640 Ehen – keine Scheidung

Wie ein "Tinder-Priester" über 1.200 Singles verkuppelt hat

Ein Priester legt bei einem Hochzeitsgottesdienst die Stola um die Hände des Brautpaars
Bild: KNA/Jan Lahitte

Online-Dating zählt Studien zufolge heute zu den beliebtesten Wegen, um nach einer Beziehung zu suchen. Diese Erkenntnis ist auch an der Kirche nicht vorbeibegangen – jedenfalls nicht an Fernando Cuevas. Der spanische Priester hat vor 15 Jahren damit begonnen, junge alleinstehende Gläubige zu verkuppeln. Dafür entwickelte der Geistliche einen eigenen Fragebogen und nutzt inzwischen den Instant-Messaging-Dienst "WhatsApp" für die Kommunikation bei seinem Vermittlungsdienst.

Die Ergebnisse des 70-jährigen Geistlichen lassen sich durchaus sehen: Nach eigenen Angaben hat Cuevas inzwischen für 640 Ehen gesorgt. Geschieden worden sei keine einzige davon. Den von einigen Medien verliehenen Titel "Tinder-Priester" oder "Match-Maker" trägt er damit offenbar nicht zu Unrecht.

Seine Partnervermittlungs-Karriere begann der auf Ibiza geborene Priester vor rund 17 Jahren, als ein junger Universitätsstudent ihm von seinen Schwierigkeiten berichtete, eine passende Freundin zu finden. Cuevas brachte ihn mit einer jungen Frau in Kontakt, die seine Werte und seinen Glauben teilte. Fünf Monate später leitete der Priester die Hochzeitsmesse. Die Nummer des Geistlichen gab das Paar anschließend weiter – und Cuevas erhielt eine Anfrage nach der anderen. "Seitdem habe ich es nicht geschafft, damit aufzuhören", sagte er laut "Tagespost". "Es ist ein ewiges Meer an Anfragen."

Vertrauen auf die Vorsehung Gottes

Cuevas' Anforderungen, um seinen Partnervermittlungsdienst in Anspruch zu nehmen? Die Alleinstehenden müssen mindestens 25 Jahre alt sein – eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht – und sonntags die Messe besuchen. Anschließend fragt der Priester nach Alter, Größe, Wohnort, Beruf, Bildung, kulturellem Hintergrund und kirchlichem Engagement. Wichtige Kriterien für ein "Match": ein ähnlicher Wohnort und eine ähnliche Spiritualität. Zudem sollte der Mann etwa zwei bis drei Jahre älter und etwas größer sein als die Frau, erläuterte Cuevas sein System. Auch gemeinsame Hobbys seien hilfreich. Grundsätzlich suchten die Menschen, die sich an ihn wenden nach Partnern, die fleißig, attraktiv und katholisch seien.

Eine besondere Gabe oder Algorithmen hat der Geistliche nicht. "Ich bin Priester; ich vertraue voll und ganz auf die Vorsehung und weiß, dass Gott jeden Menschen beruft, dass es für jeden von ihm schon vor seiner Geburt einen bestimmten Plan gibt", erklärte Cuevas dem spanischen EWTN-Ableger "ACI Prensa". "So wie jemand eine Berufung zu einem Orden, einer Bewegung oder zu etwas anderem haben kann, hat Gott für diesen Menschen etwas Bestimmtes vorgesehen, damit er die Heiligkeit erlangen kann."

Die Verkupplung alleinstehender Katholiken beansprucht laut Cuevas inzwischen jegliche Freizeit, die ihm neben seinem Amt als Priester im Erzbistum Valencia noch bleibt. An einem normalen Tag bekommt er nach eigenen Angaben rund 60 WhatsApp-Nachrichten. Er müsse die Menschen immer wieder um Geduld bitten. Jeder komme an die Reihe: "Gott wird für alle sorgen."

Mit seinem Partnervermittlungs-Dienst hat der 70-Jährige selbst inzwischen gewissermaßen expandiert: Während er anfangs nur den Menschen in der Erzdiözese Valencia helfen wollte, schreiben ihm mittlerweile auch Menschen aus anderen Ländern, insbesondere aus spanischsprachigen Ländern Südamerikas. Ein Priesterkollege kümmert sich um das "Match-Making" in diesem Teil der Welt.

"Die Menschen suchen nach wahrer Liebe"

Welchen Ratschlag Cuevas jungen Menschen heute mitgibt? Das Gebet. Es sei essenziell, mit dem Wunsch nach einem Partner immer wieder vor Gott zu treten. Zudem sei ein weiter Horizont erforderlich. Viele junge Menschen seien heute bereit, für einen Arbeitgeber ins Ausland zu gehen – warum also nicht auch für einen Partner?

Der Priester ist überzeugt: "Die Menschen suchen nach wahrer Liebe. Es gibt eine Sehnsucht, ein enormes Bedürfnis nach Liebe." Viele Menschen seien in großer Not. "Sie wollen wahrhaft lieben, sich selbst vergessen, sich hingeben und Christus in ihr Leben bringen." Die überwiegende Mehrheit seiner Klienten suche jemanden, der Christus in den Mittelpunkt seines Lebens stelle. "Es bewegt mich zu sehen, wie viele Menschen sagen: 'Es ist mir egal, ob er blaue Augen hat, sehr gut aussieht oder sehr klug ist. Wenn Christus nicht im Mittelpunkt seines Lebens steht – dann vergiss es.' Das ist die Hierarchie der Werte."

Auch wenn er Paare gewissermaßen im Akkord verkuppelt, betont Cuevas, dass bei der Wahl des Lebenspartners einiges auf dem Spiel steht. Er rät daher, an das zu glauben, was im alttestamentlichen Buch Tobit geschrieben steht. Bevor er ihm seine zukünftige Frau Sara vorstellt, sagt der Erzengel Raphael dort zu Tobit: "Fürchte dich nicht! Denn sie ist dir schon von Ewigkeit her bestimmt worden." (Tob 6,18)

Christoph Brüwer