine Provinz. Und trotzdem haben wir im Bereich der Jugendarbeit eine ganze Vielfalt an Angeboten: eine Schule, zwei Internate, ein Studierendenwohnheim, mehrere Jugendzentren und mehrere Wohngruppen für Jugendhilfe und junge Geflüchtete, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Es passiert viel Gutes an den verschiedenen Orten und aus meiner Sicht kommt immer Qualität vor Quantität. Es geht darum, einen Beitrag für junge Menschen zu leisten, der in die Kirche und die Welt hineinwirkt. Die Zahlen kommen dann als Zweites.
Frage: Die Zahl der Ordensberufungen gehen in nahezu allen westlichen Ländern zurück. Andererseits gibt es einen Teil junger Menschen, die auf der Suche nach Spiritualität sind. Haben Sie schon konkrete Ideen, wie Sie damit umgehen wollen?
Rinderer: Als Salesianer Don Boscos ist es eine unserer Kernaufgaben, junge Menschen zu begleiten. Der erste Schritt ist, Spiritualität in aller Freiheit anzubieten. Bei meiner letzten Station als Leitung eines Schülerwohnheims habe ich eine große Diversität an Sichtweisen erlebt. Es geht darum, den christlichen Glauben als etwas anzubieten, das Halt gibt und Freude schenkt. Zu meinen Mitbrüdern sage ich oft: "Das Entscheidende ist, dass wir glückliche Salesianer sind und mutig in die Zukunft gehen." Mit Freude und Mut können wir die nächsten Schritte in die Zukunft gehen.